Freitag, 20. Mai 2022
23.01.2022 08:39
Report

Klimawandel bedroht Lebensgrundlage

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Von: Christoph Kummer/hafl

Ein Bericht von BFH-HAFL-Forschenden zeichnet ein düsteres Szenario: Ernten im freien Fall, Millionen Produzentinnen und Produzenten in der Armut. Ein wichtiger Faktor ist der Klimawandel.

Ingrid Fromm, wissenschaftliche Mitarbeiterin der BFH-HAFL, untersucht seit Jahren Wertschöpfungsketten in der Landwirtschaft und deren Beeinträchtigung durch den Klimawandel. Gemeinsam mit Christine Jurt (Projektleitung), Mélanie Feurer, Sophie Marchesi, Laura Kuonen und Odera Magowa Wycliffe sowie Forschenden der Freien Universität Amsterdam veröffentlichte sie Ende Oktober einen Report, der aufzeigt, wie sich der Klimawandel auf die Landwirtschaft in bestimmten Weltregionen auswirkt.

Die Arbeit, die im Auftrag der Dachorganisation Fairtrade International erstellt und im Vorfeld der UN-Klimakonferenz (COP26) in Glasgow publiziert wurde, ist ein dringlicher Appell an die Politik, sofort umfassende Massnahmen zu beschliessen und verbindliche Ziele zu definieren. Denn die Zeit drängt.

Die Studie kommt zum Schluss, dass die zunehmenden Auswirkungen des Klimawandels ein grosses Risiko für die weltweite Landwirtschaft darstellen und die Lebensgrundlage von Millionen Fairtrade-Bäuerinnen und -Bauern sowie Arbeitenden bedrohen.

Folgen des Klimawandels betreffen vor allem die südlichen Erdteile

120 Betroffene befragt«Ob nun Bananen, Kaffee, Tee oder Zuckerrohr, all diese Produkte, die wir als selbstverständlich hinnehmen, sind durch die Auswirkungen des Klimawandels bedroht», sagt Ingrid Fromm. Wassermangel, extreme Hitze, Extremwetter und Schädlinge – die Folgen des Klimawandels betreffen vor allem die südlichen Erdteile und verstärken bestehende sozioökonomische Ungleichheiten massiv.

«Die Faktoren reichen aus, um globale Versorgungsketten ernsthaft zu bedrohen. Gleichzeitig geraten viele Landwirte und Landarbeiter immer tiefer in Armut. Oft können wir uns nicht vorstellen, wie schwierig der Kampf um die Existenz für Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in diesen Ländern ist.»

Die Autorinnen und Autoren stützten sich auf Erhebungen von Fairtrade, Forschungsliteratur und Umfragen. «Bei letzteren gingen Helfer vor Ort ins Feld und befragten die Landwirte und Landarbeiter.» Rund 120 Produzierende in Indien, Ghana und Peru teilten ihre Eindrücke. Die Arbeit dauerte infolge der Covid-19-Pandemie rund zwei Jahre. 

«Die Ergebnisse haben uns nicht wirklich erstaunt, was nicht heisst, dass es nichts Neues zu berichten gab», erklärt Fromm. «Es ist wichtig, die Auswirkungen der geographischen Regionen auch im Vergleich und im Hinblick auf die verschiedenen Produkte zu sehen.»

Extreme Trockenheit, extremer Regen

Bananenbauern in Mittelamerika müssen zum Beispiel mit immer extremeren Trockenperioden rechnen. «Dann aber tauchen plötzlich Wirbelstürme auf, welche die Produktion zerstören. Letztes Jahr haben die Hurricanes Eta und Iota die landwirtschaftliche Produktion in der Region völlig verwüstet», sagt Fromm. «Wenn die Ernten dezimiert werden, schwindet die Fähigkeit der Produzierenden, sich selbst, ihre Familien und ihre Gemeinden zu versorgen.»

Doch die Landwirte und Landarbeiterinnen sind nicht nur Opfer. «Vielmehr sind sie massgeblich an der Entwicklung von Lösungen für das Klima beteiligt, die den Weg in eine nachhaltigere Zukunft ebnen können», so Fromm weiter. Die promovierte Ökonomin kehrte erst kürzlich aus Norduganda zurück, wo sie an einem Projekt arbeitet, das Kleinproduzenten bei Anbau, Verkauf und Vermarktung ihrer Produkte helfen soll.

Wichtig ist jetzt zu handeln

Mit ihrem Bericht fordern die Autorinnen und Autoren, dass die entscheidende Rolle, welche Landwirtinnen und Landarbeiter bei der Bekämpfung des Klimawandels auf lokaler Ebene spielen können, anerkannt wird. Diese Menschen müssten finanzielle Unterstützung erhalten, um wirksame Schutzmassnahmen einleiten zu können.

«Wichtig ist, jetzt zu handeln und den Klimawandel von verschiedenen Seiten anzupacken», sagt Fromm. Anpassungen rein technischer Art reichten nicht. «Es ist wichtig, Massnahmen gemeinsam mit den Produzentinnen und Produzenten zu entwickeln. Auf dieser Grundlage können gemeinsame Strategien in einem globalen Kontext angedacht werden.» Die vorliegende Arbeit sei ein erster Schritt in diese Richtung. «Nun stehen die Entscheidungsträger in der Pflicht.»

Gefährdete Ernten: Bananenproduktion in der Dominikanischen Republik.
zvg

COP26: Finanzhilfen beschlossen

Vertreter von fast 200 Staaten trafen sich im November zur Weltklimakonferenz in Glasgow. Bei der «Conference of the Parties» (COP26) ging es um die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens, das die Staaten verpflichtet, konkrete Schritte zur Verminderung ihrer Treibhausgasemissionen zu unternehmen, um die weltweite Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.

An der Konferenz einigten sich die Staaten unter anderem auf Finanzhilfen für arme Länder, damit sich diese an die vielerorts fatalen Folgen der Klimakrise anpassen können. Konkret sollen diese Finanzhilfen bis 2025 auf rund 40 Milliarden US-Dollar verdoppelt werden.

Die Unterzeichnung des Klimapakts widerspiegle die Kompromissbereitschaft vieler Nationen, sagt Fromm. «Es scheint aber, dass die Delegierten mit dem Gefühl nach Hause gingen, dass die Vereinbarung nicht weit genug geht. Die von Indien in letzter Minute eingebrachte Änderung, den Kohleausstieg durch eine Reduzierung zu ersetzen, war überraschend. Indien ist ein Land, das enorme Investitionen in saubere Energie benötigt. Es ist auch ein Land, das stark vom Klimawandel betroffen ist, wie unser Bericht gezeigt hat.»

Dieser Beitrag ist Teil der Dezember-Ausgabe des Magazins infoHAFL.

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4 Responses

  1. Panik ist fehl am Platz.
    Themparaturschwankungen sind normal.
    Vor 50 Jahren sagten uns führende Wissenschaftler, wir gehen einer Eiszeit entgegen.

  2. Das hat ganz sicher nichts mit dem CO2-Ausstoss zu tun. Es ist einfach erschreckend, wie Hochschulabsolventen und vor allem deren Professoren so unwissend und ungebildet und unkritisch sind, dass die immer dem CO2 und den Treibhausgasen die Schuld am Klimawandel geben. Dabei zeigt das Studium des Klimas der Vergangenheit, dass es die langjährigen überlappenden Wetterzyklen sind, die das Klima bestimmen.

  3. Erstmal führen sinkende Erträge zu höheren Preisen. Das heißt, landwirtschaftliche Arbeit hat mehr Wert.
    Wenn die Autoren mit gleich tiefen Preisen ihre Modelle berechnen, kommt automatisch Armut dabei raus. Was offensichtlich das Ziel der Studie war.

  4. Ich habe selbst studiert und weiss, wie praxisfremd diese rein theoretischen Abhandlungen sind. Es geht sogar soweit, dass in einem konkreten Fall 9 Agronomen und Nahrungsmitteltechniker eine Studie über ein Detailhandelsunternehmen, das regionale Nahrungsmittel verkauft, machten und kein einziger der „Experten“ je auf einem Bauernhof gearbeitet hatte (Praktikum ausgeschlossen). Die so genannte Wissenschaft ist schon lange infiltriert und wird als Massstab allen angesehen.

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