Sonntag, 23. Januar 2022
01.12.2021 11:35
Österreich

A: Bauernverband warnt vor Kostenexplosion

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Von: aiz/blu

Österreichs Bäuerinnen und Bauern sind mit massiven Kostensteigerungen bei Futter- und Düngemitteln, Treibstoffen, Strom, Baustoffen und Co. konfrontiert. Die Anschaffungskosten haben sich im Vergleich zu den Vorjahren verdoppelt oder sogar verdreifacht. 

«Diese höheren Kosten für die Landwirtschaft tragen derzeit allein die Bauernfamilien», beschreibt Bauernbund-Präsident Georg Strasser das Problem. Er führt weiter aus: «Zurzeit kämpfen besonders Schweine-, Milch- und Geflügelbauern um jeden Cent. Es gibt offenbar keine Bereitschaft der grossen Handelsketten, die gestiegenen Produktionskosten mitzutragen.»

Betriebsmittelkosten im Höhenflug

Die stark steigenden Kosten für Energie und Betriebsmittel sorgen bei den Bäuerinnen und Bauern für Unruhe. Die Einkaufspreise, besonders bei Düngemitteln, explodieren. «Stickstoffdünger kosten zwei- bis dreimal so viel wie noch vor einem Jahr. Investitionen in Neubauten sind aufgrund der massiven Preissteigerungen bei Holz, Stahl und Beton kaum noch finanzierbar. Auch die Preise für Futtermittel befinden sich im Höhenflug», warnt der Bauernbund-Präsident.

Futtermittelmischungen sind im Vergleich zum Vorjahr für Masthühner um 31% teurer geworden, für Schweine und Milchkühe um 16%. Die weiterhin angespannte Corona-Situation führt zu einer zusätzlichen Verunsicherung am Markt. 

«Extrem-Aktionen völlig vermessen»

Die Bauernfamilien könnten die starken Preisveränderungen am Rohstoffmarkt aber nicht allein. Strasser fordert Verarbeiter und Händler auf, einen Teil der Kosten zu übernehmen. «Das Paradoxe an dieser Situation ist, dass es rund um den ‚Black Friday ‚ Extrem-Aktionen bei Fleisch gab, wie beispielsweise 1 kg Poulet aus Österreich um 1,99 Euro (2.10 Fr.). Ohne Rücksicht auf die Mehrkosten der Bäuerinnen und Bauern zu nehmen. Es war ein regelrechter Ausverkauf der Landwirtschaft», kritisiert Strasser

Er fordert ein Umdenken in der Branche: «Wir müssen weg von Rabattschlachten im Supermarktregal hin zu realen Preisen für unsere Bauernfamilien und Konsumenten. In Österreich ist der Anteil von Artikeln, die in Aktionen verkauft werden, deutlich höher als in anderen Ländern. Das muss sich ändern, denn bei solchen Billigstpreisen gibt es keine Gewinner.»

Bessere Preise

Die kleinstrukturierten Familienbetriebe in Österreich kämpfen gemäss Strasser mit stagnierenden Einkommen. Aber es würden Anforderungen nach mehr Umweltschutz und Tierwohl gestellt. «Das können wir aber nur mit einer aufwandsgerechten Preisgestaltung erreichen», macht er deutlich. Die Preis-Kosten-Schere klaffe massiv auseinander. Langfristig würden das, was sich die Konsumenten im Regal ersparen, die Bauernfamilien, die Tiere und die Umwelt zahlen.

Er sieht zwar einige Silberstreifen am Horizont. «Ausgleich und Entlastung versprechen die CO2-Steuerrückvergütung und die Senkung der Versicherungsbeiträge. Trotzdem braucht es ein Entgegenkommen der Handelsketten. Am Ende sollen unsere Bauernfamilien von ihrem Einkommen leben können», macht Strasser deutlich.

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