Dienstag, 9. August 2022
28.06.2022 15:09
Klimawandel

Hitzewellen: Klimawandel als Treiber unterschätzt

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Von: sda

Die Erderhitzung sorgt für mehr Hitze, Starkregen und Dürren – soweit, so bekannt. Doch welche Extremwetterereignisse sich konkret auf den Klimawandel zurückführen lassen, ist schwieriger nachzuweisen. Nun gibt es Fortschritte – und Lücken werden sichtbar.

Die Zunahme von Hitzewellen lässt sich einer aktuellen Studie zufolge weltweit eindeutig und klar auf den Klimawandel zurückführen. Trotzdem würde das Ausmass der Auswirkungen von Regierungen, Ökonomen und Versicherern unterschätzt, heisst es in einer im Fachmagazin «Environmental Reseach: Climate» veröffentlichten Studie, an der unter anderem Forschende des Imperial College London und der Universität Oxford mitgearbeitet haben.

So sei etwa die beispiellose Hitzewelle in Sibirien vor zwei Jahren ohne den menschengemachten Klimawandel unmöglich gewesen. Hitzewellen seien häufiger und intensiver geworden und direkt für Zehntausende Todesfälle weltweit verantwortlich, schreiben die Forschenden. Dieser Einfluss werde aufgrund von grossen Mängeln in der Datenlage bislang höchstwahrscheinlich deutlich unterschätzt.

«Preisschilder» für Klimaauswirkungen

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten auf Basis des aktuellen Berichts des Weltklimarats (IPCC) und etlicher weiterer Studien analysiert, inwieweit konkrete Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, extreme Niederschläge, Waldbrände, tropische Wirbelstürme und Dürren eindeutig auf den Einfluss des Klimawandels zurückgeführt werden können. Das nennt sich Attributionsforschung – ein Zweig der Klimawissenschaft, der rapide Fortschritte macht. Die Erkenntnisse seien gewissermassen «Preisschilder» für die verschiedensten Auswirkungen des Klimawandels, die Konsequenzen für die notwendige Begrenzung der Erderwärmung und die Anpassung an das veränderte Klima hätten, schreiben die Autoren.

Nicht überall lässt sich der Zusammenhang demnach so eindeutig nachweisen wie bei Hitzewellen: So spiele etwa bei tropischen Wirbelstürmen die Region und das jeweilige Ereignis eine Rolle dabei, wie stark man diesen den Klimawandel als Ursache zuschreiben könne, heisst es in der Studie.

Transparente Informationen notwendig

Für eine bessere Erforschung der Zusammenhänge, seien dringend transparente Informationen und Wetterdaten aus vielen Ländern notwendig. Bislang gebe es grosse Lücken. So behindere etwa Korruption in Südafrika die Finanzierung meteorologischer Stationen. Im dürregeplagten Somalia hätten ungeordnete Regierungswechsel zu einer Unterbrechung der Messungen geführt. In Polen und vielen anderen Ländern wiederum seien Wetterdaten nur gegen hohe Gebühren verfügbar.

«Wir haben bislang keinen vollständigen und detaillierten Überblick darüber, welche Auswirkungen der Klimawandel bereits heute hat», sagte die am Imperial College London tätige deutsche Klimaforscherin Friederike Otto einer Mitteilung zufolge. Es gebe aber mittlerweile die Werkzeuge und das Verständnis, um einen solchen Überblick zu erarbeiten – und dies müsse unbedingt auch weltweit geschehen. «Sonst enthalten wir Ländern das Wissen vor, wie sie ihre knappen Mittel am besten nutzen können und die Menschen sich am besten und sichersten an den Klimawandel anpassen können.»

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7 Responses

    1. @Furrer. Da der Schweizerbauer wohl mit dem Argument ‚Meinungsfreiheit‘ Ihren Beitrag akzeptiert und veröffentlicht, kann er so nicht stehen gelassen werden. Sie versuchen, Wärme und Hitze zu unterscheiden. In der Realität ist das nicht möglich. Solange der (subtropische!) Mais genügend Wasser im Boden findet, kommt er auch mit Hitze gut zurecht, im trockenen Boden reicht auch andauernde ‚Wärme‘, um die Ernte auf ein paar Prozent der normalen Menge zu reduzieren.

  1. @Furrer. Zum zweiten: Lassen wir mal alle Organisationen und Regierungen weg und hören dem Walliser Förster zu, der die grossen und vorherrschenden Föhrenwälder im OW seit Jahren betreut. „Heute können wir auf 20 Jahre Forschung zurückblicken und erkennen, dass insbesondere die aufeinanderfolgenden Trockenjahre in den Walliser Waldföhrenwäldern deutliche Spuren hinterlassen haben.“ Die Bäume sterben dort ab, wo sie vorher seit Jahrhunderten vital den gleichen Standort besiedelten.

    1. „aufeinanderfolgenden Trockenjahre in den Walliser Waldföhrenwäldern deutliche Spuren hinterlassen haben“
      „Die Bäume sterben dort ab, wo sie vorher seit Jahrhunderten vital den gleichen Standort besiedelten.“
      Insgesamt und weltweit gesehen hat die begrünte Fläche der Erde von 1982 bis 2015 um die 500 fache Fläche der Schweiz (20 Mio. km2) zugenommen, wie aus Satellitenbilder ersichtlich wurde.
      Dass lokal Bäume absterben können (sind die schon abgestorben?) ist normal und kein Grund zur Panik!

  2. Jeden Stuss kann man auch in einer Kommentarspalte nicht stehen lassen. Offenbar verbringt Furrer sein Leben in einem klimatisierten Raum, sonst würde auch er wohl als einer der letzten auf der Welt feststellen, dass sich etwas verändert.

    1. Kopfschüttler, dass sich ständig „etwas verändert“, auch das Klima, das bestreitet niemand, auch ich nicht.
      Die Frage ist doch, ob es schlimm ist, wenn es im Juni bis 35 Grad warm wird. Ist es schlimm, wenn es im Sommer heiss wird? Ist das menschengemacht?
      Sterben die Bäume im Wallis (sterben die überhaupt, oder ist das wieder eine politisch-korrekte Behauptung), weil wir CO2 ausstossen? Glaubst du das wirklich? Und mit welcher Begründung?
      IPCC ist politisch, nicht wissenschaftlich!

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