Dienstag, 29. November 2022
15.10.2012 16:26
Amazonas

«Fliegende Flüsse» versorgen Brasilien mit Wasser

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Von: sda/afp

Während viele Länder infolge des Klimawandels von verheerenden Dürren heimgesucht werden, ist Südamerika mit Wasser gut versorgt. Laut dem in der Schweiz aufgewachsenen Piloten Gérard Moss sind «fliegende Flüsse» aus den Regenwäldern im Amazonasgebiet dafür verantwortlich.

Der Flieger, Abenteurer und Umweltaktivist erforscht diese feuchten Luftströme aus der Luft. «Der Klimawandel fordert seinen Tribut», sagt er an Bord seiner einmotorigen Embraer 721. «Die USA erleben die schlimmste Dürre seit einem halben Jahrhundert, auch Russland leidet unter Dürren und in Indien sind die Monsunregen seit Jahren unregelmässig.»

Ein Baum gibt bis 1000 Liter Wasser pro Tag ab

«Brasilien ist weniger betroffen, weil wir den grössten tropischen Regenwald der Welt haben, der bei der Klimaregulierung hilft. Sehr wenige Leute machen sich klar, dass ein einzelner Baum neben der Speicherung von Kohlendioxid auch mehr als 1000 Liter Wasser pro Tag in die Atmosphäre abgeben kann.»

Vom Flugzeug aus misst Moss die Luftfeuchtigkeit, die ihn auf die Spur der Wasserdampf-Massen bringt. «Das ganze Amazonasbecken liefert Süsswasser für viele andere Teile Brasiliens und den Norden Argentiniens, deshalb ist es wichtig für das Klima und die Wirtschaft Brasiliens», betont er. In der Region werden grosse Mengen an Nahrungsmitteln produziert.

Aus dem Waadtland in den Amazonas

Vom Amazonas treiben die «fliegenden Flüsse» Richtung Anden, die als natürliche Barriere wirken und riesige Mengen Wasser Richtung mittleren Westen, Südosten und Süden des Landes umleiten. Auch in den Norden von Argentinien, nach Uruguay, Paraguay, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Französisch-Guyana und Surinam lenkt der Gebirgszug die feuchten Luftströme.

Der 57-Jährige wurde in Grossbritannien geboren und wuchs im Waadtland auf. In den 1980er Jahren kam er nach Brasilien, wo er seit 2003 Brasiliens Gewässern erforscht, die zwölf Prozent der Süsswasservorkommen weltweit ausmachen. Ein Jahr lang sammelte er zusammen mit seiner Frau mithilfe eines kleinen Wasserflugzeugs mehr als 1000 Proben von den entlegensten Flüssen und Seen des Landes.

«Wir fanden heraus, dass 85 Prozent des Wassers sauber sind. Das zeigt, dass Brasilien über grossen Reichtum verfügt, aber auch, dass nicht investiert wird, um diesen Reichtum zu erhalten: In bewohnten Gebieten ist die Wasserqualität scheusslich.»

3000 Kilometer langer «fliegender Fluss»

Moss gelang es, einen der «fliegenden Flüsse» 3000 Kilometer zu verfolgen, acht Tage lang flog er von Belém im Amazonasgebiet nach Pantanal im mittleren Westen und São Paulo im Süden. «Es war eine riesige Menge an Wasserdampf und entsprach dem, was São Paulo in 115 Tagen verbraucht.» Dank seiner Erkenntnisse verfolgt die brasilianische Weltraumbehörde INPE inzwischen täglich die Feuchtigkeitsströme des Amazonas in ganz Brasilien.

Das erklärte Ziel des Selfmade-Forschers: «Wir wollen das Amazonasbecken retten, wir wollen jeden Baum dort retten.» Nach Einschätzung von Wissenschaftlern sind inzwischen nahezu 20 Prozent des Amazonas-Regenwaldes zerstört.

Kurzfristige Ertragsmaximierung kommt teuer zu stehen

Manche befürchten, dass der Schaden von 35 bis 40 Prozent am Regenwald unumkehrbar ist. Mit zunehmender Entwaldung werden die Bäume, die Wasserdämpfe freisetzen können, immer weniger. Die Entwaldung im grossen Stil hat Brasilien ausserdem zu einem der grössten Verursacher von Treibhausgasen gemacht.

Die Folgen führt Moss eindrücklich vor Augen: «Wenn wir bestimmte Gebiete des Amazonas verlieren, durch Landgewinnung, für Vieh oder Sojabohnen, dann muss uns klar sein, dass wir natürliche Prozesse verlieren, was uns eines Tages teuer zu stehen kommt.»

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