Dienstag, 9. August 2022
24.06.2022 14:52
Österreich

Nutztierhaltung im Spannungsfeld

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Von: mgt

Die Nutztierhaltung (in Österreich) steht vor wesentlichen längerfristigen strategischen Herausforderungen. Themen sind die Tierwohl-Diskussion, Treibhausgasemissionen durch Wiederkäuer und die Nahrungskonkurrenz zwischen Mensch und Tier, befeuert durch den Ukraine Krieg. Bei der Arbeitstagung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich wurden diese Themen kürzlich von Kay-Uwe Götz vom bayrischen LfL-Institut für Tierzucht beleuchtet und anschliessend von Funktionären der Landwirtschaftskammer intensiv diskutiert.

Thema des Vortrags von Professor Götz waren die strategischen Herausforderungen für die Landwirtschaft und die Nutztierhaltung. Einleitend habe Landwirtschaftskammer-Präsident Franz Waldenberger betont, dass sich die Bäuerinnen und Bauern mit den Veränderungen, die in vielen Bereichen längerfristig anstehen, schon jetzt beschäftigen müssten, heisst es in einer Presse-Mitteilung.

«Die Nutztierhaltung wird oft negativ dargestellt, das ist für uns als Bauern herausfordernd. Wir müssen aber auf die grösseren Zusammenhänge achten und für zukünftige Entwicklungen die wissenschaftliche Begleitung suchen», so Waldenberger.

Ressourcen einsparen

Bis vor einigen Jahren haben sich, so Professor Götz, Landwirte wie Unternehmer verhalten. «Produktionsfortschritte wurden durch den Wettbewerb aufgefressen und Lebensmittel wurden relativ immer billiger. Das landwirtschaftliche Einkommen konnte nur durch betriebliches Wachstum gesteigert werden», erläuterte Götz. Dieser Ansatz wird mittlerweile von vielen Seiten in Frage gestellt, denn von einer ,guten‘ Nutztierhaltung verlangt die Gesellschaft heute mehr als nur die Einhaltung von Mindeststandards beim Tierschutz.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Nachfrage nach Lebensmitteln durch den Bevölkerungsanstieg bis 2050 massiv steigen wird. Es sei kaum vorstellbar, dass die benötigten Lebensmittel ohne Flächenmehrung produziert werden können. Landnutzungsänderungen mit massiven Folgen für die Biodiversität wären dadurch unvermeidlich.  «Wir brauchen sehr viel Fortschritt, um zehn Milliarden Menschen nachhaltig zu ernähren. Hauptziel der Fortschrittsbemühungen sollte die globale Einsparung von Ressourcen sein. Im Hinblick auf die Nutztiere müssen wir uns aber immer fragen, wie der Fortschritt vom Bürger wahrgenommen wird», so Götz.

Ein Dilemma

Wir würden bis 2050 zusätzlich die Fläche von Australien brauchen, um die zusätzlich benötigten Mengen von Fleisch und Milch erzeugen zu können. Dieses Dilemma können wir nur lösen, indem wir die Nutztierhaltung so umgestalten, dass keine Nahrungskonkurrenz mehr zum Menschen besteht. Der Konsum von tierischen Erzeugnissen wird weiter reduziert werden“, so Götz. Sein Schluss: Es braucht eine sogenannte „Nutztierwende“, das heisst, die Nutztierhaltung muss mittel- und längerfristig noch stärker kreislauforientiert, biodiversitätsfördernd, ohne Nahrungskonkurrenz zu Mensch und Tier und möglichst klimaneutral werden.

Mehr Platz für Fakten

In der Diskussion muss wieder mehr Platz für Fakten sein. Zu oft wird über einfache Erklärungen falsche Stimmung gemacht und ein negatives Image der Nutztierhaltung verursacht. «Insgesamt kommt es in Zukunft darauf an, aus der begrenzt verfügbaren, landwirtschaftlichen Nutzfläche mit möglichst geringer Umwelt- und Klimawirkung ein Optimum an Lebensmitteln zu erzeugen. Dieses Ziel wird nur unter der Einbindung von Wiederkäuern wie Rinder, Schafe und Ziegen zur Nutzung der in Österreich prägenden Grünlandflächen erreicht», sagte der Päsident Waldenberger.

«Das Grünland ist nur über die Milch- und Fleischproduktion für die menschliche Ernährung nutzbar und sowohl in Österreich als auch weltweit für die Ernährungssicherung absolut unverzichtbar. Gerade im Berggebiet gibt es zur Milch- und Fleischproduktion keine wirkliche Alternative, aber auch die Schweine- und Geflügelhaltung werden aufgrund der höheren Futter- und Klimaeffizienz weiter unverzichtbar bleiben. Zur mittel- und längerfristigen strategischen Ausrichtung unserer bäuerlichen Landwirtschaft werden wir weiterhin den intensiven Dialog mit der Wissenschaft und der Gesellschaft suchen, sowie dabei konsequent auf die wirtschaftliche Machbarkeit und die Mitverantwortung von Konsumentinnen und Konsumenten zur Umsetzung neuer Konzepte drängen», betont Präsident Waldenberger abschliessend.

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2 Responses

  1. Augen auf Leute, es ist eine Illusion, wenn wir glauben, ohne Einschränkungen gehe es nicht, besonders in der Kinderproduktion. Ich bin auch für mehr Biodiversität und mehr Naturschutz, aber wenn wir glauben, dass wir Menschen vernünftig werden und keine Urwälder usw. mehr abholzen, dann lügen wir uns an. Wachtum ist immer noch in aller Munde, koste es was es wolle und 15 % sind viel besser als nur 0,15%, was auch genügen würde. Also Augen auf und denRealitäten ins Auge schauen. Danke!

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