Freitag, 30. September 2022
15.08.2022 06:38
Europa

Europa: Hitze und Dürre halten an

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Von: AgE

Die Dürre macht den Bauern in Europa zu schaffen. In Frankreich rufen Landwirte nach staatlicher Unterstützung. Der Spanische Landwirtschaftsverband rechnet mit Schäden von mehr als 8 Milliarden Euro. Winzer versuchen die Ernte zu retten, indem sie die Lese zeitlich vorverlegen.

In der Europäischen Union haben Hitze und Dürre insbesondere die südlicheren Mitgliedstaaten weiter im Griff. In Frankreich wurden die Rufe des landwirtschaftlichen Berufsstands nach staatlicher Unterstützung lauter.

F: Preise für Stroh und Heu deckeln

Der Bauernverband (FNSEA) forderte Landwirtschaftsminister Marc Fesneau in der vergangenen Woche auf, Vorgaben für die Aussaat von Zwischenfrüchten zu lockern und in das Ermessen der Betriebe zu stellen. Die Landwirte sollten nicht aufgrund von Formalien gezwungen werden, unter denkbar schlechten Wachstumsbedingungen auszusäen. Der Verband pocht zudem auf eine möglichst frühe Auszahlung von Beihilfen beziehungsweise Vorschüssen, um Liquiditätsproblemen zu begegnen.

Der Verband der Familienunternehmen (MODEF) wandte sich in einem offenen Brief an Fesneau und verlangte, die Nutzung von Anbaubiomasse zur Energiegewinnung einzuschränken und stattdessen der Verwendung als Tierfutter nach Möglichkeit Vorrang einzuräumen. Nach den Vorstellungen der Familienunternehmer soll der Staat ausserdem die Preise für Stroh und Heu deckeln und ihren Transport bezuschussen.

MODEF will die Dürreschäden ausserdem kurzfristig als Naturkatastrophe anerkannt sehen, wobei die Entschädigungsschwelle auf 10 % der Jahresproduktion gesenkt werden sollte.

Seen wurden wegen gesundheitsgefährdenden Blaualgen gesperrt.
Fischer, CC-BY-SA-3.0

Grundwasserneubildung zurückgegangen

Die Dürre in Frankreich hat mittlerweile historische Ausmasse angenommen und mittlerweile auch unerwartete Folgen. In mehreren Landesteilen mussten Badeseen gesperrt werden, nachdem es infolge der hohen Wassertemperaturen zu einer starken Vermehrung von gesundheitsgefährdenden Blaualgen gekommen ist.

Zugleich ist laut dem Büro für geologische Untersuchungen und Bergbauforschung (BRGM) der Füllstand vieler Grundwasservorkommen als besorgniserregend einzustufen, da die Neubildung im Winter deutlich hinter dem üblichen Ausmass zurückgeblieben war; allerdings hat sich die Entleerung der Reservoire zuletzt verlangsamt.

Am vergangenen Freitag wurde davon ausgegangen, dass die aktuelle Hitzewelle in wenigen Tagen landesweit durch Gewitter beendet wird. Laut BRGM dürften die ausgetrockneten Böden aber eine weitergehende Entspannung der Lage vorerst verhindern, da das meiste Wasser abfliessen wird.

E: Traubenlese vorverlegt

Für Spanien meldete das Umweltministerium in Madrid den «heissesten Juli seit Beginn der Aufzeichnungen» im Jahr 1961. Mit einer Durchschnittstemperatur von 25,6°C sei es auf dem Festland 2,7°C zu heiss gewesen. Die Niederschläge hätten nicht einmal die Hälfte des Normalwerts erreicht.

Spaniens Landwirte befürchten infolge der Dürre bei der jetzt gestarteten Sonnenblumenernte Einbussen der Hektarerträge von bis zu 40 %. Die Gesamtproduktionsmenge werde gegenüber dem Vorjahr aber nur wenig abfallen, weil das Anbauareal aufgrund des Ukraine-Krieges deutlich ausgeweitet worden sei, so der Bauernverband Asaja.

Winzer versuchen die Ernte zu retten, indem sie die Lese zeitlich vorverlegen. 
zvg

Beim Wintergetreide sei die Ernte aber schon 30 % kleiner ausgefallen, und bei Mais sei mit einer Halbierung der Produktion zu rechnen. Grosse Schäden gebe es auch im Anbau von Oliven, Avocados und Zitrusfrüchten. Winzer versuchten die Ernte zu retten, indem sie die Lese zeitlich vorverlegten. Den Gesamtschaden durch die Dürre für die Landwirtschaft schätzt Asaja auf mehr als 8 Milliarden Euro.

 GB: Trockenster Sommer seit 50 Jahren

Angespannt ist die Situation auch ausserhalb der EU. Das Vereinigte Königreich leidet derzeit unter dem trockensten Sommer seit mehr als 50 Jahren. Im Anschluss an ein Treffen mit den Leitern der Wasserversorgungsunternehmen forderte der britische Landwirtschaftsminister George Eustice, alle notwendigen Vorsichtsmassnahmen zu ergreifen, um die Wasserversorgung zu schützen, «da wir uns auf einen wahrscheinlich sehr trockenen Herbst einstellen müssen».

Die Liberaldemokraten forderten die Regierung in London auf, eine Strategie auszuarbeiten, die sicherstelle, dass die Landwirte ihre Felder weiterhin bewässern könnten. Darüber hinaus drängen sie die Regierung, den Dürre-Notstand auszurufen und strengere Massnahmen gegen Wasserversorgungsunternehmen zu ergreifen.

Dürre auch in Chile

Und auch auf der Südhalbkugel, in der gerade Winter ist, bereitet die Trockenheit Probleme. In Chile hat sich die ohnehin angespannte Lage in den zurückliegenden Monaten weiter verschlechtert. Heimische Medien berichten von der grössten Dürre in der Geschichte des Landes. Im Jahr 2021 seien 80 % weniger Niederschläge gefallen als üblich.

Und auch jetzt seien die Mengen viel zu niedrig, um das Defizit auszugleichen. Negativ wirkt sich zudem aus, dass das Wassersystem in Chile fast vollständig privatisiert ist. Vielfach wird grossen Landwirtschaftsunternehmen der Vorwurf gemacht, das gesamte Wasser einer Region für sich zu nutzen und damit für eine Ungleichverteilung zu sorgen. 

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