Sonntag, 17. Januar 2021
14.01.2021 08:05
Detailhandel

«Gnadenlose Fehleinschätzung des SBV»

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Von: blu

Der Handelsverband Swisscofel kritisiert in einem offenen Brief den Schweizer Bauernverband (SBV) scharf. Hintergrund ist dessen Presseinformation von vergangener Woche. Diese sei eine «gnadenlose Fehleinschätzung».

In seinem Presserohstoff unter dem Titel «Idealvorstellung versus Realität» hatte der SBV unter anderem auch die Marktverhältnisse thematisiert.

Vier von fünf Franken verdienen die Landwirtinnen und -wirte in der Schweiz mit dem Verkauf ihrer Produkte. Der Absatz läuft grösstenteils über den Detailhandel. Und «dieser Markt ist gnadenlos», teilte der SBV Anfang Januar mit. Mit der Preisgestaltung würden die Detailhändler jeden Durchbruch in Richtung einer naturnäheren und tierfreundlicheren Landwirtschaft verhindern.

Die Ausführungen sind dem Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels (Swisscofel), welchem auch Coop und Migros angehören, nicht entgangen. Und diese haben den Handelsverband erzürnt.

Handel ist Pionier

Der Bauernverband habe in seiner Erklärung einmal mehr mit scharfer Munition gegen den Handel geschossen, schreibt Swisscofel-Präsident Martin Farner in einem offenen Brief. Das könne und wolle er so nicht stehen lassen. Es handle sich um eine gnadenlose Fehleinschätzung des Schweizer Bauernverbands.

«Sie (Red. der Bauernverband) bezeichnen den Detailhandel als «gnadenlos», die Qualitätsanforderungen des Handels und der Konsumentinnen als übertrieben und die grünen Anliegen von Politik und Gesellschaft als «Wunschdenken».  Fakt ist, dass die Schweizer Früchte- und Gemüsebranche in den vergangenen 30 Jahren nie stehen geblieben ist. Wir haben uns stets den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Ansprüchen an die Land- und Lebensmittelwirtschaft gestellt und werden es auch in Zukunft tun. Die Schweizer Früchte- und Gemüsebranche war die Erfinderin der integrierten Produktion in der Schweiz. Sie hat auf Wunsch des Handels den SwissGAP-Standard eingeführt, sie war auch Pionierin für diverse nachhaltige Labels und Vorreiterin in der Bio-Branche.»

«Mächtiger Bauernverband»

Diese Entwicklung war gemäss Farner nur möglich, weil der Handel partnerschaftliche Lösungen gefunden hat.  So haben gemäss dem Präsidenten haben Früchte- und Gemüse-Produzenten und Händler gemeinsam den Standard SwissGAP eingeführt und laufend weiterentwickelt. Dies ohne das Zutun des mächtigen Bauernverbandes, hebt Farner hervor. 

Farner ärgert sich auch über den Vorwurf der zu strengen Normen:

«Der vom Schweizer Bauernverband immer wieder gemachte Vorwurf von den ‘viel zu strengen Qualitätsanforderungen des Handels’ ist absolut unbegründet.  Normen werden von Produzenten und Handel gemeinsam definiert und beschlossen. Diese Normen zeigen auf, welche Qualitäten sich gut verkaufen lassen. Nach Absprache sind auch Abweichungen möglich und erlaubt. Das wurde auch mehrfach so gemacht. Während der ersten Pandemiewelle wurde übergrosses Gemüse vom Gastronomie- in den Detailhandelskanal umgeleitet und so weitgehend verkauft. Ebenso wurden verhagelte Aprikosen schon mehrmals als Klasse II/Kochobst über den Detailhandel verkauft.

Auch auf kurzfristige, wetterbedingte Grossernten versucht der Handel, wenn immer möglich, mittels Aktionen flexibel zu reagieren. Diese Zusammenarbeit ist alles andere als ‘gnadenlos’, sondern sehr erfolgreich. Dass die Schweizer Früchte-, Beeren-, Gemüse- und Kartoffelproduzenten ihre Marktanteile seit Jahren nicht nur halten, sondern ausdehnen konnten, ist ein deutlicher Beweis dafür.»

Für Farner ist es unverständlich und unfair, dass der Bauernverband nun einen Keil zwischen Handel und Produzenten treiben will. Sollte dies gelingen, gäbe es nur Verlierer. 

Handel lobt Produzenten

Der Swisscofel-Präsident lobt seine Hauptlieferanten, die Schweizer Früchte- und Gemüse-Produzenten. Diese würden nicht nur mit den hohen Risiken des Natur und des Marktes kämpfen, sondern würden die Ansprüche der Schweizer Gesellschaft in Bezug auf den Umwelt- und Klimaschutz ernst nehmen.  Dies ist ein deutlicher Seitenhieb in Richtung Bauernverband.

Farner nennt einige Beispiele. So hätten Gemüse- und Obstproduzenten beschlossen, ab 2030 für die Beheizung von Gewächshäusern keine fossilen Brennstoffe mehr einzusetzen. «Und sie werden es auch sein, die eine schrittweise Reduktion der Risiken durch synthetische Pflanzenschutzmittel – so wie das Parlament es verlangt – in der Praxis umsetzen und erreichen werden», hält Farner fest. Solche Schritte seien nur möglich, wenn man an eine Partnerschaft zwischen Produktion und Handel glaube.

Swisscofel ist der Verband des Schweizerischen Früchte-, Gemüse- und Kartoffelhandels.
zvg

SBV riskiert Annahme der Initiativen

Farner fordert den Schweizer Bauernverband auf, die  Früchte- und Gemüseproduzenten als Vorbild anzusehen.  «Sie verteidigen keine alten Pfründe und sie fordern auch keine neuen Sonderrechte. Sie wollen in Anbetracht der grossen Herausforderungen in der Zukunft bestehen können. Sie wünschen sich – genau wie der Handel – optimale Rahmenbedingungen, damit sie sich auf ihren Märkten erfolgreich weiterentwickeln können», so Farner.

Der Bauernverband riskiert aus Sicht von Swisscofel mit seiner «sturen» Haltung, die Weiterentwicklung der Agrar- und Umweltpolitik zu verhindern, dass die Trinkwasser- und Pestizidsverbots-Initiative angenommen werden. «Die Ökologisierung unserer Gesellschaft ist längst kein ‘Wunschdenken’ mehr, sondern die Zukunft», kritisiert Farner den Bauernpräsidenten Markus Ritter.

Der Bauernverband müsse sich selbst bewegen. «Nur dann verlieren diese weltfremden Initiativen an Schwung», macht Farner klar.

Zum Verband

Im Oktober 1999 wurde Swisscofel durch 46 Gründungsmitglieder als Schweizer Verband des Früchte- Gemüse- und Kartoffelhandels gegründet. Am 1. Januar 2000 hat der Verband seine operative Arbeit in Bern aufgenommen. Die 175 aktuellen Mitgliederfirmen generieren mit Früchten, Gemüse und Kartoffeln einen Umsatz von über 4 Milliarden Franken. Dies entspricht gemäss Swisscofel rund 86% des gesamten Handelsvolumens mit diesen Produkten in der Schweiz.

20 Responses

  1. LIeber Martin
    Vorletzten Herbst habe ich noch Wahlplakate für Dich aufgehängt….
    Aufgrund freundlicher Überzeugungsarbeit einer Mitarbeiterin des ZBV . Dies nach dem Buurehöck bei Bieris !
    Ich hoffe dass Du in dieser Kritik nicht deine Meinung geäussert hast.

  2. Da hat sich Herr Farner aber tüchtig einspannen lassen. Sein Text tönt wie aus der Kampagne „Agrarlobby stoppen“ . Was bezweckt er (oder die Verfasser) damit wohl?

  3. „Ansprüche der Schweizer Gesellschaft in Bezug auf den Umwelt- und Klimaschutz ernst nehmen …“ Da liegt genau das Problem. Es ist nicht der Handel, der SBV oder die Landwirte schuld, sondern die Lügen von Linken, Umweltverbänden und Massenmedien und die unrealistischen Erwartungshaltung der manipulierten Bevölkerung.

    1. lieber beat, deine platte hat einen sprung, manchmal hilft es wenn man ein bisschen auf den deckel schlägt. farner hat recht , der SBV will einfach pfründe verteidigen. Mehr DZ aber keine gegenleistung,keine rücksicht auf die wünsche der bevölkerung. mal ein bisschen ins ausland-D,F.A. schauen.. dass die konsumenten mündig sind und unsere kunden begreiffen viele nicht.

      1. Wie mündig die Schweizer Konsumenten sind, kann man am Abstimmungsverhalten sehen. Wie die z.B. über das neue Jagdgesetz abgestimmt haben oder welche Parteien sie vorzüglich wählen (links-grün), zeigt, dass sie eben nicht mündig sind. D.h. sie informieren sich nicht richtig, sondern sie glauben den Massenmedien und werden folgedessen irregeführt. Covid-19-Panikmache, die geglaubt und deren unsinnigen Massnahmen mehrheitlich befürwortet werden, ist ein anderes Beispiel.

      2. Weitere Hinweise für die Unmündigkeit der Schweizer: Sie lassen sich die Grundrechte (Art. 5,, 5a, 6, BV) durch die Covid-19-Massnahmen einfach rauben. Weder Juristen, Politiker noch die Bevölkerung hat in grossem Masse und entschieden dagegen protestiert. Die Schweizer missachten die Freiheiten, die sie gemäss Präambel der Bundesverfassung einfordern müssten: „gewiss, dass frei nur ist, wer seine Freiheit gebraucht“. Wo bleibt die Mündigkeit?

  4. lieber beat, deine platte hat einen sprung, manchmal hilft es wenn man ein bisschen auf den deckel schlägt. farner hat recht , der SBV will einfach pfründe verteidigen. Mehr DZ aber keine gegenleistung,keine rücksicht auf die wünsche der bevölkerung. mal ein bisschen ins ausland-D,F.A. schauen.. dass die konsumenten mündig sind und unsere kunden begreiffen viele nicht.

  5. Hier hatte deine Platte offensichtlich einen Sprung, Seppli. Deutschland, Frankreich und Österreich sind politisch auf dem absteigendem Ast. Und hier geht es um Politik, nämlich – wie üblich – um Regulierungen und von sozialistischer Seite her, um Verbreitung von Lügen (Biodiversität, Klima, Ammoniak, Nitrat, Boden, ….) oder mindestens völlig einseitiger Berichterstattung und dadurch um Erzeugung von Streit und Zank. Denn wo die Lüge herrscht, ist Finsternis und alle bösen Worte und Taten.

  6. Der Schweizer Bauer sollte sich ein Beispiel an Twitter und anderen Medien nehmen, und die Kommentare von Beat Furrer als FakeNews oder sektirerisch kennzeichnen.Was der Mann schreibt ist eigentlich für einen aufgeklärten Schweizer im Jahr 2021 unerhört. Alle die nicht seiner Meinung sind , sind Grüne, Sozis, Linke, Kommunisten und Ungläubige. Klimaerwärmung gibt es nicht, Insektensterben auch nicht, Wasserprobleme und Humusabbau sind eh alles erfunden , wahrscheinlich von Putin.Bitte sperrt Ihn

    1. @Noch Abonnent: „aufgeklärter Schweizer“ So bezeichnen Sie sich offensichtlich. Wer aufgeklärt ist, sollte auch fähig sein, andere aufzuklären, aber bitte mit konkreten Argumenten. Ich warte darauf.
      Ausserdem: haben Sie keinen Namen? Getrauen Sie sich nicht ins Gefecht? Warum? Wovon zeugt das?

    2. „Bitte sperrt ihn“. Welche Gesinnung spricht daraus? Eine Gesinnung der Unbeholfenheit. Der „Noch Abonnent“ hat keine Argumente, also wird der Gegner gesperrt. Genau die Taktik Ihrer Gesinnungsgenossen. Weiter so!

  7. Im letzten Herbst habe ich tagelang Mostäpfel von Hochstammbüumen aufgelesen und vor Weihnachten als Hohn die Abrechnung mit Fr. 9.50 pro 100 Kg. Àpfel bekommen. Dies ergibt irgend einen Lohn zwischen 5.- bis 8.- Fr. pro Std Arbeit. Bei anderen Berufsgattungen wird dies als Dumping- oder Hungerlohn bezeichnet. Es bleibt wohl nichts anderes übrig als mit solchen Hobbys aufzuhören und den Bäumen mit der Motorsäge bodenerdig den Schnitt zu machen. Produkte vom Ausland bringen dem Handel gute Marge.

    1. Das tun wir uns schon ewig nicht mehr an! Das Obst auf der Weide frisst das Vieh, das andere haben jetzt die Vögel als Verpflegung. Aber für das Bisschen hole ich mir keine Rückenschmerzen mehr!

  8. Lieber Martin, dann erklären sie mir mal warum ich für Produkte die nicht die Qualität erfüllen Abzüge bekomme und Coop sie nachher als Unique zu einem überrissenen Preis verkauft. Wenn Coop sie schon verkauft, sollte ich als Produzent auch einen Anteil davon bekommen. Im übrigen haben immer die Abnehmer, sprich Grossisten die Qualitätsanforderungen gemacht und nie der Bauer!

  9. Lieber Martin, wenn Du schon von fairen Handelspartnern sprichst, dann erklär mir doch mal warum Coop + Migros das ganze Jahr über im Durchschnitt für 1 kg Rüebli vom Konsumenten Fr. 4.10 verlangen und der Produzent mit Fr. 1.-/kg abgespiesen wird? Dieses Trauerspiel findet auf verschiedensten Früchte- / Gemüseprodukten statt. Kannst Du mir kurz und ehrlich erklären?

  10. Bravo Herr Farner!
    Endlich einmal aussprechen was Sache ist und dem bisher allmächtigen SBV entgegen halten. «Die Ökologisierung unserer Gesellschaft ist längst kein ‘Wunschdenken’ mehr, sondern die Zukunft». Und: Swisscofel engagiert sich und geht mit konkreten Zielen voran. Bei der restlichen Landwirtschaft ist diese Haltung noch nicht angekommen, deshalb wird sie leider auch zunehmend negativ wahrgenommen.

  11. Partnerschaftliche Lösung , tönt gut aber bedeutet noch lange nicht dass sich beide Parteien immer einig sind ! ( Ernst P. 45 verheiratet )

  12. Ich bin auch ein freier Schweizer, aber wegen dem bisschen Maskentragen ist jetzt meine Freiheit noch nicht eingeschränkt. Für einen Aufstand brauchts bei mir dann deutlich mehr Einschränkungen….

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