Sonntag, 17. Januar 2021
31.10.2011 08:16
Kasachstan

Studie: Agrarboom kann ländliche Armut minimieren

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Von: AgE/blu

Der Boom an den Agrarmärkten kann ländliche Armut beseitigen. Das zeigt eine Studie des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO) zur Situation in Kasachstan, die kürzlich bei der Weltbank in Washington vorgestellt wurde.

Die Getreideanbauflächen in der ehemaligen Sowjetrepublik wurde in den letzten zehn Jahren um 5 Mio. auf 15 Mio. Hektaren ausgeweitet. Die Wertschöpfung im Getreidesektor wurde im selben Zeitraum mit Hilfe moderner Agrartechnik und dem wachsenden Einsatz von Mineraldünger nahezu verdoppelt und die ländliche Armut aufgrund zunehmender Knappheit an Arbeitskräften weitgehend beseitigt, schreibt Agra-Europe unter Berufung der IAMO-Studie. 

Löhne stiegen doppelt so hoch wie Getreidepreise

Eine wichtige Ursache für den beobachteten Agrarboom stellen den
Wissenschaftlern zufolge die deutlich gestiegenen Getreidepreise dar. „Zu unserem Erstaunen kletterten die Löhne für Landarbeiter in den vergangenen zehn Jahren etwa doppelt so schnell wie die Getreidepreise“, so der Leiter der Studie, Martin Petrick.

Produktivitätsgewinne und hohe Getreidepreise in der von Agrarunternehmen auf Lohnbasis dominierten Region würden an die Arbeiter weitergegeben.

Konsumausgaben der ländlichen Haushalte verdoppelt

Ausschlaggebend für das Ansteigen der ländlichen Einkommen auf breiter Basis sei die zunehmende Knappheit an Arbeitskräften. „Betriebsleiter berichten übereinstimmend von den Schwierigkeiten,
qualifizierte Arbeitnehmer zu bekommen und zu halten“, erläuterte Petrick.

Dies gelte vor allem für Fachkräfte, die etwa moderne, satellitengesteuerte Landmaschinen bedienen könnten. Aufgrund dieser Knappheit habe die Intensivierung der Agrarproduktion durchweg positive Auswirkungen auf die ländliche Bevölkerung.

Die Konsumausgaben der ländlichen Haushalte stiegen an, während der Anteil der Haushalte mit Einkommen unterhalb der Armutsgrenze von 40% vor zehn Jahren auf 5% im Jahr 2010 fiel.

Enormer wirtschaftlicher Aufschwung

Gemäss der IAMO-Studie kommt der flächenreichen Exportnationen angesichts der weltweit steigenden Nachfrage nach Grundnahrungsmitteln eine Schlüsselfunktion für die Ernährungssicherung zu. Gleichzeitig würden jedoch zunehmend Bedenken laut, dass die weltweite Intensivierung der Agrarproduktion zugunsten von Exportprodukten die Bedürfnisse lokaler Bevölkerungsgruppen nicht ausreichend berücksichtige. 

Anhand zahlreicher bisher unveröffentlichter Statistiken und vor Ort durchgeführter Fallstudien werde der enorme wirtschaftliche Aufschwung verdeutlicht, den diese dünn besiedelte Region in den vergangenen zehn Jahren erfahren habe.

Staatliche Regulierung als Hemmfaktor

Begünstigt wurde der Agraraufschwung der letzten Jahre durch Einnahmen aus Ölexporten sowie einer vergleichsweisen stabile politischen Situation unter dem seit 20 Jahren amtierenden Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajev.

Petrick äusserte zugleich die Befürchtung, dass aktuelle agrarpolitische Rahmenbedingungen die weitere Entwicklung hemmen werden. Die Märkte für Kapital und Boden unterlägen in Kasachstan nach wie vor starker staatlicher Einflussnahme. Die meisten Flächen befänden sich noch immer in Staatsbesitz, würden langfristig verpachtet und wanderten aufgrund intransparenter Vergabeverfahren und staatlich
kontrollierter Pachtpreise nicht immer zum besten Landwirt.

„Statt aktiv auf den Märkten für Kapital und Boden einzugreifen,
sollte die kasachische Regierung vor allem in Ausbildung, Forschung
und den weiteren Ausbau der Infrastruktur investieren“, so Petrick bei der Präsentation der Ergebnisse in Washington.

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