Mittwoch, 29. Juni 2022
23.06.2022 10:58
Umwelt, Ernährung

Pro Natura schlägt vor den Generationenwechsel zu nutzen

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Von: mgt/har

Eine Woche vor Wiederaufnahme der sistierten Agrarpolitik 22 lanciert Pro Natura mit einer Studie einen neuen Lösungsvorschlag für «die ökologischen Probleme im Kulturland». Pro Natura teilte mit, dass die Tatsache, dass in den nächsten 15 Jahren die Hälfte der landwirtschaftlichen Betriebsleitenden pensioniert wird, der Aufhänger dafür sei. Ihrer Meinung nach könnte dieser Wendepunkt genutzt werden, um den dringend notwendigen ökologischen Wandel in der Landwirtschaft sozialverträglich umzusetzen und so Biodiversitäts- und Klimakrise zu bekämpfen.

Angesichts der Biodiversitäts- und Klimakrise steht der Landwirtschaft global wie national eine ökologische Transformation bevor. Die Ernährung sei, vor Wohnen und Mobilität, derjenige Wirtschaftsbereich mit den grössten Auswirkungen auf die Umwelt, schreibt Pro Natura. Doch die heutigen Konsum- und Produktionsmuster seien alles andere als nachhaltig: zu viel Fleisch, zu viele Eier, zu viel Zucker und zu viel tierisches Fett. Das bedinge eine intensive Landwirtschaft, die ihre eigenen Grundlagen wie Biodiversität, Boden, Luft und Gewässer schleichend zerstöre.

Widerstände sind da

Der politische Widerstand gegen die notwendigen Reformen sei allerdings gross. Denn entsprechende Massnahmen wirken sich auf Betriebsstrukturen, finanzielle Erträge und Zuliefererbetriebe für die Landwirtschaft aus. «Wenn Tierbestände reduziert werden, wird weniger Fleisch verkauft, weniger Kraftfutter gehandelt, es werden weniger Samendosen und Tierarztbesuche nachgefragt. Das löst den permanenten Widerstand bei den betroffenen Gruppen aus», erklärt Marcel Liner, Landwirtschaftsexperte bei Pro Natura und Studienautor.

Soziale und ökonomische Perspektiven

Um mehrheitsfähig zu sein, müssen politische Forderungen nach mehr Ökologie in der Landwirtschaft deshalb auch die sozialen und ökonomischen Perspektiven der Bäuerinnen und Bauern berücksichtigen. In einer neuen Studie zeigt Pro Natura, wie der anstehende Generationenwechsel in der Landwirtschaft dazu genutzt werden könnte, den Graben zwischen den kurzfristig nachvollziehbaren Widerständen und dem längerfristig dringend notwendigen Wandel des Landwirtschafts- und Ernährungssystems zu überbrücken.

Den Wandel individuell planbar machen

Die Hälfte aller landwirtschaftlichen Betriebsleitenden erreiche in den nächsten 15 Jahren das Pensionsalter, schreibt Pro Natura. Da ab diesem Zeitpunkt die Direktzahlungen wegfallen, werden die Betriebe in der Regel an eine Nachfolge übergeben, oder die Flächen verpachtet oder verkauft. «Heute muss jeder Hof in der Schweiz neue Anforderungen ab einem Stichdatum übernehmen. Die Hofübergabe bietet dagegen die Chance, dass jeder einzelne Betrieb ökologisch notwendige Anpassungen für sich planen und auf die Stärken der nächsten Generation ausrichten kann», betont Liner.

Biolandwirt Fischer war erfolgreich

Wie das geht, zeigt das Beispiel von Biolandwirt Markus Fischer. Vor zwölf Jahren hat er den Biohof in Bäretswil (ZH) von seinem Vater Gerhard Fischer übernommen. Er hat die Übergabe genutzt, um den Kraftfutterzukauf einzustellen, die ökologisch vorteilhafte saisonale Abkalbung einzuführen und Biodiversitätsförderflächen in einer höheren Qualität anzumelden. «Wir konnten den anstehenden Wechsel gemeinsam planen. Heute produziert der Biohof nicht nur biodiversitäts- und klimafreundlicher, sondern unser Einkommen ist auch in Zukunft gesichert», so Fischer.

Statt einem Stichdatum

Um ökologische Veränderungen zu fördern, gibt es im Landwirtschafts- und Gewässerschutzgesetz diverse Regulierungen, welche statt auf ein Stichdatum besser beim Generationenwechsel umgesetzt werden könnten. «Es könnten beispielsweise neue Prämien für Betriebe eingeführt werden, die nach der Übergabe nur noch mit eigenem Futtermittel wirtschaften, oder Direktzahlungen könnten daran geknüpft werden, dass die nächste Generation biologisch produziert. Für solche Massnahmen könnten spezifische Investitionskredite gewährt werden, und die Kantone könnten ein entsprechendes Beratungsangebot aufbauen», zählt Liner auf.

Bei der AP 22+ agieren

Auch Pro Natura Präsidentin und Nationalrätin Ursula Schneider Schüttel ist von dem Ansatz überzeugt: «Es braucht neue, sozialverträgliche Instrumente, um die blockierte Agrarpolitik 22 wieder auf Kurs zu bringen. Die Kommission für Wirtschaft und Abgaben des Ständerats hat es in der Hand, ab dem 27. Juni unsere Vorschläge zu prüfen und hoffentlich dafür zu nutzen, die ökologischen Ziele der Landwirtschaft zu erreichen und der Branche eine Zukunftsperspektive aufzuzeigen, die dem Trend Richtung gesunde und nachhaltige Ernährung folgt.»

Zum Faktenblatt der Studie geht es hier und zur vollständigen Studie geht es hier.

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12 Responses

  1. 1. „Angesichts der Biodiversitäts- und Klimakrise“: Diese „Krise“ wird herbeigeredet! Hirnwäsche der Elite unter Mitarbeit von Pro Natura und ähnlichen linksgerichteten Organisationen.
    2. „zu viel Fleisch, zu viele Eier, zu viel Zucker und zu viel tierisches Fett.“ Das sind Nahrungsmittel, die nachgefragt werden, zur Ernährung der Menschen. Pro Natura erweist sich als menschen- und bevölkerungsfeindlich. Sie wollen in Wirklichkeit die Bevölkerung reduzieren / verarmen. Programm von WEF / UNO!

  2. Warum muss immer die Landwirtschaft als Sündenbock herhalten beim Thema Klima. Der Tourismus, die Baulobby, der Verkehr auf Strassen, Bahn, Flugzeug und Schiff, von dem wird nie etwas erwähnt. Der Hauptgrund ist, dass die sogenannten Umweltretter genau diese Mittel brauchen und das darf ganz sicher nicht teurer werden. Pro Natura und alle die Verbände brauchen einen Sündenbock, damit sie die Millionen Spenden jedes Jahr recht fertigen können. Nur schon Pro Natura hat über 100 mio. Franken.

  3. Pro Natura, soll doch bitte, dem Parlament auch einen Vorschlag unterbreiten, wie in Zukunft die nahezu 9 Millionen Einwohner, in der Schweiz, ernährt werden sollen und wie diese Bevölkerungsdichte, für unser Land, ökologisch, umweltverträglich,sein soll. Auf die imense Auswirkung, der Überbevölkerung,auf das Ökosystem, hat die Landwirtschaft, einen, vernachlässigbaren, kleinen Einfluss. Mit jedem Landwirtschaftsbetrieb, der aus der Produktion geht, wird die Situation ökologich schlechter.

  4. Studierte arbeiten eben nicht ,ob das Gejammere vom Herrn Liner viele Spendengelder einbringt‘,so kurz vor den Sommerferien?Seinen Lohn kürzen wäre nachhaltig für die Umwelt,für uns Alle!

  5. Marcel Liner, sogenannter Landwirtschaftsexperte bei Pro Natura und Studienautor, würde besser einmal ein Jahr bei einem Landwirt als Angestellter arbeiten.

    Mit einer Mistgabel ein Tag lang Kälbermisten, täte ihm auch gut.

  6. Klar hat die Ernährung, die grösste Auswirkung auf die Umwelt. Ohne Ernährung, gibt es kein Leben. Ohne Mobilität und luxuriöses Wohnen, kann die Menschheit, überleben,aber ohne Nahrung nicht. In unserem Überfluss, der auch nur zum Teil herrscht, haben wir vergessen, dass der Verteilkampf, längst begonnen hat. Mehr Blumenwiesen und Wunschvorstellungen von Pro Natura, werden es nicht retten.

  7. Ich bin auch absoluter Naturfan, aber Pro Natura, diese Organisation kann ich beim besten Willen nicht ernst nehmen. Lieber Golfplatzprojekte unterstützen, siehe Aargau, anstatt zu einer einheimischen, produzierenden Ernährungswirtschaft stehen. So siehts doch aus Pro Natura. Wenn wir Landwirte so träumen würden wie ihr von PN dann würde uns schon diesen Sommer Weizen, Milch, Gemüse etc. ausgehen.

  8. Pro Natura schlägt vor den Generationenwechsel zu nutzen um der Nahrungsmittelproduktion den Todesstoos zu versetzen. Na Mahlzeit!
    Wie sagt man: Wenn jemand schon dumm ist, wenn es ihm nur noch in den Sinn kommt, dass er essen muss.

  9. Der Grundgedanke, von Pro Natura, der dieser Organisation, ursprüglich, zugestanden war, ist leider heute, zum grossen Teil, abhanden gekommen. Bei verschiedenen Unterfangen, muss der Spender eher an Misbrauch und Verschleuderung, von Spendegeldern, ausgehen.

  10. Dekadent. Weil die Produktion von existentiellen Produkten die Natur beansprucht, sollen die Ernährer/Landwirtschaft weniger ernähren. Gleichzeitig schweigt dieser Verein betreffend Überbeanspruchung der Natur durch eine steigende Bevölkerung.
    Die Lemminge kontrollieren ihre Zahl durch Massensterben, indem sie ohne voraus zu schauen in Massen in die falsche Richtung marschieren und abstürzen.

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