Montag, 6. Dezember 2021
24.11.2021 10:48
Türkei

Hier raten Politiker, beim Essen zu sparen

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Von: awp/sda

Die türkische Lira ist am Dienstag nach Aussagen eingebrochen. Sie sank zum Dollar und zum Euro auf Rekordtiefstände. Politiker raten der Bevölkerung, die Ernährung umzustellen, um Kosten zu sparen.

Der Dollar stieg im Gegenzug erstmals über 12 Lira. Der Eurokurs legte auf 14,06 Lira zu. Am Mittwoch rutschte die Lira um drei Prozent auf ein neues Rekordtief ab. Für einen Dollar mussten Anleger zeitweise 13,15 Lira auf den Tisch legen, so viel wie nie zuvor.

Politiker von Erdogans Regierungspartei AKP sorgen unterdessen mit Spartipps für Diskussionen.

Inflation von 20 Prozent

Der erneute Absturz der Währung folgt auf Forderungen Erdogans nach einer «wettbewerbsfähigen» Lira. Ein noch schwächerer Wechselkurs solle Investitionen und Arbeitsplätze fördern. Die Inflation dürfte damit weiter angeheizt werden, da eingeführte Waren teurer werden.

Allein in diesem Monat hat die Lira gegenüber Dollar und Euro rund ein Viertel ihres Wertes verloren. Die Inflation im Land lag zuletzt bei knapp 20 Prozent, worüber viele Menschen klagen. AKP-Politiker Zülfü Demirbag riet Bürgern, statt zwei Kilo Fleisch monatlich nur ein halbes zu essen.

Kein Gemüse essen

Anstatt zwei Kilo Tomaten reichten vielleicht auch zwei Stück. Gemüse ausserhalb der Saison zu essen, sei ohnehin nicht besonders gesund. Anfang des Monats riet Energieminister Fatih Dönmez, die Heizungen runterzudrehen, um Geld zu sparen.

Die Notenbank hatte zuletzt nach Erdogans Druck die Leitzinsen gesenkt und so die Lira auf Tiefstände geschickt. Erdogan vertritt entgegen der geltenden Lehre die Meinung, dass hohe Zinsen die Inflation befördern.

Druck auf Nationalbank bleibt

Der Druck auf die Notenbank dürfte anhalten. So forderte Devlet Bahceli, Chef der ultranationalistischen Partei MHP, eine Diskussion über das Ende der Unabhängigkeit der Notenbank. Die MHP ist Teil der Regierung Erdogans. «Unabhängige Institutionen können nicht über dem Willen des Volkes stehen», sagte Bahceli.

«Die Türkei soll frei von der Zinsbelastung sein.» Zudem forderte er, dass sich die Türkei dem Internationalen Währungsfonds und der «Zinslobby» entgegenstelle. Die Aussagen dürften das Vertrauen in die Lira und die türkische Wirtschaft weiter schwächen.

Zinssenkungen «rücksichtslos»

Ökonomen in der Türkei kritisieren die Zinssenkungen massiv und bezeichnen sie als «rücksichtslos». Oppositionspolitiker forderten Neuwahlen. Unternehmen warnen vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch den Lira-Absturz. Zuletzt war die Lira 2018 so stark abgerutscht, eine Rezession war die Folge.

Um den Lira-Verfall zu stoppen, könnten Entscheidungsträger in der Türkei am Devisenmarkt intervenieren oder notfallmässige Zinserhöhungen durchführen, erklärte Commerzbank-Analyst Tatha Ghose. «Es ist schwer vorstellbar, welche genauen Kanäle die Entscheidungsträger dieses Mal anvisieren.

«Ohnehin glauben wir nicht, dass derartige Massnahmen die Lira länger als einige Tage stabilisieren würden.» Der Markt habe inzwischen erkannt, dass Erdogan alle Entscheidungen falle. Es spiele keine Rolle, was die Zentralbank kurzfristig unternehme, solange der Präsident bei der Geldpolitik mitbestimme.

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