Freitag, 15. Januar 2021
31.12.2019 16:05
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Fehlendes Wasser belastet Farmer

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Von: Esther Schneiter

Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, bloggt Esther Schneiter wieder auf www.schweizerbauer.ch. Derzeit ist die Landwirtin und Lehrerin zusammen mit ihrem Mann Töbu in Australien unterwegs. Die Auswirkungen der Dürre sehen Schneiters Tag für Tag.

Wir sind bereits wir über drei Wochen in Australien. Die Farmen, von welchen ich in diesem Blog berichte, liegen alle südlich der Gerade zwischen Sydney und Melbourne. Wenn wir einen Farmer sehen, dies ist meist am Nachmittag zu den Melk-Zeiten, wenn die Kühe zum Melkstand getrieben werden, halten wir an und plaudern einige Worte mit ihnen. Alle sind sehr freundlich, offen und auch an unserem Landwirtschaftsalltag in der Schweiz interessiert.

Wasser fehlt überall

Bisher haben alle Farmer genau die gleichen zwei Hauptschwierigkeiten genannt: einerseits gute Arbeiter zu finden und andererseits das fehlende Wasser. Jamberoo, Luftlinie rund 120 Kilometer südlich von Sydney, ist eine der furchtbarsten Regionen des Landes, momentan ist aber alles ausgetrocknet. Die Bauern in diesem Gebiet sind nicht auf diese enorme Dürre vorbereitet und eingerichtet. 

Wir haben Herden gesehen, da ist die schwerste Kuh leichter als hoffentlich die leichteste im ganzen Kanton Bern. Ein ortskundiger Mann berichtete uns von grossen Sorgen und Problemen der Farmer. In anderen Gebieten ist dies ganz anders. Wir haben grosse Herden mit wunderschönen Kühen bei bester Gesundheit gesehen!

Schon seit Oktober wüten die Buschbrände in Australien, doch so extrem wie jetzt schien die Lage noch nicht. Allein in New South Wales ist mittlerweile eine Fläche der Grösse Belgiens abgebrannt, fast 1000 Häuser wurden zerstört. Und ein Ende des Infernos ist nicht in Sicht – im Gegenteil: Für Dienstag wurden weitere Temperatursteigerungen bis weit über 40 Grad hinaus und Unwetter mit starken Windböen erwartet, die die Brände weiter anfachen könnten. sda

Über 100 Hektar Mais unter derselben Bewässerungsanlage

Weiter südlich sehen wir immer wieder Bewässerungsanlagen. Wir haben einen Farmer getroffen, der in der sechsten Generation einen Familienbetrieb führt. Seit drei Generationen haben sie sich auf den Anbau von Mais spezialisiert. Insgesamt bewirtschaftet Sam nach eigenen Angaben «nur» 500 Hektar. 

Flache Äcker werden bewässert. Normalerweise würden 800 Liter Regen pro Jahr gemessen, in den vergangenen Jahren hätten sie aber jeweils die Hälfte gehabt, sagt der Landwirt. Die grösste Bewässerungsanlage ist 800 Meter breit und kann 1200 Meter weit fahren. Dies ergibt rund 100 Hektar Mais, für uns eine fast unvorstellbare Fläche. Zumal auf dem gleichen Talboden vier Dairy-Farmer (Milchwirtschaft) existieren.

Süssmais und Popcorn für die ganze Welt

Der Mais-Bauer pflanzt viel Süssmais und Popcorn an. Vieles wird in die ganze Welt exportiert, das Süssmais vor allem nach Europa. So kann es sein, dass wir beim nächsten Raclette zu Hause Süssmais von Farmer Sam dazu essen werden. Die Nachfrage sei hier sehr gut, auch für die regionalen Dairy-Farmer produziert er. 

Sam selber hat keine Milchkühe. Er hatte eine Mutterkuhherde für die steileren Flächen. Wegen der Trockenheit habe er diese verkauft und nun nach dem Regen Beef-Rinder gekauft.

Die australischen Bundesstaaten New South Wales mit Sydney und Queensland traf es so hart wie nie ­zuvor in den vergangenen 16 Jahren, seit Brände systematisch mit Satelliten erfasst werden. Grossflächig standen Eukalyptuswälder in Flammen; Feuerwehrleute kämpften mit 6000 Kilometern Feuerfront. Mehrere Regionen riefen den Ausnahmezustand aus, Rauchschwaden zogen bis nach Südamerika. Und es brennt weiter. Am Sonntag gab es in New South Wales 85 Feuer, davon 40 ausser Kontrolle. sda

Was passiert mit den Beef-Rindern?

Alle Farmer geben gerne Auskunft, auch über schwierigere Themen wie Tierschutz, Schulden, Zinsen und Jahreseinkommen. Wenn man aber nach Feedlots fragt, ist bald einmal Schluss. Dies war beispielsweise bei einem Simmentaler-Züchter auch der Fall. Er war erfreut, Leute aus dem «Heimatland» seiner Masttiere zu sehen. Als wir fragten, was mit den Rindern nach dem Verkauf passieren würde, zeigte er sich plötzlich verschlossen. 

Einzig Sam war bisher offen. Er meinte, es komme auf die Nachfrage an. Vielleicht werden wir noch mehr herausfinden oder gar ein Feedlot besuchen können, trotz den erschwerten Bedingungen mit dem Tierschutz. Auf vielen Farmen steht beim Eingang eine grosse Tafel mit Betretungsverbot, wohl haben sie ihre Erfahrungen in Vergangenheit gemacht.

Viel zusätzliches Futter für die Milchkühe

Low-Input: eines der Schlagwörter, das mit der australischen Milchproduktion schnell in Verbindung gebracht wird. Zu unserem Erstaunen können wir dies aber bisher nicht bestätigen. Der Milchpreis sei momentan gut, die Farmer geben uns einen Produzentenpreis zwischen 50 und 60 australische Cent (34 bis 41 Rp.) pro Kilogramm Milch an. 

Das bedeutet, dass die Milchproduktion forciert und den Kühen mehr Kraftfutter gegeben wird. Sechs bis zehn Kilogramm sind die genannten Mengen pro Tag, verteilt auf zwei Gaben. Auch wird auf vielen Betrieben bereits jetzt zugefüttert. Eigentlich sei dies vor allem im Winter der Fall, aber aufgrund des Wassermangels bekommen die Kühe jetzt schon Silage, berichten die Farmer. 

Nun sind wir etwas gespaltener Hoffnung. Natürlich hätten wir für den weiteren Verlauf unserer Ferien am liebsten Sommer, Sonne und Temperaturen um 30°C. Für die Farmer wünschen wir uns aber den langersehnten Regen! 

Ich wünschen Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, einen guten Start ins neue Jahr mit viel Energie, der nötigen Portion Humor und Gelassenheit und dem wichtigsten Gut: gute Gesundheit!

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