Sonntag, 24. Januar 2021
25.03.2016 08:42
Vermietung

Wenn Stallkleider in der Waschküche Ärger machen

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Von: Raphael Bühlmann

Mehr Landwirte vermieten Wohnungen auf dem Betrieb. Dabei sind sie gut beraten, sich auch mit dem Mietrecht zu befassen.

Einige Dinge im Leben können geregelt werden, andere sollten es und einige müssen es. Und dann gibt es noch Abmachungen, die gehören klipp und klar in einem Vertrag geregelt. Dass darunter auch der Mietvertrag fällt, kam an einer Informationsveranstaltung am Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung (BBN) in Hohenrain LU mehr als deutlich zum Ausdruck. Unter dem Titel «Der Landwirt als Vermieter» machte Krista Christen, Inhaberin der gleichnamigen Treuhandfirma, auf Stolpersteine bei der Wohnungsvermietung aufmerksam.

Info über Stallkleider

Bevor Christen ins Detail ging, stellte sie klar: «Wenn man eine Wohnung auf dem Hof vermietet, sollte sich die ganze Betriebsleiterfamilie überlegen, wen man sich auf den Hof holen will.» So sei es zum Beispiel einfacher, eine Wohnung an eine junge Familie zu vermieten, wenn man selber auch noch Kinder habe. Potenzielle Mieter sollte auch von Beginn über die Besonderheiten eines Landwirtschaftsbetriebes aufgeklärt werden.

Christen ortet bei Gerüchen, Lärm oder schmutzigen Stallkleider vor der Waschmaschine zusätzliches Konfliktpotenzial. Vor diesem Hintergrund sei es ratsam, auch Dinge schriftlich zu klären, die vielleicht in den Augen des Vermieters im ersten Moment als selbstverständlich erachtet werden. Als weiteres Beispiel nannte Christen etwa die zur Verfügung gestellte Gartenfläche. «Geben sie Masse an, zeichnen sie einen Plan. Als Grundsatz gilt: zuerst weniger geben – vergrössern kann man immer noch, zurücknehmen hingegen nicht.»

Betreibungsauszug genau prüfen

Der Mietvertrag sei grundsätzlich mündlich gültig. Davon rät aber Christen genauso ab, wie von Gratis-Mietverträgen aus dem Internet, weil diese in aller Regel zu Ungunsten des Vermieters ausgearbeitet worden seien. Vor Vertragsabschluss sei auch der Betreibungsauszug genau zu prüfen. «Stammt der Auszug wirklich vom letzten Wohnort, fehlt eine Seite oder ist ein möglicher Eintrag ein Bagatellfall?» Auch könne es sich lohnen, Referenzen bei Vorvermietern einzuholen, wobei man bei solchen sehr hellhörig sein sollte. «Es wird Ihnen kein Vermieter, der einen Mieter loswerden will, sagen, dass er mit diesem unzufrieden ist», so Christen.

Im ordentlichen Vertrag klar aufgelistet werden sollten unter anderem auch die Nebenkosten und wie sich diese zusammensetzen. Auch sagt Christen: «Geben Sie nie eine Wohnung ohne Mietzinsdepot. In der Regel beträgt dieses zwei Wohnungsmietzinse. Obligatorisch ist, dass das Sperrkonto auf den Namen des Mieters lautet.»

«Vermeiden Sie Streit»

Ist ein Vertrag zustande gekommen, entstehen damit Rechte und Pflichten für beide Parteien. Als Nächstes  stehe dann in der Regel die Wohnungsübergabe an. «Hier müssen sie äusserst pingelig sein. Notieren sie jeden Kratzer, zählen sie die vorhandenen Schlüssel und vermerken sie das Modell des WC-Deckels. Dies macht die Rückgabe des Mietobjektes viel einfacher», so Christen.

Während des Mietverhältnisses sei dann gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt gefragt. «Vermeiden Sie in jedem Fall Streit. Denn ein solcher kann dazu führen, dass dem Mieter ein Kündigungsschutz erwächst. Auch eine heikle Angelegenheit scheint die Kündigung seitens des Vermieters zu sein. Christen erklärte, dass diese in jedem Fall ordnungsgemäss, schriftlich und fristgerecht zu erfolgen hat. «Wenn hier Fehler passieren, können sie wieder von vorne anfangen, und es kann  Jahre dauern, bis sie einen Mieter loswerden.» Christen empfiehlt, in Sachen Kündigung auch den Hauseigentümerverband beizuziehen.

Grundsätzlich hält Christen fest, dass das Schweizer Mietrecht sehr zugunsten des Mieters ausgelegt ist. «Sie können in den Vertrag schreiben, was Sie wollen, wenn es nicht mit dem Gesetz vereinbar ist, ist dieser nichtig», so Christen.

Zu beachten

– Schriftlicher Vertrag (keine Musterverträge aus dem Internet)
– Betreibungsauszug verlangen und überprüfen
– Keine Vermietung ohne Mietzinsdepot
– Vermietete Wohnungen und Nebenräume müssen in jedem Fall abschliessbar sein
– Bei gemeinsam geteilten Räume Benutzung klären
– Gartenfläche regeln
– Übernahmeprotokoll minutiös ausfüllen
– Ordnungsgemässes, schriftliches und fristgerechtes Kündigungsverfahren (Nachfrage beim Hauseigentümerverband) rab

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