Sonntag, 22. Mai 2022
20.01.2022 16:15
Wirtschaft

«Greenflation» dürfte Schweiz vorerst verschonen

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Von: awp

Aus den USA schwappt die Angst vor einer «grünen» Inflation rüber. Schweizer Ökonomen bleiben vorerst aber noch entspannt.

Regierungen aus aller Welt setzen auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Dazu werden – mehr oder weniger – ambitionierte Klima-Pakete geschürt. Etwa zur Förderung von Elektroautos, Windräder oder Wärmepumpen. Das befeuert die Nachfrage nach Rohstoffen wie Kupfer, Aluminium oder Lithium stark.

Das Resultat sind Knappheit und höhere Preise. Gemäss der Statistik-Webseite «Trading Economics» ist der Preis für Lithium in den letzten zwölf Monaten um über 500 Prozent gestiegen. Kupfer legte um 25 Prozent zu, Aluminium um 35 Prozent.

Ruchir Sharma, Chefstratege des US-Investmenthauses Morgan Stanley, bezeichnet diesen Effekt als «Greenflation» – einer Teuerungswelle durch die Energiewende. Die ökonomischen Effekte könnten in den kommenden Jahren die gesamte weltweite Klimapolitik entgleisen lassen, glaubt der Manager.

Energie aus anderen Gründen teuer

«Greenflation» führe nicht nur zu einem Anstieg der Rohstoffpreise, so Sharma. Hinzu komme, dass zugleich neue umweltpolitische Vorgaben – etwa Vorschriften oder CO2-Preise – die künftige Produktion von Rohstoffen wie Kupfer und Aluminium auf Dauer erschwerten.

Kommt bald die grüne Inflation? Das Problem sei noch nicht weitreichend, findet Franziska Fischer, Makroökonomin bei der Credit Suisse. «Die CO2-Preise sind noch viel zu niedrig, um ökonomische Entscheidungen nachhaltig zu beeinflussen.» Auch der jüngste Anstieg der Energiepreise sei auf zahlreiche Faktoren zurückzuführen, die mit «Greenflation» wenig zu tun hätten.

Fischer beobachtet ebenfalls, dass die Preise für fossile Energien steigen – unter anderem wegen des Nachhaltigkeitstrends. «Das könnte mittelfristig zu Unterinvestitionen für die Förderung von Erdöl und -gas führen.» Gleichzeitig verlaufe der Ausbau von erneuerbaren Energien nur schleppend. «Wenn sich dies nicht ändert, könnte das Energieangebot bald zu niedrig und steigende Preise die Folge sein.»

Schweiz profitiert von Energiemix

UBS-Ökonom Alessandro Bee glaubt, dass die grüne Inflation die Schweiz nicht so stark treffen dürfte. «Die Schweizer Wirtschaft ist weniger energieintensiv und die Elektrizitätsproduktion besteht grösstenteils aus Wasser- und Atomkraft.» Zudem werde die Schweizer Wirtschaft von der Pharmaindustrie dominiert, welche verglichen mit anderen Industrien einen tiefen Energieverbrauch habe.

Falls aber die Preise von Metallen durch «Greenflation» steigen, seien die Unterschiede zwischen der Schweiz und dem Ausland gering, erklärt Bee. Gleiches gelte auch, wenn die grüne Inflation durch Lenkungsabgaben auf fossile Brennstoffe ausgelöst werde. Der UBS-Ökonom hält aber fest, dass die Schweiz traditionell eine niedrige Inflation habe. «Das kann dazu beitragen, die Effekte der grünen Inflation zu verringern.»

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