Sonntag, 29. November 2020
04.11.2020 11:40
Milchmarkt

Butterimporte: 2000 statt 500 Tonnen

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Von: blu

Schweizer Butter ist weiterhin Mangelware. Aufgrund der ungenügenden Versorgungslage beantragt die Branchenorganisation Milch (BOM), das Importkontingent von Oktober um 1500 Tonnen aufzustocken. Die Importe belaufen sich mittlerweile auf deutlich über 5000 Tonnen.

Die Marktlage bei den Milchprodukten präsentiert sich freundlich. Die Nachfrage nach Milch, Jogurt, Rahm, Käse und Butter ist gut.

Absatz liegt bei 43’000 Tonnen

Die Branchenorganisation Milch (BOM) führt diese Situation auf die Corona-Pandemie zurück. «Der Heimkonsum liegt seit dem Lockdown im vergangenen März deutlich über Vorjahr und der Einkaufstourismus ist wiederum stark eingeschränkt», heisst es in einer Mitteilung von Mittwoch. Bei der Butter ist die Versorgungslage seit Monaten angespannt.

Um die Lücken schliessen zu können, wurden bereits mehrere Tranchen Importe bewilligt. Der Butterabsatz in der Schweiz beträgt pro Jahr rund 43’000 Tonnen. Als Hauptgrund für die tiefe Butterproduktion machte die Branchenorganisation Butter (BOB) die Käseproduktion verantwortlich. Zusätzliche Milchmengen aus dem Industriebereich seien in die Käseherstellung geflossen, teilte die BOB Ende März mit. 

Branche hat sich mehrmals getäuscht

Um die Lücken zu schliessen, hat das Bundesamt für Landwirtschaft die Gesuche der BOM gutgeheissen. 1000 t Importe wurden im April bewilligt, 900 t Importe wurden bereits früher in die Wege geleitet. Im Frühsommer wurden weitere 1800 Tonnen beantragt. «Für eine sichere Inlandversorgung braucht es ein etwas grösseres Lager als nur das Minimum. Werden nur 1300 t importiert, besteht die Gefahr, dass in der Weihnachtszeit, wenn Butter für das Guetzli-Backen besonders gefragt ist, das Lager bereits wieder leer ist», teilte die BOM im Juli mit.

Mit den 2800 Tonnen Mengen sei die Versorgung gewährleistet, versicherte die BOM im Mitte Juli. Doch dieses Versprechen muss die BOM nun zum zweiten Mal brechen. Mitte Oktober teilt die Branchenorganisation, dass eine weitere Tranche von 500 Tonnen vonnöten sei. Die von der BOM eingesetzte Arbeitsgruppe hat deshalb ein Gesuch für eine weitere Tranche im Umfang von 500 Tonnen beantragt. Die Einschätzung, dass weitere Importe nötig sind, wurde von einer grossen Mehrheit der von der BOM eingesetzten Arbeitsgruppe geteilt, hiess es Mitte Oktober. «Mit den zusätzlichen 500 Tonnen soll die Verfügbarkeit von Butter in der Schweiz für die Weihnachtszeit sichergestellt werden», hiess es vor zwei Wochen.

Die Branchenorganisation Milch hat Mitte Juli ein Faktenblatt verfasst, weshalb es Butterimporte benötigt und warum die Lagerbestände so tief sind. Für die tiefen Bestände macht sie mehrere Gründe geltend:

– Die Milchproduktion ist seit rund zwei Jahren zwar stabil, jedoch im langjährigen Mittel eher tief.

– Der Käseabsatz ist seit längerer Zeit sehr erfreulich, was zu einer höheren Käseproduktion und damit zu weniger Milch für andere Verwertungskanäle führt.
– Die Lebensmittelindustrie setzt wieder häufiger Milchfett statt Palmöl ein, beispielsweise in der Glace-Produktion.
– Butter hat in Kombination mit dem Koppelprodukt «Magermilchprodukte» eine eher tiefe Wertschöpfung
– auch aufgrund der gegebenen agrarpolitischen Rahmenbedingungen – , sodass die Butterherstellung aus Rohmilch nicht an erster Stelle steht.
– Der Butterabsatz ist in der Schweiz in den letzten Monaten gestiegen.

Verkäufe steigen stärker als erwartet

Das alles hat keine Gültigkeit mehr. Nun hat die BOM angekündigt, das Kontingent von Mitte Oktober um 1500 Tonnen auf insgesamt 2000 Tonnen aufzustocken. Die höheren Verkäufe im Inland hätten es verunmöglicht, das Butterlager aus inländischem Rohstoff für die absatzstarke Weihnachtszeit ausreichend aufzubauen, lautet die Begründung der BOM. Mit der Erhöhung will die BOM laut Mitteilung «für volle Butterregale sorgen».

Von der knappen Versorgung profitieren gemäss der Branchenorganisation auch die Milchproduzenten. «Das Milchpreismonitoring der Schweizer Milchproduzenten (SMP) weist für den August 2020 einen gegenüber dem Vorjahresmonat um 3 Rappen höheren Milchpreis für Molkereimilch aus», heisst es im Communiqué. Die Arbeitsgruppe habe sich deshalb dafür ausgesprochen, dass die im Frühjahr beschlossene Weitergabe des Mehrerlöses aus der Butterpreiserhöhung vom Juli 2020 im gleichen Rahmen weitergeführt werde.

SMP fordern höhere Milchpreise

Am Mittwochnachmittag haben die Schweizer Milchproduzenten die Branche aufgefordert, die Milchpreise zu erhöhen. Die aktuelle Marktlage zeige mit aller Deutlichkeit, dass Milchfett auf dem Schweizer Markt sehr deutlich gesucht ist. Nach den Regeln des Marktes sei eine Preiserhöhung für die Milch in diesem Umfeld sachlogisch und überfällig. Die SMP rechnen damit, dass bis Ende Jahr über 5’000 Tonnen Butter eingeführt werden. Das wäre über 10 Prozent des Gesamtkonsums. Diese Menge wurde letztmals 2007 überschritten

Butter im Laden teurer

Im jüngsten Marktbericht Milch des Bundesamts für Landwirtschaft (BLW) wurde die Entwicklung der Butterpreise im Grosshandel (Preisindizes) und im Detailhandel (Konsumentenpreise) analysiert. Die Butterpreise haben 2020 im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Aufwärtstendenz erfahren. Gemäss Marktbericht stiegen die Verkaufspreise im Detailhandel zwischen Januar und August 2020 für Vorzugsbutter um 3,7 % auf 15.76 Fr./kg, für Kochbutter um 3,7 % auf 12.73 Fr./kg und für Bratbutter um 2,2 % auf 18.03 Fr./kg. Die grösste Zunahme verzeichneten Vorzugsbutter (+6,5 %) und Kochbutter (+6,7 %) im Juli 2020 und Bratbutter (+5,5 %) im August 2020. Im Juli 2020 ist gemäss Bericht auch der Rohstoffpreis gestiegen. Der Richtpreis für Rahm zur Butterherstellung wurde um 60 Rappen pro Kilogramm Milchfett erhöht.
Auf 10-Jahreshoch
In den vergangenen zehn Jahre zeigten die Preise für Vorzugs- und Bratbutter einen leichten Aufwärtstrend, der Preise für Kochbutter blieb stabil. In diesem Jahr wurden aber die höchsten Preise im beobachteten Zeitraum registriert. Seit August 2017 erhöhten sich die Konsumentenpreise für Kochbutter (+10,1 %), Vorzugsbutter (+10 %) und Bratbutter (+8,8 %). Diese Entwicklungen unterliegen gemäss BLW jedoch monatlichen Schwankungen, die hauptsächlich auf Aktionsverkäufe zurückzuführen sind. Am grössten sind diese Schwankungen bei der Kochbutter

11 Responses

  1. Langsam habe ich es gehört mit dem Angken ! wie soll denn die Produktion steigen bei der hundsmiserablen Wertschöpfung und zu wenig Milch ? SMP soll doch mal handeln als nur laferen !

  2. bei dieser Marktlage akzeptieren unsere Produzentenvertreter auf ihren Milchgeldabrechnungen weiterhin
    insgesamt mehr als 5 Rp/kg Abzüge für den BOM Fonds und Marktabzüge. Diese Abzüge gehören weg —seit einem Jahr wird Anke importiert und der Markt läuft gut. Da hätte längst eine massive Revolte durch die Produzentenvertreter erfolgen müssen. Offensichtlich sind aber deren Sitzungsentschädigungen und ihre Pauschalspesen hoch genug, dass sie es nicht mehr nötig finden sich zu erheben und sachlich gegen diese Missstände anzukämpfen.

  3. Also wenn ich es richtig verstehe wird mit dem Butterimport verhindert, dass bei einer erhöhten Nachfrage von Butter der Produzentenmilchpreis steigt, was ja der eigentliche Marktmechanismus wäre UND gleichzeitig aber trotz des billigeren Importpreises im Laden ein höherer Butterverkaufspreis verlangt (da wird der Marktmechanismus zugelassen)? Ein Schelm wer denkt die Marktmacht in der Schweiz liegt beim Detailhändler und den Verarbeitern…
    Die Produzentenvertreter sollten sich was schämen!

  4. Bevor ich EU Butter fresse fresse ich keins.Ich denke man müsste zurückdenken an den Butterberg als man die Bauern zwang Lühe auf die Schlachtbank zu bringen.Unser scheiss Bundesrat ist nicht fähig das zu Regeln schmeißt diese Feiglinge endlich raus wir brauchen Leute die für das eigene Volk sind und nicht fürs eigene Portmonei

  5. Ist ja unglaublich so was. Die Milchkäufer erzählen dauernd das sie nicht höhere Preise für Milch zahlen können da der Weltmarkt schlecht laufe. Dabei wäre meiner Ansicht nach in der Schweiz der Markt vorhanden. Sie müssen nur wollen, aber die Gewinnspanne ist halt grösser bei Importbutter die dann zu Schweizerpreisen verkauft wird. Irgend jemand sahnt da wacker aber auf kosten der Schweizer Milchbauern.🤢🤮

  6. Das ist denn eine verdammte Schweinerei. Wir schlachten Kühe mit 20kg Tagesmilch weil sie nicht mehr wirtschaftlich sind mit diesem Milchpreis und dann wird einfach importiert weil es zuwenig gibt in unserer lieben Schweiz . An das ganze Bundeshaus und Branchenvertreter schämt euch.

  7. Macht nur weiter so die Landwirtschaft ist schneller kaputt als aufgebaut. Und übrigens der Markt spielt schon lange nicht mehr das ist alles Täuschung und Diktatur. Irgendwann rächt sich das alles. Liebe Bauern bleibt stark und gibt Vollgas.

  8. Richtig! Verkaufspreis ennet der Grenze für 250g deutsche Markenbutter um € 1.40 = CHF 1.50. Bei uns kosten 250g EU-Importbutter ~ CHF 3.00. Wer nimmt den Gewinn dieser Preisverdoppelung?

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