Dienstag, 27. Juli 2021
02.11.2020 11:43
USA

Welcher US-Präsident für die Schweiz besser ist

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Von: Kaspar Wolfensberger, AWP

Joe Biden oder Donald Trump: Am morgigen Dienstag entscheiden die Amerikaner darüber, wer ihr Land für die nächsten vier Jahre regieren wird. Egal, wie man es dreht und wendet: Die Entscheidungen der US-Politik haben einen grossen Einfluss auf die Schweiz und ihre Unternehmen.

Doch welcher Präsident wäre besser für die Schweizer Wirtschaft? Und wann konkretisiert sich das vom Bundesrat angestrebte Freihandelsabkommen mit den USA?

Unter Biden WTO wieder gestärkt

Für die Schweiz wäre ein Präsident Biden wirtschaftlich gesehen wohl besser, sagte die SGKB-Anlageexpertin Caroline Hilb im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP. Denn im Gegensatz zu Trump verfolge Biden beim Handel eher einen multilateralen Ansatz und keinen bilateralen. Daher würde wohl die Welthandelsorganisation WTO unter Biden wieder gestärkt, wovon die Schweiz profitieren könnte.

Trump wiederum könnte im Falle eines Erfolgs seine aggressive Handelspolitik von China auf Europa ausweiten. «Die exportorientierte Schweizer Wirtschaft ist dafür vor allem im aktuell geschwächten Konjunkturumfeld sehr anfällig», sagte Hilb.

USA «müssen» aus Coronakrise herausfinden

Der nächste US-Präsident steht aber vor allem vor der Herausforderung, die von der Corona-Pandemie geschüttelte Wirtschaft auf die Beine zu bringen. Für Jan Atteslander vom Wirtschaftsverband Economiesuisse ist darum die zentrale Frage nicht die nach dem nächsten Präsidenten, sondern wie schnell die USA aus der aktuellen Coronakrise herausfinden kann. «Der Einfluss der US-Wirtschaft auf die Schweiz ist sehr gross, den Einbruch des Bruttoinlandsproduktes in den USA spüren wir als Exportnation auch hier», sagte der Economiesuisse-Experte im Gespräch mit AWP. Sowohl Biden als auch Trump würden versuchen, mit einer expansiven Fiskalpolitik für wirtschaftlichen Schwung zu sorgen, heisst es in einer Analyse der DZ Bank. Das bedeutet in beiden Fällen tiefe Zinsen für eine lange Zeit. Doch Biden und Trump unterscheiden sich in ihrer Herangehensweise, wie die US-Wirtschaft auf die Beine kommen soll: Trump stehe für Steuersenkungen, Biden für hohe Staatsausgaben.

China im Fokus

Welche Massnahmen der künftige US-Präsident umsetzen kann, hängt aber insbesondere auch vom Resultat der parallel stattfindenden Kongresswahl ab. Denn nur mit der Rückendeckung beider Kammern im Kongress sind grössere Reformen umsetzbar. Als wahrscheinlichsten Wahlausgang erachtet die CS-Ökonomin Nannette Hechler-Fayd’herbe einen Präsidenten Biden mit einem «geteilten» Kongress. Also mit einer Mehrheit der Demokraten im Repräsentantenhaus und einer republikanischen Mehrheit im Senat. Eine Fortsetzung der Blockadepolitik in Washington zeichnet sich also ab und Biden müsste wie sein Vorgänger stark auf Präsidialverordnungen zurückgreifen. In einer Sache aber wird sich laut Atteslander nichts ändern: Biden wie Trump haben den Handelskonflikt mit China im Fokus. Und beide werden wohl die harte US-Linie gegen China fortsetzen.

Freihandelsabkommen als Ziel

Und weil sich der Handelsbeauftragte im Kabinett Trump, Robert Lighthizer, zuletzt stark auf die Beziehung zu China konzentriert hat, ist es noch nicht zu einem Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den USA gekommen. Dies zumindest denkt der frühere US-Botschafter in der Schweiz, Donald Beyer. «Die Schweiz ist wahrscheinlich nicht unter den ersten fünf auf der Prioritätenliste – vielleicht ist sie Nummer acht», sagte er vor einigen Wochen in einem Interview mit der «Handelszeitung». Die Eidgenossenschaft bemüht sich schon länger um ein solches Abkommen. Gerade den hiesigen kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) fehle ein solches Abkommen, sagte Economiesuisse-Vertreter Atteslander zu AWP.

Pharmafirmen im Fokus

Je nach Präsident werden aber nach Auffassung der SGKB-Expertin Hilb unterschiedliche Sektoren in der Schweiz stärker von einem – vielleicht zukünftigen – Handelsabkommen profitieren. Gleichzeitig stellt sie fest: «So oder so werden von der US-Seite her bei einem allfälligen Handelsabkommen aber die Pharmafirmen im Fokus sein». Die Gefahr einer US-Gesundheitsreform mit möglicherweise negativen Auswirkungen auch für die Schweizer Pharmagiganten Roche und Novartis werden vor allem im Falle eines demokratischen Präsidenten gesehen. Bereits bei den Wahlen vor vier Jahren war die damalige Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, mit Plänen zur Bekämpfung von hohen Medikamentenpreisen in den Wahlkampf gezogen. Auf die Neuigkeit, dass US-Präsident Trump bei US-Wettbüros in Führung ging, hatten die Aktien von Roche und Novartis Ende September denn auch prompt mit Kursgewinnen reagiert.

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One Response

  1. Eine Wiederwahl Trump’s ist eindeutig der Wahl Bidens vorzuziehen.
    Trump erfüllte seine Wahlversprechen mehrheitlich, was von Biden (der unter Obama Vizepräsident war) nicht gesagt werden kann. Was vor allem zählt, ist auch, dass Trump keine Kriege begonnen hat, sondern sogar ein Bündnis zwischen Israel und Saudi-Arabien erreicht hat.
    Bezüglich freie Meinungsäusserung ist Trump ebenfalls vorzuziehen. Er ist ein Mann, der sich nicht dem links-grünen Zeitgeist (und der daraus folgenden Meinungsdiktatur) unterwirft, und ist somit ein Bollwerk für die Meinungsäusserungsfreiheit.

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