Freitag, 22. Januar 2021
09.01.2021 11:56
Brexit

Brexit-Folgen: Leere Regale und Produktionsstopp

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: awp/aiz/blu

Gut eine Woche nach dem endgültigen Austritt Grossbritanniens aus dem Binnenmarkt und der Zollunion zum Jahreswechsel machen sich die Folgen beim Warenverkehr bemerkbar.

Probleme gibt es vor allem für Exporteure von Fisch- und Meeresfrüchten, die für ihre Waren nun aufwendige Erklärungen für Bestimmungen über Zölle und Lebensmittelsicherheit ausfüllen müssen.

Befürchtet wird, dass Verzögerungen bei der Lieferung der verderblichen Ware, die grösstenteils für den Kontinent bestimmt ist, das Geschäft ruinieren. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte nach dem Abschluss des nach seinen Worten «fantastischen» Handelspakts mit der EU versprochen, es werde keinerlei Handelshemmnisse geben.

Betrieb zum Erliegen gekommen

Schottische Fischer etwa beklagen eine tagelange Verzögerung der Lieferzeiten und eine deutliche Erhöhung der Kosten. Der Export von Fischen und Meeresfrüchten sei nur noch mit dem Ausfüllen aufwändiger Erklärungen zu bewerkstelligen, heisst es vom Verband Seafood Scotland. 

Das Exportunternehmen SB Fish meldete am Donnerstag, sein Betrieb sei zum Erliegen gekommen. Die Chefin von Seafood Scotland, Donna Fordyce, sprach von einem «perfekten Sturm» aus Folgen der Corona-Pandemie und dem Brexit für die Branche. Viele Unternehmen seien nicht in der Lage, die erforderlichen Unterlagen auszufüllen. SB Fish riet den Fischern nun dazu, ganz auf den Fang für Exportlieferungen zu verzichten.

Hinzu kämen Probleme bei den IT-Systemen und Verwirrung über die neuen Regelungen. «Wir könnten innerhalb sehr kurzer Zeit die Zerstörung eines jahrhundertealten Branche sehen, die einen erheblichen Teil der schottischen Wirtschaft ausmacht», so Fordyce der britischen Nachrichtenagentur PA zufolge.

Leere Regale

Auch der Lebensmittelhandel in Nordirland mit den Änderungen zu kämpfen. «Die Menschen hier beschweren sich über leere Regale in den Supermärkten», sagte die nordirische Konfliktforscherin und Brexit-Expertin Katy Hayward von der Queen›s University Belfast der Deutschen Presse-Agentur.

Insbesondere bei frischen Produkten komme es zu Störungen der Lieferketten. Unternehmen seien unsicher, welche Formulare bei der Einfuhr notwendig sind. «Viele merken, dass sie nicht vorbereitet sind», so Hayward. Das sei nicht überraschend – normalerweise brauche es Jahre, um solche aufwendigen Veränderungen umzusetzen. Viele Firmen verschieben daher ihre Fahrten, was sich bei frischen Produkten als erstes bemerkbar macht.

Spezielle Regeln

Nach dem Brexit gelten für Nordirland spezielle Regeln, die im sogenannten Nordirland-Protokoll festgehalten sind. Damit wird eine harte EU-Aussengrenze zwischen Irland und Nordirland vermieden, da durch eine solche das Aufflammen alter Konflikte in Nordirland befürchtet wird.

Das Vereinigte Königreich wird für die EU mit dem Jahresbeginn zum Drittland. Lieferungen von Fleisch, Pflanzen und frischen Lebensmitteln müssen zukünftig mit Zertifikaten ausgestattet werden, die dem Empfänger die gesundheitspolizeiliche und pflanzenschutzrechtliche Unbedenklichkeit bescheinigen. Die entsprechenden Vorgaben sind jedoch erst knapp vor dem Jahreswechsel veröffentlicht worden.

Saatgut

Trotz des guten Willens wird damit gerechnet, dass sich die Verwaltungskosten beim Import und Export von Lebensmitteln dennoch deutlich erhöhen werden. Immerhin dürfen die Briten weiterhin zertifiziertes Saatgut in die EU liefern, meldet der britische Bauernverband (NFU).

Die EU und das Vereinigte Königreich planten eine gegenseitige Anerkennung für Saatgut, von der Pflanzkartoffeln allerdings ausgeschlossen bleiben. Auch für Bioerzeugnisse soll ein Äquivalenzabkommen den Handel möglichst reibungslos über die Bühne gehen lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE