Samstag, 16. Januar 2021
17.11.2020 19:37
Agrarbericht 2020

Frauen führen mehr, aber Bildung hinkt

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Von: hal

Das Hofsterben geht unaufhaltsam weiter. Die Schweiz zählte 2019 noch 50038 Bauernhöfe. Wie der neuste Agrarbericht des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) zeigt, werden immer mehr Betriebe von Frauen geführt.

Das Thema Hofsterben ist aktueller denn je. Zwischen 2018 und 2019 verlor die Schweiz 814 Betriebe. In den ersten 19 Jahren des Jahrtausends ging die Zahl der Landwirtschaftsbetriebe insgesamt um 20 499 auf 50 038 Betriebe zurück. Nahezu ein Drittel der Betriebe ist somit verschwunden. Den grössten Rückgang verzeichneten die Betriebe der Grössenklassen 10 bis 20 Hektaren. Zugenommen hat hingegen die Zahl der Betriebe ab einer Grösse von 30 Hektaren. Diese Betriebsgrösse kann heute als die Schwelle bezeichnet werden, bei der die Anzahl Betriebe per Saldo zunimmt. In den letzten Jahrzehnten hat sie sich laufend nach oben verschoben. Zu Beginn des Jahrtausends lag diese Schwelle noch bei einer Betriebsgrösse von rund 25 Hektaren. Im Durchschnitt bewirtschaftet ein Betrieb eine Fläche von 20,9 Hektaren. Zum Vergleich: 2009 bewirtschaftete ein Betrieb noch eine Fläche von 17,6 Hektaren.

Haupt- oder Nebenerwerb

2019 wurden 71 % der Betriebe im Haupterwerb geführt. Das sind 35 611 Landwirtschaftsbetriebe. Von den Haupterwerbsbetrieben gaben zwischen 2000 und 2019 mit 1,7 % pro Jahr insgesamt etwas weniger auf als bei den Nebenerwerbsbetrieben mit 2,0 % pro Jahr. Die mit Abstand höchste Abnahmerate ist bei den Nebenerwerbsbetrieben in der Bergregion zu finden (3,1 %), die niedrigste Abnahmerate bei den Nebenerwerbsbetrieben im Hügelgebiet (0,9 %).

Mehr Frauen an der Spitze

Der allgemeine, rückläufige Trend gilt bei den Landwirtschaftsbetrieben nicht, die von Frauen geleitet werden. Ihre Zahl nimmt stetig zu. 2019 wurden 3289 Betriebe oder 6,6 % aller Betriebe von einer Frau geleitet. Das sind 130 oder 4,2 % mehr als noch im Vorjahr. Zwischen 2000 und 2019 nahm die Zahl der von Frauen geführten Betriebe um 943 Einheiten zu. Die von Frauen geführten Betriebe sind in den Grössenklassen bis 10 Hektaren im Verhältnis zur Gesamtheit der Betriebe übervertreten, in den Grössenklassen ab 10 Hektaren ist der Anteil entsprechend unterdurchschnittlich. Dies bedeutet, dass die von Frauen geführten Betriebe durchschnittlich kleiner sind als die Gesamtheit der Betriebe. Allerdings ist auch bei den von Frauen geführten Betrieben eine deutliche Bewegung hin zu den Grössenklassen mit mehr Fläche zu beobachten. Bei den von Frauen geführten Betrieben ist die Verteilung der Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe anders als bei allen Betrieben. Während bei Letzteren 71 % der Betriebe im Haupt­erwerb geführt werden, ist es bei den von Frauen geführten Betrieben nur rund die Hälfte. Insgesamt waren 2019 rund 150 100 Personen in der Landwirtschaft tätig, ein Minus von 1,5 % gegenüber dem Vorjahr.

Gefragt ist mehr Bildung

Sind Landwirte und Bäuerinnen gut ausgebildet? Zu sagen ist: Frauen ganz generell weisen weniger hohe Ausbildungsabschlüsse auf als Männer. Bei den Frauen in der Landwirtschaft haben 24 % (10 % bei gewerbetreibenden Frauen im zweiten Sektor) einzig die obligatorische Grundschule abgeschlossen und im Anschluss keine Berufsausbildung absolviert. Zu vermuten ist, dass dies oftmals ältere Frauen sind, die nach jahrzehntelanger Mitarbeit den Betrieb des Partners nach dessen Pensionierung weiterführen. Diese Auswertung mache deutlich, dass bei den Frauen in der Landwirtschaft bezüglich Ausbildung Handlungsbedarf bestehe, betont das BLW in seiner Mitteilung. Bei den Landwirten hat demgegenüber ein Drittel eine höhere Berufsbildung, bei den gewerbetreibenden Männern sind es mit rund einem Viertel etwas weniger.

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