Freitag, 27. November 2020
29.06.2020 12:30
Agrarpolitik

«Mit Vielfalt Landwirtschaft stärken»

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Strukturvielfalt und Agrobiodiversität sind gemäss Kleinbauern-Vereinigung (VKMB) Grundlage der Ernährungssicherheit. Das VKMB fordert deshalb den Bundesrat auf, mit der Agrarpolitik 2022+ die landwirtschaftliche Vielfalt zu fördern und die Anreize für Flächenwachstum zu stoppen.

Die Corona-Krise hat in den vergangenen Wochen die Wirtschaft durchgeschüttelt. Ein Shutdown führte dazu, dass einige Bereiche wie die Gastronomie, Detailhandel, Tourismus oder Freizeit während längerer Zeit stillstanden.

Kleinräumige Landwirtschaft robuster

Während dieser habe die kleinstrukturiere Schweizer Landwirtschaft sowohl ihre Berechtigung als auch Krisentauglichkeit unter Beweis stellen, sagte die Vertreter der Kleinbauern-Vereinigung am Montag vor den Medien. «Dabei zeigte sich, dass eine vielfältige, diversifizierte, ökologische, kleinräumige und konsumentennahe Landwirtschaft wesentlich robuster ist und auch auf Krisen besser reagieren kann», hielten sie weiter fest.

Die VKMB kritisierte aus diesem Hintergrund die aktuelle Agrarpolitik. «Seit Jahren wird von der Politik eine stark auf Effizienz und Wachstum getrimmte Landwirtschaft gefördert. Eine Landwirtschaft also, die alles andere als widerstandsfähig und krisenresistent aufgestellt ist», so die Kleinbauern weiter. Nun sei es aber zentral, dass die Widerstandsfähigkeit der Landwirtschaft zu stärken.

Lokale Kreisläufe fördern

Für die Kleinbauern heisst das, die Strukturvielfalt und Agrobiodiversität zu fördern. «Vor der Beratung der Agrarpolitik 2022 (AP 22+) im Parlament fordern wir, dass die Schweizer Agrarpolitik dieser Erkenntnis endlich Rechnung trägt», hält die Organisation fest. Damit werde die Krisenresistenz der Betriebe insgesamt gestärkt.

«Der Nutzen von vielfältigen, kleineren Agrarstrukturen hat sich während der Coronakrise bestätigt. Besonders im Vorteil waren diejenigen Höfe, die bereits gut mit Konsumentinnen und Konsumenten vernetzt waren, über genügend Arbeitskräfte verfügten sowie auf mehrere Standbeine und auf lokale Kreisläufe setzten», so die VKMB.

Industrielle Landwirtschaft in Sackgasse

Die Kleinbauern belegen ihre Forderungen mit mehrere wissenschaftliche Studien aus der Schweiz (Akademie der Naturwissenschaften SCNAT, Agroscope) und internationalen Forschungsergebnissen. 

Die Studien würden zeigen, dass die industrielle Landwirtschaft steckt weltweit in einer Sackgasse stecke. «Wird die Produktion immer stärker intensiviert und spezialisiert – also von ihren natürlichen regionalen Kreisläufen entkoppelt – gefährdet dies einerseits die natürlichen Lebensgrundlagen. Andererseits ist die Industrialisierung der Landwirtschaft eine absolute Risikostrategie in marktwirtschaftlicher Hinsicht», schreibt die VKMB.

Und wegen den Klimawandels würden Ressourcen wie Wasser knapper. Zudem würden sich Extremereignisse wie Dürren oder Starkniederschläge häufen. Bodenerosion und die Verschiebungen der Vegetationszonen machten der Landwirtschaft weitere Probleme, warnt die VKMB. 

Struktureller Wandel nötig

«Corona war ‘change by desaster’, nun brauchen wir ‘change by design’», so die Kleinbauern vor den Medien. Übersetzt heisst das für das VKMB einen einen strukturellen Wandel und Massnahmen, um für Krise wie den Klimawandel gewappnet zu sein. Die Landwirtschaft müsse sich von der Idee des unbegrenzten Wachstums und der industriellen Bewirtschaftung verabschieden, bilanziert das VKMB. «Die letzten Monate im Corona-Lockdown haben vor allem auch gezeigt, wie wichtig genügend Arbeitskräfte und faire Arbeitsbedingungen für die Landwirtschaft sind», halten die Kleinbauern fest.

Forderung für Agrarpolitik 2022+

Deshalb seien Agrarvielfalt und Agrobiodiversität unabdingbar. Vom Bund fordert das VKMB eine Abkehr von zusätzlichen Anreizen für «stetiges» Flächenwachstum und Betriebsspezialisierung via Direktzahlungen.

Die Kleinbauern stellen folgende politische Forderungen für die Agrarpolitik 2022+:

 

  • der Strukturvielfalt als Wert und Faktor mehr Beachtung schenkt (auch auf rechtlicher Ebene) 
  • die Agrobiodiversität durch mehr Strukturvielfalt und Vielfalt innerhalb der Betriebe fördert 
  • kein Anreiz zu Flächenwachstum und Betriebsspezialisierung via Direktzahlungen bietet. Das heisst, eine Begrenzung und/oder Abstufung der Direktzahlungen sowie Umverteilung zugunsten einer vielfältigen Agrarstruktur
  • die Widerstandskraft und Krisenresistenz der Betriebe insgesamt fördert
  • kurze Wege und Absatzkanäle und damit die Konsumentennähe der Landwirtschaft stärkt

 

Biolandwirt und Nationalrat Kilian Baumann hat in der Sommersession zwei Interpellationen zum Thema Agrarvielfalt eingereicht. Die Kleinbauern-Vereinigung erhofft davon Antworten des Bundesrats, wie die Agrarvielfalt und damit die Krisenresistenz der Landwirtschaft künftig durch politische Massnahmen gestärkt werden kann und in welchen Bereichen sich die Forschung intensiver mit dem Thema auseinandersetzen muss.

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