Donnerstag, 8. Dezember 2022
24.11.2022 11:00
Energie

Strommangel: Was die Massnahmen bedeuten 

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Von: sda

Der Bundesrat hat am Mittwoch Massnahmen für den Fall eines Strommangels in eine verkürzte Vernehmlassung gegeben. Das in Kaskaden aufgebaute System reicht von Sparappellen über Einschränkungen und Verbote bis zur Netzabschaltung. Was bedeuten die Massnahmen für Privathaushalte und Firmen?

WARUM VIER ESKALATIONSSTUFEN?
Der Bundesrat will die Massnahmen an die Schwere des allfälligen Mangels und die jeweils aktuelle Situation anpassen können. Die Eskalationsstufen können hintereinander oder auch parallel gezündet werden. Sie reichen von dringlichen Sparappellen bis zu vorübergehenden Netzabschaltungen. Ziel ist, das Netz stabil zu halten und so die Stromversorgung zu sichern. Ziel jeder Massnahme ist es, einschneidendere Massnahmen zu verhindern. Die Massnahmen wurden vom Bund zusammen mit der Wirtschaft und den Kantonen erarbeitet. Der volkswirtschaftliche Schaden soll möglichst gering bleiben.

WER IST VON DRINGLICHEN SPARAPPELLEN BETROFFEN?
Sparappelle sind die erste Eskalationsstufe, die beim Auftauchen eines allfälligen Mangels gezündet würde. Richten würden sich diese Aufrufe an alle Privatpersonen und Betriebe. Über das Lancieren eines Sparappells entscheidet der Delegierte für Wirtschaftliche Landesversorgung.

WELCHE EINSCHRÄNKUNGEN GÄBE ES ZUERST?
Bringen Sparappelle zu wenig, würde der Bundesrat in der zweiten Eskalationsstufe Einschränkungen und Verbote für nicht zwingend benötigte Geräte und Anlage anordnen. In einem ersten Schritt würde etwa für Waschmaschinen eine Höchsttemperatur von 40 Grad vorgeschrieben. Beleuchtungen zu Werbezwecken müssten zwischen 23.00 Uhr und 05.00 Uhr gelöscht werden. In einem zweiten Schritt würden etwa Beleuchtungen zu Werbezwecken ganz verboten. In einem dritten Schritt würden beispielsweise Ladenöffnungszeiten verkürzt und der Betrieb von Auto-Waschanlagen verboten.

Im Falle einer schweren Strommangellage würden die Massnahmen an die Schwere der Mangellage und die aktuelle Situation angepasst werden. Ziel der Interventionen ist es, die Netzstabilität und damit die Stromversorgung aufrechtzuerhalten.
Bund

WANN GIBT ES KONTINGENTIERUNGEN UND WEN TREFFEN SIE?
Helfen die Sparappelle und Einschränkungen nicht, wären Kontingentierungen die dritte Eskalationsstufe. Sie träfe etwa 34’000 Grossverbraucher mit einem Jahresverbrauch von mindestens 100 Megawattstunden, die ihren Strom im freien Markt beschaffen können. Sie machen knapp die Hälfte des Schweizer Stromkonsums aus. Über die Kontingentierung entscheidet der Bundesrat. Bei einer Kontingentierung könnten auch Verbote ausgesprochen werden, etwa für den Betrieb von Sportanlagen. Ausgelegt würde die Kontingentierung auf einen Monat; die Grossverbraucher könnten den zur Verfügung stehenden Strom entsprechend ihren Bedürfnissen auf den Monat aufteilen. Möglich machen will der Bundesrat auch eine Sofortkontingentierung, die auf einen Tag ausgelegt würde. Vollzogen wird die Kontingentierung von der Organisation für Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen (Ostral).

WIE WARM DARF GEHEIZT WERDEN?
Das hängt von der geltenden Eskalationsstufe ab. In einem ersten Schritt würde die Heiztemperatur in öffentlich zugänglichen Räumen auf 19 Grad begrenzt, in Gästezimmern des Gastgewerbes wären es mit Rücksicht auf den Tourismus noch 20 Grad. Erst in der dritten Eskalationsstufe dürfte in Privatwohnungen noch auf höchstens 18 Grad geheizt werden. Betroffen wären aber nur Wohnungen, die überwiegend mit elektrischer Energie geheizt werden, also zum Beispiel mit Elektroheizungen und Wärmepumpen. Ölheizungen sind nicht betroffen.

WAS GESCHIEHT, WENN ALLES NICHTS NÜTZT?
Fehlt es an Strom und helfen alle Sparappelle und Beschränkungsmassnahmen nicht genügend, sind als vierte und letzte Stufe Netzabschaltungen vorgesehen, als ultima ratio, wie der Bund schreibt. Sie sollen einen Blackout verhindern. Abwechselnd würden nach Vorankündigung einzelne Teilnetzgebiete ausgeschaltet. Betroffen wären alle Verbraucherinnen und Verbraucher, vom Grossbetrieb bis zum Privathaushalt. Ausnahmen für die medizinische Grundversorgung, die Energie- und Wasserversorgung und Blaulichtorganisationen wären zwar erlaubt, aber technisch nur vereinzelt möglich.

WAS TUN, WENN MAN AUF STROM ANGEWIESEN IST?
Wer beispielsweise auf einen Elektrorollstuhl oder ein mit Strom betriebenes Beatmungsgerät angewiesen ist, wäre von einer Netzabschaltung ebenfalls betroffen. Für diesen Fall müssen die Betroffenen selbst vorsorgen und abklären, wo sie sich bei einer im Voraus angekündigten Netzabschaltung aufhalten können, um sicher versorgt zu werden.

WERDEN FOLGEN DURCH STROMUNTERBRÜCHE ENTSCHÄDIGT?
Stromabschaltungen werden im Voraus bekanntgegeben. Jeder und jede ist selbst verantwortlich dafür, dass an seinen Geräten keine Schäden entstehen. Entschädigungen für Betriebe wegen der Folgen von Einschränkungen sind nicht vorgesehen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann Kurzarbeitsentschädigung bezogen werden.

WIE WIRD DAS EINHALTEN DER VORSCHRIFT KONTROLLIERT?
Für die Kontrollen sind die Kantone zuständig. Systematische Kontrollen sind aber nicht vorgesehen, vor allem nicht in privaten Haushalten. Der Bund setzt darauf, dass die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung Verbote und Beschränkungen in einer schweren Krise respektiert. Technische Beschränkungen setzen die Betreiber der Verteilnetze um, überwacht von der Ostral.

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2 Responses

  1. Wer hat das Stromdebakel verschuldet? Wer will nun alle Schuld gleichmässig auf alle verteilen? Was nichts anderes ist als das Wesen des Sozialismus (alle sind schuld, niemand ist verantwotlich, alle sind gleich arm).

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