Montag, 17. Mai 2021
16.04.2021 13:01
Klima

Nestlé will Landwirtschaftssystem neu denken

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Von: awp

Nahrungsmittelkonzerne wie Nestlé und Emmi gelten als Klimasünder. Sie leiden zugleich aber auch unter dem Klimwandel, weil dieser Kaffee- und Getreidepflanzen ebenso zu schaffen macht wie Milchkühen. Die Produktion muss neu gedacht werden.

Laut einer Uno-Studie ist die globale Nahrungsmittelproduktion inklusive Verpackung und Transport für über einen Drittel der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Dass Handlungsbedarf besteht, ist inzwischen in den Chefetagen der Nahrungsmittelkonzerne angekommen. Nestlé hat sich ebenso wie Emmi auf die Fahne geschrieben, bis 2050 netto keine Treibhausgase mehr auszustossen.

«Hier hinterherzuhinken, wird hohe Kosten nach sich ziehen», sagte Nestlé-Chef Mark Schneider anlässlich der Bilanzmedienkonferenz vom Februar. Der Grund: Wer nicht mitzieht, dem drohen verschärfte Regelungen, höhere Steuern sowie ein schwieriger Stand bei Konsumenten, Aktionären und Mitarbeitern.

Kurzfristig spielt also vor allem der Druck von aussen eine grosse Rolle. Gerade Nahrungsmittelunternehmen drohen langfristig aber auch sehr direkte Folgen des Klimawandel für ihre Rohstoffbeschaffung: Extreme Wetterereignisse schlagen ebenso auf die Landwirtschaft durch wie höhere Temperaturen.

Dürren, Waldbrände und Hitze

«Bereits heute sehen wir gewisse Auswirkungen», sagt Benjamin Ware, Leiter verantwortungsvolle Beschaffung bei Nestlé: Beispielsweise schmälern extreme Dürren in Brasilien die Kaffeeernte.

Auch Milchverarbeiterin Emmi sieht sich mit ersten Folgen konfrontiert: «Konkret spüren wir es beim Wasser», sagt Gerold Schatt, Leiter Nachhaltigkeit beim Zentralschweizer Unternehmen.

In Tunesien etwa kam es zuletzt häufiger vor, dass die Region die Wasserversorgung für das Unternehmen gestoppt hat, weil es nicht gleichzeitig für das Werk und die für die Region wichtige Hotellerie gereicht hat. «Auch die Waldbrände in Kalifornien sind eine ständige Bedrohung», so Schatt weiter. Aus Angst vor Funkenschlag werde in Trockenperioden teilweise einfach der Strom abgeschaltet.

Nicht immer sind die Auswirkungen aber negativ: Durch die Erwärmung werde auch die Vegetationsperiode länger, so Schatt. So gebe es auch Gürtel auf der Erde, wo etwa die Milchproduktion gesteigert werden könne. In der Schweiz allerdings machen Hitzewellen wie etwa diejenige 2018 den Kühen zu schaffen. «Bei 35 bis 38 Grad fühlt sich die Kuh auch nicht mehr wohl und die Milchleistung geht zurück», so Schatt.

Ernteerträge unter Druck

Und das ist erst der Anfang. «Der Klimawandel und der Temperaturanstieg haben einen direkten Einfluss darauf, wie Bauern Rohstoffe anbauen», sagt Ware. Grundsätzlich ergäben sich daraus zwei Folgen: Der Anbau verschiebe sich. Kaffeepflanzen beispielweise wachsen auf einer bestimmten Höhe. Wenn es wärmer wird, verschiebt sich das für die Sträucher günstige Anbaugebiet. «Für die Bauern ist das kritisch: Sie können ihr Land nicht einfach verschieben», so Ware.

Dort, wo die Verlagerung nicht möglich sei, würden die Ernteerträge zurückgehen. «In Indien wird Schätzungen zufolge bis 2050 die Hälfte der Reisproduktion verschwinden, weil es nicht genug Wasser gibt.» Und in den USA – einem der grössten Getreideproduzenten – könnte die Produktion um 20 bis 30 Prozent zurückgehen.

In der Folge muss sich die Nahrungsmittelindustrie auf höhere Kosten für die Produktion sowie zunehmende Schwankungen in der Verfügbarkeit und den Preisen von Rohstoffen einstellen.

Produktion neu denken

Also was tun? «Ich glaube nicht, dass es am Ende der richtige Weg ist, die Produktionsverschiebung einfach zuzulassen», sagt Ware. «Damit verschieben wir das Problem nur auf später.» Man müsse nun handeln und das landwirtschaftliche Produktionssystem neu denken.

Das heisst: Schluss mit Monokulturen und maximaler Bodenausbeutung. Beim Kaffeeanbau etwa gelte es, auf robustere Kaffeebäume zu setzen und die Arten zu diversifizieren, erklärt Ware. Zudem brauche es Schatten für die Pflanzen, etwa indem Bäume zwischen die Sträucher gepflanzt würden. Besonders gut funktioniert das etwa, wenn man Kokosnussbäume mit Kakaopflanzen gemeinsam anbaut. Und schliesslich müsse man den Einsatz von Chemikalien verringern und auf natürlichere Dünger umstellen.

Solche Massnahmen lassen sich unter dem Schlagwort «regenerative Landwirtschaft» zusammenfassen. Das Gute daran: Die Massnahmen helfen nicht nur, die Auswirkungen des Klimawandels einzudämmen, sie sind zugleich auch umweltfreundlicher. «70 Prozent unseres CO2-Fussabdrucks stammen aus der Landwirtschaft und der Rohstoffförderung», sagt Ware. «Hier müssen wir handeln.»

Gemeinsam gegen Klimawandel

Doch die Umsetzung ist nicht immer einfach. Denn die Konzerne betreiben selbst meist keine Farmen und sind hier auf die Zusammenarbeit mit den Landwirten angewiesen. Für die Bauern bedeuten solche Massnahmen aber häufig Einkommenseinbussen: Bäume als Schattenspender beispielsweise verringern den Platz für ertragsbringende Pflanzen. Nestlé setzt daher auf verschiedene Anreizsysteme: Prämien, längere Vertragsdauern, technische Unterstützung, Co-Finanzierung.

Emmi stellt derweil bei den Bauern bereits ein Umdenken fest: «Noch vor zwei Jahren war es schwierig, über das Thema zu reden», sagt Schatt. «Inzwischen sind wir auf einer ganz anderen Flughöhe.» Das Bewusstsein sei da, dass man etwas machen müsse. «Aber das Thema Finanzierung ist definitiv noch im Raum.»

Auch innerhalb der eigenen Produktion können die Konzerne handeln: Sei es durch einen sparsameren Wasserverbrauch, erneuerbare Energien in der Produktion und im Transport oder im Kampf gegen Foodwaste.

«Wir haben noch einen weiten Weg vor uns», bilanziert Ware. Den Klimawandel könne man nicht alleine angehen, sondern nur gemeinsam. So spannt Nestlé mit anderen Nahrungsmittelkonzernen zusammen, um beispielsweise den Einfluss als Einkäufer zu nutzen und Quoten für die Abnahme von Rohstoffen aus regenerativer Landwirtschaft zu vereinbaren. Insgesamt zeigt sich Ware optimistisch: «Das wird kein einfacher Weg, aber alle haben sich auf diese Reise begeben.»

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14 Responses

  1. Regenerative Landwirtschaft ist das Agrarsystem, das unser Klima schützt, die Biodiversität fördert und die Böden gesund macht. Mit Nestlé hat sich ein weiterer grosser Akteur zu diesem Ansatz verpflichtet, dank dem unermüdlichen Engagement von Pionieren wie Gabe Brown, Joel Salatin, allan Savory, Charles Massy und vielen anderen.

    Es gibt zahlreiche weitere Verarbeiter und Lieferanten, die vorwärts gehen und regenerative Landwirtschaft zum zukünftigen Agrarsystem machen werden .

    1. Hoi Daniel , Du hast leider Ernst Frischknecht vergessen!!! Du musst in unseren eigenen Reihen schauen nicht immer im Ausland. Leider ist Ernst Frischknecht am 14. April von uns gegangen, ein grosser vordenker und Biopineer, ein Kämppfer der ersten Sunden. Ein Wunderbahere Mensch, Bauer und grosser Freund, ich habe sehr grosse Hochachtung vor Ihm und seinem Wirken. Er ist der , der Bio-Milchmarkt, ja die Biopreise für die Bio-Mlich hat er geschaut dass BioMich seinen Mehrpreis hat.

      1. Grundsätzlich gebe ich Dir aber recht, wobei bei der Regenerativen Landwirt oft noch vergessen wird, dass die Hofdünger zwingend auf zu bereiten sind. Es muss entlich die Ausgasung aus der Landwirtschaft gestoppt werden. Viele machen es schon sehr gut, nur leider bringen sie noch immer Ammoniakgülle aus. Wir werden darum jetzt eine Arbeitskreis Hofdünger Aufbereitung gründen, um auf zu zeigen dass eben auch ganz anderst geht.

          1. Hoi Philipp, anhand deiner Frage nehme ich an,dass Du nicht weisst wie Ammoniak entsteht. Das ist wenn Harn und Kot zusammentreffen imStall, das sogleich Ammoniakentweicht,nur können das die meisten landwirte nicht mehr selber riechen, weill sie selber schon eine Art Gasvergidtung erliten haben und es leider erst dann glauben wollen, wenn ihnen ein Messgerät das zu 100% beweisen. Es gibt aber noch andere Hinweise, dass das so ist und etwas nicht stimmt. Geschlossene Mistdecke im Güllenloch.

  2. Philipp, zu deiner Frage zurück. Biogasanlagen haben nichts mit Bio zu tun, als verwendet andere Namen dafür. Gülle durch solche Anlagen zu leiten, verlagert das Problem nur, das ist keine Lösung. Denn das ist wiederum eine Metangärung, die Gase die da entstehen, werden zwar verbrennt und für Stromerzeugung genutz. Dass aber genau die Lang und Kurzkettigen Kohlenstoff verbindungen verbrannt werden, die es für Humusaufbau braucht, davon redet niemand. Aber alle reden von ökologisch sinnvoll.

    1. Das problem liegt Grundsätzlich schon mal bei den Austallungssystemen die in Letzter Zeit aufgekommen sind wo nur Vollgülle gemacht wird. Es gäbe viele vile bessere Alternativen, nur werden die immernoch zuwenig beachtet.Einzelne Bauern jedoch die sich informieren, haben ganz gute LösungsAnsätze gefunden, leider fehlt das wissen noch wie wirklich dann auch damit um zu gehen. Wenn aber Die Vollgülle schon vorhanden ist,weil das Aufstallungssystem jetzt nun mal so ist,muss diese Aufbereitet werden

      1. Dies wird jetzt zum ersten mal komplet aufgezeigt, im Arbeitskreis Hofdünger Aufbereitung und Nähstoffkreisläufe auf dem Landwirtschaftsbetrieb, Mit den ganzen Möglichkeiten die es bis jetzt gibt. Von der Aufstallung , bis zur Behandlung mit geeigneten Produkten, die wirklich eine Wirkung bringen. Oft sind Kominationen am Anfang am Wirkungs vollsten, bis die Betriebseigenen positiven Mikroben und Bakterien stark genug sind um diese Arbeit wieder vollständig zu übernehmen, bis hin zum Boden.

        1. Dies geschieht aber nicht einfach in ein Paar Monaten, schon gar nicht, wenn vorher nichts gemacht wurde. Und meist dann noch Antibiotikamilch und Scharfe Waschmittel und Hausabwasser in die Güllengrube eingeleitet wird. Auch neue Güllengruben, wo der Beton phWert noch viel zu hoch ist, der alles leben vörmlich abtötet. Durch die Massnahemen von Bund und Kantonen , wie etwa,Güllengruben abdecken, Einsatz vom Schleppschlauch bringen gar nichts. Das nennt man,das Gewisse zu täuschen.

  3. Kommt Ammoniak und Metangülle auf dem Boden,reagiert diese mit dem Kohlenstoff im Boden, es entsteht Lachgas.
    Das 300mal schädlicher ist in der Atmosphäre, 120Jahre da aktiv bleibt,mit einber Halbwertszeit wie bei Atom. Damit aber noch nicht genug, Humusabbau und Bodenschädigungen sind die Folge davon usw. Der Boden wird so abhängig von der Mensch gemachten Düngung, denn oft werden dann noch salzhaltige Chemisch syntetische Dünger und Pestiziede verwendet. Der Boden ist nun wie ein ,,Zombi,,

  4. Wer das nun gelesen hat und sich fragt wie er an das wissen heran kommt, dies anderst zu tun, für den biettet sich die Möglichkeit in einem Arbeitskreis, sich zu informieren und Beraten zu lassen. Dies direkt von schon praktizierenden Bauern, die schon erfolgreich damit Arbeiten, da sind auch solche dabei die grad angefangen haben und solche die noch nichts gemacht haben aber jetzt damit Anfangen wollen. Wir sind eine bunt gemischte Bauernschat, aus IP und Bio Bauern. Der wille zählt!!!

    1. Wenn du wirklich, Erfolg haben willst, Du weniger bis keinen Antibiotika mehr einsetzen willst, Du gesündere Leistungsfähigere Tiere, gleich welcher Tiergattung haben willst. Sprich auch viel weniger Tierarztkossten, ja auch bessere Fruchtbahrkeit, gesündere Euter sprich tiefere Zellzahlen und Gesündere Klauen, weniger Durchfall bei Jungtieren( Kälbern,Ferkeln)usw. Du den Boden wieder beleben und aufbauen willst, für ein Gesundes Pfalnzen Wachstum und nachhaltige gute Ernten, dann melde dich an.

  5. Melde dich bitte, möglichst bald an, denn wir starten den Arbeitskreis demnächst, wer vom Anfang an dabei ist profitiert am meisten. Klar könnt ihr Euch immerwieder anmelden, wir werden dann aber vieleicht Wartelisten haben um Euch in eine geeignete Gruppe einbinden zu können. Wir sind schon bald einmal vollzählig, es sind noch ein Paar Plätze frei. ANMELDUNG unter: bernadette.habermacher@bluewin.ch bitte mit Vollständigem Namen Adresse, Handy Nummer. Wir freuen uns auf Dich !

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