Mittwoch, 17. August 2022
30.11.2021 07:40
Indien

Umstrittene Agrarreform ausser Kraft

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Von: blu/sda

Nach rund einem Jahr anhaltender Bauernproteste hat das indische Parlament eine umstrittene Agrarreform ausser Kraft gesetzt. Die Abgeordneten beider Parlamentskammern stimmten am Montag in Neu Delhi für diese Aussetzung. Die Reform zur Marktöffnung sollte es unter anderem Unternehmen erleichtern, Produkte direkt von Bauern zu kaufen.

Bislang wird in Indien Getreide meist in staatlich organisierten Grossmärkten mit Mittelsmännern zu garantierten, aber nicht gesetzlich vorgeschriebenen Mindestpreisen gehandelt.

Die Regierung argumentierte stets, dass mehr Privatwirtschaft das Einkommen der Landbevölkerung steigern werde – die Landwirte befürchteten aber genau das Gegenteil. Für Premierminister Narendra Modi ist die Aussetzung der Reform eine herbe politische Niederlage.

700 Bauern sind gestorben

Mit der Reform hätten die Bauern ihre Ware ohne Mittelmänner auch direkt an Privatfirmen verkaufen können. Die Bauern befürchten einen Preisverfall, weil sie in Verhandlungen mit den Agrarkonzernen in einer schlechten Position wären. Das Thema ist politisch heikel, denn noch heute lebt mehr als die Hälfte der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Die meisten sind Kleinbauern ohne Erwerbsalternativen.

Deshalb protestierten tausende Bäuerinnen und Bauern rund ein Jahr lang gegen die Reform und zelteten dazu über Monate in der Hauptstadt Neu Delhi – viele davon weiterhin. Sie haben nun noch weitere Forderungen: Unter anderem setzen sie sich für einen gesetzlich gesicherten Mindestpreis für Getreide und Entschädigungen für Familien von rund 700 Bauern ein, die während des teils eskalierenden Protests gestorben sind.

Bauern unter Druck

Die Landwirtschaft trägt rund 15 Prozent zur indischen Wirtschaftsleistung bei und ist Lebensgrundlage für rund 58 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner des Landes. Viele Bauern stehen wirtschaftlich stark unter Druck und befürchten, im freien Wettbewerb ganz vom Markt gedrängt zu werden.

Dass vielen Bauern um ihre Existenz fürchten, hat auch mit der Betriebsgrösse zu tun. 2010/11 betrug die Durchschnittsfläche der 138 Mio. Betriebe im Land 1,16 ha. 85 % der Betriebe bewirtschaften weniger als 2 ha Land. Insgesamt entfallen auf diese Kategorie 45 % der Gesamtfläche.

Rund 10 Prozent der Gesamtfläche wird von 0,7% der Betriebe bewirtschaftet, die mit einer Fläche von über 10 ha als Grossbetriebe gelten. Das sind gemäss dem Bericht des deutschen Agrarministeriums fast 1 Mio. Betriebe. Die grössten 170’000 Landwirte bewirtschaften im Schnitt je 37 ha.

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