Sonntag, 22. Mai 2022
26.01.2022 13:50
Erneuerbare Energie

So soll Solarenergie zur tragenden Säule werden

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Von: sda

Solarenergie soll neben der Wasserkraft zur tragenden Säule der Schweizer Energieversorgung werden. Gemäss dem Fachverband Swissolar könnte sie bis im Jahr 2050 15 Mal mehr Strom liefern als heute.

Der Ausstieg aus der Atomenergie fordere neue Lösungen, sagte Swissolar-Präsident und Nationalrat Jürg Grossen (GLP/BE) am Mittwoch bei einer Online-Medienorientierung. Die Solarenergie könne in der Schweiz Strom in grossen Mengen liefern, «erneuerbar, zeitnah und kostengünstig».

Zielwerte zu tief abgesetzt

Damit diese Umstellung aber gelinge, müssten mehr und schneller Photovoltaik-Anlagen zugebaut werden. Die in der bundesrätlichen Botschaft zum Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit neuen Energien (Mantelerlass) vorgesehenen Zielwerte für die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien gingen zwar in die richtige Richtung.

Doch sie seien zum Teil veraltet und zu tief angesetzt, um die Versorgungssicherheit und das Netto-Null-Ziel 2050 zu erreichen. Ausserdem gebe es keine klaren Zubau-Ziele für Photovoltaik im Gesetz, sagte Grossen. Ein rascher Ausbau von Solarenergie könnte jedoch mögliche Engpässe in den 2030er Jahren verhindern – zum Beispiel bei der Winterversorgung.

Pflicht zur Nutzung aller geeigneten Flächen

Die Schweiz mit ihren Speicherwasserkraftwerken sei «prädestiniert für einen hohen Anteil Solarstrom», heisst es in dem neuen 11-Punkte-Plan der Solarwirtschaft. Diese könnten dann den Strom liefern, wenn die Sonne nicht oder nur wenige scheine, insbesondere im Winter.

Statt 39 Terawattstunden (TWh) Produktion im Jahr 2050 sollten 50 TWh anvisiert werden, wovon 45 TWh aus Photovoltaikanlagen stammen sollen. Dieser Wert entspreche weniger als der Hälfte des Solarpotenzials in der Schweiz, das Swisssolar pro Jahr auf über 100 TWh schätzt.

Der Fachverband schlägt zudem vor, in sämtlichen Kantonen eine Pflicht zur Nutzung aller geeigneten Flächen auf Neubauten und Sanierungen einzuführen. Denn auf den Dach- und Fassadenflächen bestehender Bauten könne mehr Strom produziert werden (rund 66 TWh) als die Schweiz zurzeit verbrauche.

Höherer Netzzuschlag

Im Elf-Punkte-Programm fordert der Verband unter anderem auch die Erhöhung des Netzzuschlags um 0,5 Rappen pro Kilowattstunde sowie eine einheitlich geregelte Abnahmevergütung. Investoren bräuchten die Sicherheit, das letztere nie unter eine festzulegende Schwelle falle. Swissolar schlage deshalb für Anlagen mit Eigenverbrauch einen Minimalpreis vor, der sich am Energiepreis des Standardstromprodukts orientiere.

Die weiteren vorgeschlagenen Massnahmen betreffen die Raumplanung, die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften, die Beteiligung der Schweiz am Wiederaufbau einer europäischen Solarindustrie sowie den Abbau von unnötigen Zusatzkosten und administrativen Hemmnissen. So seien die Kosten für die Bürokratie heute gleich hoch wie für den Bau einer Anlage.

-> Hier gehts zum Elf-Punkte-Programm

Produktionskapazitäten aufbauen

Dazu komme, dass im Moment 95 Prozent der Solarkomponenten aus Asien stammten, vor allem aus China. Diese «monopolähnliche Situation» sei problematisch. Denn erstens stiegen wegen der Produktions- und Transportengpässe zur Zeit die Preise für die Module. Und zweitens habe der Strommix in China eine schlechtere Ökobilanz als derjenige in Europa.

Deshalb müssten die Produktionskapazitäten über die gesamte Lieferkette auch in Europa aufgebaut werden. Die Schweiz habe mit ihren Hochschulen und Modulherstellern eine hervorragende Ausgangslage, dabei mitzuwirken. Das Ziel wäre, dass die Komponenten von Solaranlagen lokal und nachhaltig produziert werden könnten, sagte Swissolar-Vize-Präsidentin Gabriela Suter.

Gute Ausgangslage für Schweiz

Wenn sich die Politik zum Ausbau der Solarenergie bekenne, werde die Branche auch für Arbeitnehmende, Lehrlinge oder Quereinsteiger attraktiver. Dazu brauche es aber eine Ausbildungs- und Umschulungsoffensive. Wichtig sei, dass sich Bund und Kantone diese unterstützten.

Nach ihrem Szenario könnte die Zahl der neuen Vollzeitstellen von heute 7000 bis 8000 bis im Jahr 2030 auf rund 17’000 und bis im Jahr 2050 auf über 20’000 ansteigen.

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4 Responses

  1. Besser Kernenergieprojekt sofort planen!
    Solar bringt im Winter ( bei Nebel oder Schnee ) nicht viel. (habe selber Solar)
    Im Winter laufen dann all die neuinstalierten Wärmepumpen.

  2. Und den Atommüll bei dir im Garten vergraben? Kernenergie ist mit Abstand die teuerste Energieform in der Vollkostenrechnung. Ist ja ein Hohn, dass produziert werden darf, ohne dass die Entsorgung gewährleistet ist.
    Wäre so in der landwirtschaflichen Produktion nicht möglich.

    1. Atommüll ist ein kleines Problem. Meist braucht es nur ein Zwischenlager, da sich die Radioaktivität ständig vermindert und weil auch der Müll weiterverwendet werden kann. Ausserdem ist die Menge an Müll unvergleichlich geringer als bei Windkraftanlagen und Solaranlagen.
      Nimm dir Michael Shellenberger, ein ehemaliger Umweltaktivist zum Vorbild, der erkannt hat, dass die sog. erneuerbaren Energieformen viel umweltschädlicher sind als Kernkraft.

  3. „In Kernkraftwerken westlicher Technik ist durch Strahlung noch nie ein Mensch zu Schaden gekommen,
    dennoch sind Italien und Österreich ausgestiegen und Deutschland folgt dem Beispiel. Weltweit hat die
    friedliche Nutzung der Kerntechnik laut UNSCEAR von Beginn in 1945 bis 2007 insgesamt 147 Todesopfer
    bei Strahlenunfällen gefordert, da sind Tschernobyl und Unfälle in der Medizin mit eingeschlossen, ebenso
    auch Kritikalitätsunfälle in der Anfangszeit.“ Dr. Lutz Niemann

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