Sonntag, 26. Juni 2022
23.06.2022 15:05
Hofgemeinschaft

Mehr Komfort durch Zusammenarbeit

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Von: lid

Zwei Familien planen gemeinsam im Berggebiet von Davos Frauenkirch (GR) einen neuen Laufstall, der arbeitswirtschaftlich ist und den Tieren viel Komfort bietet. Sie gründen eine Betriebszweiggemeinschaft und teilen sich künftig die Aufgaben für Milchvieh, Mutterkuhhaltung und Nachzucht. Wie funktioniert das Modell?

Im Jahr 2020 gründeten Jann Ambühl und seine Frau Hanny in Davos Frauenkirch (GR) mit Jann und Karin Ehrensperger eine Betriebszweiggemeinschaft (BZG). Beide Ehepaare befanden sich in der Neuorientierung. Familie Ehrenspergers Hauptstandbeine waren zum damaligen Zeitpunkt die Mutterkuh- und die Milchziegenhaltung. Die Rahmenbedingungen für die Ziegenhaltung hatten sich jedoch verschlechtert. Das machte sie unzufrieden.

Stall zu klein und arbeitsintensiv

Ambühls hielten rund 18 Kühe. Der Betrieb konnte sich zwar flächenmässig erweitern was ihnen die Möglichkeit zur Aufstockung des Bestandes bot, aber der Stall war zu klein und arbeitsintensiv. Die Ehepaare setzten sich zusammen und entschieden sich für die Gründung der BZG: Jann Ambühl agierte als Eigentümer und Bauherr des Stalles. Ehrenspergers bauten ihren Ziegenstall in einen Jungviehstall um. Das Konzept für den Milchviehstall erstellten sie gemeinsam.

Der Stall in Bergzone vier schmiegt sich in die Umgebung ein.
zvg

Wie sieht das Betriebskonzept im Detail aus?

  • Gründung einer BZG für die Tierhaltung mit gemeinsamem Tiereigentum, Vermietung der Stallgebäude an die BZG
  • Die Heuwiesen und Alpen betreut jede Familie separat.
  • Auf dem Betrieb Ambühl werden die Milchkühe und die Kälber gehalten, auf dem Betrieb Ehrensperger das Jungvieh und die Mutterkühe.
  • Die Parteien teilen sich die Arbeit in der Tierhaltung auf und arbeiten auf beiden Betrieben. Das Aufgabengebiet wechselt im Wochenrhythmus. Das heisst: eine Woche Dienst im Milchvieh- und Kälberstall, die darauffolgende Woche im Mutterkuh- und Jungviehstall.
  • Es wird nach Einheiten und nicht nach Arbeitsstunden abgerechnet.

Herausforderungen beim Stallbau

Bei ihrem neuen Stall liessen sich die Familien vor allem von der Lehre der Kuhsignale (siehe Textbox) leiten. Der Bau sollte den Kühen viel Platz, Luft und Licht bieten. Aber auch dem „Bauernwohl“ sollte der Stall gerecht werden. Schlussendlich ist er der Arbeitsplatz der Familien. Da der Standort in der Bergzone vier liegt, mussten sie grössere Futter- und Güllelager (Lagerplatz für 210 Tage) sowie höhere Schneelasten berücksichtigen.

Daher kommen sie trotz sehr viel Eigenleistung bei den Stallbaukosten pro Grossvieheinheit auf knapp 29‘000 CHF. Die Gesamtinvestitionskosten beliefen sich auf 1,78 Mio. CHF. Bund und Kanton unterstützten das Projekt finanziell.

Lehre der Kuhsignale: Was ist das?

Kühe geben ständig Signale ab, aus denen sich zahlreiche Informationen über ihre Gesundheit, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit ableiten lassen. Es geht darum, die Körpersprache der Tiere zu verstehen, kritische Rückmeldungen zu erkennen und in der Folge Optimierungen für Haltung, Betreuung und Fütterung umzusetzen. Diese Erkenntnisse wurden und werden gesammelt. Daraus leiten sich viele Grundregeln wie zum Beispiel für den Bau eines Stalles ab.

Stolz auf Fenstersystem

Im April 2019 startete das Bauprojekt. Sechs Monate später zogen die Kühe ein. Der Laufstall bietet Platz für 50 Kühe. Jann Ambühl ist besonders stolz auf seine Eigenkonstruktion des Fenstersystems: „Die Isolierglasfenster können wir dank eines Flaschenzuges mit elektrischer Seilwinde automatisch öffnen.“ Durch dieses System können an warmen Tagen alle Fenster mühelos geöffnet und an kalten Tagen geschlossen werden.

Beste Voraussetzungen also für ein optimales Stallklima: luftiger Offenstall oder geschlossener Warmstall – optimal! Neben dem guten Stallklima besticht der Stall durch viel Lichteinfall. Spezielle Lampen wurden installiert. Sie reinigen die Luft mittels Ionisierung. Die Kalk-Stroh-Matratzen in den Tiefboxen, die mit flexiblen Boxenbügeln ausgestattet sind, werden mit Strohpellets eingestreut.

Die Fensterfront ist eine Eigenkonstruktion von Jann Ambühl, auf die er besonders stolz ist.
zvg

Abwechslung im Arbeitsleben

An der Fressachse haben sich die Betriebsleiter für Fressgitter entschieden. Ein Reinigungsroboter sorgt für saubere Böden. Verschiedene Bodenbeläge halten die Klauengesundheit aufrecht und sorgen für den nötigen Abrieb. Das Automatische Melksystem übernimmt das Melken. Aktuell ist der Stall mit 40 Kühen der Rasse Braunvieh belegt. Die durchschnittliche Milchleistung liegt bei 6800 kg. Die BZG wirtschaftet nach den Richtlinien von Bio Suisse. Die Kühe sind nun seit gut zwei Jahren im Stall.

Körperlich weniger anstrengend

Die Betriebsleiterfamilien sind glücklich. Die Tiere haben viel Platz im Stall und das Arbeiten erhielt eine ganz andere Qualität: „Es ist körperlich weniger anstrengend als zuvor im Anbindestall. Ausserdem gefällt mir die Abwechslung, die wir durch die BZG haben“, sagt Jann Ambühl.

Ein zukunftsfähiges Modell, was Arbeitsplätze und den Erhalt der landwirtschaftlichen Betriebe sichert. Das hat zur Folge, dass Kulturlandschaft und die regionalwirtschaftliche Struktur erhalten bleiben.

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