Montag, 8. März 2021
23.01.2021 15:27
Deutschland

In zehn Jahren 35 600 Betriebsaufgaben

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Von: AgE

Seit 2010 ist die Anzahl Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland um 12 % gesunken. Besonders hart getroffen wurden Betriebe mit Schweinehaltung.

Der Strukturwandel in der deutschen Landwirtschaft hält an. Das geht aus ersten vorläufigen Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 hervor, die das Statistische Bundesamt (Destatis) vorgestellt hat. Demnach ist die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe seit der vorangegangenen, umfassenden Erhebung im Jahr 2010 um etwa 35600 oder 12 % auf rund 263500 gesunken.

Der Wandel hat sich allerdings verlangsamt. Laut Destatis ging die Zahl der Betriebe zwischen 2010 und 2016 jährlich noch um etwa 4000 zurück, während die betriebseigene Fläche im jährlichen Mittel um etwa 0,8 ha anstieg. Zwischen 2016 und 2020 belief sich der jährliche Rückgang auf etwa 3000 Betriebe und die Flächenzunahme auf 0,6 ha. Zwischen der Agrarstrukturerhebung im Jahr 2007 und der Landwirtschaftszählung 2010 war die Zahl der Betriebe mit 20 % besonders kräftig zurückgegangen; dies ist aber auch auf die Anhebung der Erfassungsschwelle von 2 ha auf 5 ha zurückzuführen.

Die landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) ist derweil zwischen den Zählungen von 2010 und 2020 weitgehend konstant geblieben und lediglich um 1 % auf 16,6 Mio. ha zurückgegangen. Nahezu unverändert blieb auch die Art der Hauptnutzung: Auf Ackerland entfielen 70 % der LF, auf Dauergrünland 29 % und auf Dauerkulturen 1 %. Die durchschnittliche Betriebsgröße beziffern die Statistiker für 2020 auf 63 ha LF; zehn Jahre zuvor waren es 56 ha.

Die Zahl der Betriebe, die mehr als 100 ha bewirtschaften, stieg laut Destatis um etwa 4500 auf rund 38100 an. Damit entfiel im vergangenen Jahr 63 % der gesamten LF auf 14 % der Betriebe; 86 % verfügten über maximal 100 ha. Ost- und Westdeutschland nähern sich dabei langsam an. Laut Destatis-Vizepräsident Christoph Unger geht die durchschnittliche Betriebsgröße in Ostdeutschland leicht zurück, weil unter anderem neue beziehungsweise ausgegründete Betriebe eher über kleinere Flächen verfügten.

Trend zur Spezialisierung

Fortgesetzt hat sich die Konzentration auch in der Veredlung. Zum Stichtag 1. März 2020 wurden den Angaben des Bundesamts zufolge in 167900 Betrieben Tiere gehalten; der Anteil ging damit um 9 Prozentpunkte auf 64 % zurück. Die Anzahl der Veredlungsbetriebe verringerte sich um 22 %, während sich der Rückgang bei den Großvieheinheiten auf 7 % belief.

Besonders deutlich zeigte sich diese Entwicklung in der Schweinehaltung. Laut Destatis ist die Zahl der Betriebe mit Schweinen in den vergangenen zehn Jahren um 47 % auf 32 100 zurückgegangen, während der Schweinebestand im gleichen Zeitraum um nur 4 % auf 26,6 Millionen Tiere abnahm. Bei den Rindern wurden zum Stichtag etwa 108 400 Betriebe und rund 11,3 Millionen Tiere erfasst. Die Zahl der betreffenden Betriebe ging der Erhebung zufolge seit 2010 um ein Viertel zurück, während die Tierzahl zugleich nur um ein Zehntel verringert wurde.

Besonders stark war die Konzentration bei den Milchviehhaltern. Ihre Zahl schrumpfte um 40 % auf 54 100 Betriebe, während der Milchviehbestand lediglich um 5 % auf 4,0 Millionen Tiere abnahm. Weniger drastisch vollzog sich der Strukturwandel in der Geflügelhaltung.

Gemäß den Angaben der Statistiker ging die Anzahl der Betriebe hier im vorigen Jahrzehnt um 16 % auf etwa 50 800 zurück, allerdings beschränkt sich diese Entwicklung im Wesentlichen auf den Zeitraum zwischen 2010 und 2016. Seitdem ist die Betriebszahl laut Destatis nahezu konstant. Insgesamt ist ihm zufolge zu beobachten, dass die Tierbestände seit 2010 nicht mehr in dem Maße sinken wie die Zahl der Betriebe. Verbunden damit ist eine zunehmende Spezialisierung: 2020 wurde in 61 % aller tierhaltenden Betrieb nur noch eine Art gehalten; 2010 hatte dieser Anteil bei 57 % gelegen.

Jede zehnte Tierhaltung im Ökolandbau

Weiter an Bedeutung gewonnen hat der Ökolandbau. 2020 wirtschafteten Destatis zufolge etwa 26400 Betriebe nach biologischen Kriterien; das waren 9900 oder 60 % mehr als zehn Jahre zuvor. Bezogen auf die gesamte Landwirtschaft ist der Anteil somit um 4 Prozentpunkte auf 10 % der Betriebe gestiegen.

Der nach ökologischen Vorgaben bewirtschaftete Anteil der LF legte von 5,6 % auf 9,6 % zu. Insgesamt belief sich die Fläche des Ökolandbaus 2020 auf mehr als 1,6 Mio. ha; das entsprach einem Plus von 69 % gegenüber 2010. Mehr als die Hälfte der ökologisch bewirtschafteten Fläche war Dauergrünland; auf Ackerland entfielen 46 %. Auch die ökologische Tierhaltung wächst. Die Zahl der Ökobetriebe mit Tierhaltung stieg um 43 % auf 17500; bezogen auf die tierhaltenden Betriebe der gesamten Landwirtschaft war das ein Anteil von 10 %. Rinder waren auf 13300 Biohöfen zu finden, Geflügel auf 5600 und Schweine auf 1700. Die Zahl der ökologisch gehaltenen Schweine ist seit 2010 um 41 % auf 219000 Tiere gestiegen, der Anteil am gesamten Schweinebestand liegt damit aber nur bei knapp 1 %.

Hoher Frauenanteil bei den Saisonarbeitskräften

Wie Destatis außerdem berichtete, waren auf den landwirtschaftlichen Betrieben Deutschlands von März 2019 bis Februar 2020 gut 936900 Arbeitskräfte tätig; das entsprach gegenüber 2010 einem Rückgang um 13 %. Mit 436 00 Personen waren etwas weniger als die Hälfte Familienarbeitskräfte in Einzelunternehmen. Dazu kamen 229300 unbefristet angestellte Arbeitskräfte sowie 271500 saisonal Beschäftigte. Von den in der Landwirtschaft tätigen Personen waren der Erhebung zufolge 335000 weiblich.

Besonders hoch war der Anteil der Frauen mit 33 % bei den Familienarbeitskräften und mit 43 % bei den befristet Beschäftigten, während nur jeder neunte Betrieb von einer Frau geführt wurde. Zunehmend Verbreitung finden auf den Betrieben zusätzliche Standbeine. Im Jahr 2020 erwirtschafteten 42 % von ihnen Umsätze aus außerlandwirtschaftlichen Tätigkeiten; bei 21 % davon machen diese Tätigkeiten mindestens die Hälfte des Gesamtumsatzes aus. Am häufigsten sind die Diversifizierungsaktivitäten in der Forstwirtschaft anzusiedeln, gefolgt von der Erzeugung erneuerbarer Energie und Arbeiten für andere landwirtschaftliche Betriebe.

One Response

  1. In Deutschland hören Betriebe mit 150 Kühen auf zu melken.
    Viele Schweizer Bauern träumen auch von 150 Kühen.
    Doch das Hamsterrad ist dann programiert.

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