Donnerstag, 8. Dezember 2022
17.11.2022 08:55
Bern

Bergdorf: 2,6 Milliarden für Räumung von Munitionslager

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Von: sda

Über die Räumung des früheren Munitionslagers Mitholz im Berner Oberland entscheiden nun die eidgenössischen Räte. Der Bundesrat beantragt in seiner Botschaft 2,59 Milliarden Franken für die Arbeiten, einschliesslich Sicherheitsmarge wegen Unsicherheiten.

Der Bundesrat beantragt 2.59 Milliarden Franken für die Räumung des früheren Munitionslagers Mitholz. Geplant ist, die gefährlichen Munitionsrückstände zu beseitigen und das Gebiet im Umkreis von Mitholz danach instand zu stellen. Die Gefahr von Grossereignissen wie weiteren Explosionen könne so beseitigt werden. Das Räumung soll rund 25 Jahre dauern.

2,59 Milliarden Franken beantragt

Der Entscheid für die Räumung sei nicht einfach gewesen, sagte Verteidigungsministerin Viola Amherd am Mittwoch in Bern vor den Medien. «Sie hat einschneidende Konsequenzen für die Einwohner von Mitholz.» Die ersten Bewohner müssten wegen der Arbeiten bereits 2025 wegziehen, und spätestens 2030 sei es für die übrigen so weit.

Der Bundesrat beantragt einen Verpflichtungskredit von 2,59 Milliarden Franken. Die erste Tranche – 1,09 Milliarden Franken – soll mit dem Entscheid des Parlaments freigegeben werden. Dieses Geld wird für die Vorbereitung der Räumung sowie für Schutzmassnahmen gebraucht.

760 Millionen Reserve

Weitere 740 Millionen Franken werden für die eigentliche Räumung und Entsorgung der Munitionsrückstände benötigt, für die Instandstellung des Geländes und die Wiederbesiedlung von Mitholz. Diesen Betrag will der Bundesrat je nach Vorankommen des Projekts freigeben.

Die letzten 760 Millionen Franken sind als Reserve für die Teuerung und Projektrisiken vorgesehen. Denn noch gebe es Unsicherheiten, sowohl zu den geologischen und hydrologischen Verhältnissen als auch zum Zustand der Munitionsrückstände und deren Menge.

3500 Bruttotonnen Munition

Gemäss Schätzung befinden sich in den bei der Explosion von 1947 eingestürzten Teilen der Anlage sowie im Schuttkegel bis zu 3500 Bruttotonnen Munition. Technisch herausfordernd ist laut Amherd die Fluh oberhalb des Ortes. Seien die instabilen Felsformationen abgebaut, fehle der schützende Fels und es drohten Explosionen.

Weiter muss verhindert werden, dass freigelegte Munitionsreste der Witterung ausgesetzt seien und Schadstoffe in die Bäche oder ins Grundwasser gelangen. Schutzvorkehrungen wie der Schutztunnel über der Nationalstrasse und der vergrösserte Geschiebesammler des Dorfbachs bleiben nach der Räumung des Munitionslagers bestehen.

Kostenplanung extern überprüft

Eine externe Stelle habe die Kostenplanung überprüft, schrieb der Bundesrat. Die Finanzierung der Mitholz-Räumung beeinflusst die Finanzplanung der Armee nicht. Denn lediglich 300 Millionen Franken seien «schuldenbremsenwirksam», sagte Amherd. Diese 300 Millionen Franken würden zum Beispiel für den Kauf der Immobilien eingesetzt.

Der Rest der insgesamt 2,59 Milliarden Franken werde über Rückstellungen finanziert, die bereits gemacht worden seien. Diese unterstünden entsprechend nicht der Schuldenbremse.

Verabschiedet hat der Bundesrat auch die raumplanerischen Grundlagen für die Räumung des früheren Munitionslagers. Mit dem Objektblatt Mitholz des Sachplans Militär werden Evakuations-, Sicherheits- und Anlageperimeter definitiv und behördenverbindlich festgesetzt.

Von Kanton und Gemeinde gestützt

Positiv aufgenommen wird der Räumungsentscheid des Bundesrates vom Kanton Bern und von der Gemeinde Kandergrund. Die Gemeindeversammlung habe der Teilrevision der Ortsplanung mit einer Spezialzone Mitholz zugestimmt, berichtete der Kandergrunder Gemeindepräsident Roman Lanz an der Medienkonferenz.

Die Revision stelle Bauland für Wohnungen und Arbeitsräume zur Verfügung, und sie schaffe auch die planungsrechtlichen Grundlagen für den Wiederaufbau. Geregelt sei auch, dass die früheren Eigentümer oder deren nachfolgende Generationen nun zwangsweise geräumte Grundstücke wieder aufbauen könnten.

Rund 50 Menschen im Sicherheitsperimeter müssten ihr Dorf verlassen, so Lanz. Rund 90 weitere Menschen in der äussersten Gefahrenzone können bleiben, wenn sie wollen. Das ist schon seit März 2022 klar.

Das unterirdische Munitionslager Mitholz wurde 1947 bei einer Explosion verschüttet. Neun Menschen kamen ums Leben. Das Lager wurde danach nicht geräumt. 2018 kamen Experten zum Schluss, dass vom Lager eine grössere Gefahr ausgeht als zuvor angenommen.

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4 Responses

  1. Eigentlich sollten die Verantwortlichen Leute von der Politik und dem Militär die Verantwortung der Kosten übernehmen
    FÜR DIE UMWELTZERSTÖRUNG .
    NUR SO KANN IM MILITÄR ENDLICH AUCH EINMAL DER UMWELTSCHUTZ ZU TRAGEN KOMMEN UND NICHT WIE IN DEN LETZTEN 50 JAHREN.
    MUNITION EINFACH IN DIE SEEN ENTSORGEN
    DENKT DA AUCH NUR EINER AN DIE KOMMENDEN GENERATIONEN.
    ES IST ZU HEULEN.

    1. W. Germann: Wenn dir die Umweltzerstörung ein Dorn im Auge ist, dann schreibe doch gegen die Kriegstreiber, die durch Waffenlieferungen und Sanktionen den Krieg in der Ukraine befeuern und damit auch Munitionslager und Umweltverschmutzung in weit grösserem Masse als in Mitholz!
      Was vergangen ist, kann nicht mehr geändert werden, was aber in der Gegenwart ist, können wir anpacken.
      Ausserdem ist die grösste Pest unserer Zeit die falsche linke Ideologie, die fast alle Probleme verursacht!

  2. Jaja Herr Furrer, die Linken sind aus Ihrer Sicht an allem Unheil Schuld. So ein Schmarrn! Sie sind gefangen in ihrer Ideologie.

    1. Ja, die Linken wollen mehr Regulierung, pseudoreligiöser Moralismus, Intoleranz, was mehr Kosten für die Bürger verursacht und die Meinungsäusserungsfreiheit verunmöglicht. Corona (Masken, Impfung, Testung, unkritisches Mitmachen von SP, GLP, Grünen, CVP, EVP, FDP) und Klimawahn (Null Ahnung von Energie, Wissenschaftsgläubigkeit) zeigen deutlich, wie die Linken ticken. Abschaulich für die völlige Unfähigkeit, ja Landesverrat der Linken ist in DE mit Scholz, Habeck, Baerbock, Özdemir ersichtlich.

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