Mittwoch, 1. Dezember 2021
07.10.2021 14:24
Energie

Trotz China-Ausstieg: Kohlepreis auf Höhenflug

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: awp

China will keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland mehr bauen. Und auch Deutschland will sich vom Rohstoff 2038 verabschieden. Weltweit ist der Preis von Kohle unlängst aber stark angestiegen. An der hohen Nachfrage nach Kohle dürfte sich vorderhand dank der brummenden Weltwirtschaft kaum etwas ändern.

Mitte September machte der chinesische Staatschef Xi Jinping in einer Rede bei der UNO in New York das Versprechen: «China wird die Unterstützung anderer Entwicklungsländer bei der Entwicklung grüner und kohlenstoffarmer Energie verstärken und keine neuen Kohlekraftwerke im Ausland bauen».

Umweltpolitik verbessern

Das Reich der Mitte hat als Exporteur bisher Hunderte dieser Kraftwerke in anderen Ländern errichtet. Im eigenen Land baut China – trotz Kritik von Umweltschützern – aber weiterhin neue Kohle-Kraftwerke. Doch nun betonte Xi, wie wichtig es sei, die globale Umweltpolitik zu verbessern, aktiv auf den Klimawandel zu reagieren und eine Lebensgemeinschaft für Mensch und Natur zu schaffen.

Ähnlich klang es im deutschen Bundestagswahlkampf. Die Parteien überboten sich mit Forderungen nach einem raschen Ausstieg aus dem schmutzigen Rohstoff. Bereits jetzt ist klar: Spätestens 2038 soll im nördlichen Nachbarland das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet werden.

Preis geht durch die Decke

Doch trotz all dieser wohlklingenden Ankündigungen ist der Preis für den Rohstoff unlängst durch die Decke. Der asiatisch-pazifische Preis für Kohle ist innert Jahresfrist massiv in die Höhe geschossen. Aktuell (Stand Donnerstag) müssen pro Tonne 230 US-Dollar auf den Tisch gelegt werden. Noch vor drei Monaten lag der Preis nur bei knapp 110 US-Dollar, vor einem Jahr gar bloss bei circa 50 Dollar.

Laut Rohstoff-Analyst Gabor Vogel von der DZ-Bank ist der Grund für den starken Preisanstieg einfach: Das fossile Urgestein profitiert von einer starken Nachfrage, die von einem anziehenden Strombedarf im Zuge der weltwirtschaftlichen Erholung getragen wird.

Hier spielten die Chinesen eine zentrale Rolle. Denn allen politischen Schwüren zum Trotz: China verfeuert mehr Steinkohle als alle übrigen Staaten der Welt zusammen. Ähnlich sehe die Situation auch in Indien aus, wo ebenfalls eine hohe Nachfrage nach Kohle bestehe, heisst es bei den Experten der DZ Bank.

Angebot unter Druck

Doch nicht nur die Nachfrage nach Kohle ist wegen des Aufschwungs der Weltwirtschaft in den letzten Monaten gestiegen. Gleichzeitig hat sich das Angebot verknappt, heisst es weiter. Wegen starker Regenfälle in Indonesien im Frühling habe der wichtigste Lieferant Chinas die Produktion von Kohle nicht ausreichend erhöhen können.

Hinzu kommen politische Faktoren. Australien und China streiten sich um den Ursprung des Coronavirus. Deshalb bezieht China vorerst keine Kohle mehr aus dem wichtigen Kohleförderland Australien. In China selbst erschwerten stärkere sicherheits- und umweltpolitische Massnahmen den Abbau von Kohle weiter und verknappten den Markt zusätzlich. «China ist in einer Zwickmühle und offensichtlich bereit, den hohen Kohlepreis zu bezahlen», so das Fazit.

Auch übrige Energiepreise gestiegen

Fairerweise, so muss laut Experten angefügt werden, klettern die Preise auch an den übrigen Energiemärkten derzeit immer höher, wie Commerzbank-Expertin Barbara Lambrecht in einem Kommentar schreibt. Die Preise für Erdgas etwa sind am europäischen Grosshandelsmarkt unlängst explodiert. Letztmals waren die Preise 2018 so hoch wie aktuell.

Zur Situation am Kohlemarkt betont Lambrecht, dass die Kohleförderung eben auch in China selbst mit der starken heimischen Nachfrage nicht Schritt halte. Immerhin hätten im August die lokalen Fördermengen wieder etwas erhöht werden können.

Doch wie geht es mit dem Preis nun weiter? Kurzfristig gehen Experten davon aus, dass die aktuelle Knappheit zwar anhält. Doch könnte sich das Angebot immerhin etwas normalisieren, schreibt die DZ Bank. Der Kohlepreis dürfte dieses Jahr somit zwar hoch bleiben, aber nicht unbegrenzt weiter ansteigen, heisst es.

Mehr zum Thema
Politik & Wirtschaft

Floristinnen erhalten mehr Lohn. - emkanicepic Die 12’000 Mitarbeitenden der sogenannten Grünen Branche erhalten mehr Lohn. Die Arbeitgeber haben sich mit dem Verband der Gärtnerinnen und Floristen auf eine Erhöhung…

Politik & Wirtschaft

Barto will das Erfassen der Betriebs- und Produktionsdaten digitalisieren und Doppelspurigkeiten vermeiden. Barto nutzt die Smart-Farming-Plattform von 365FarmNet. - zvg Die Smart-Farming-Plattform hat eine Aktienkapitalerhöhung durchgeführt. Die Plattform soll damit…

Politik & Wirtschaft

lid 1905 war die Schweiz weitgehend ein Agrarland. Bei 243’710 Landwirtschaftsbetrieben und 3,5 Millionen Einwohnern ergab sich laut dem Schweizer Bauernverband ein Verhältnis von 15 Einwohnern pro Landwirtschaftsbetrieb.  2020 waren…

Politik & Wirtschaft

Joshua Willson Die Krankenkassenprämien können das Haushaltsbudget einer Familie ganz schön belasten. Doch es gibt einige Möglichkeiten, wie sich das Budget entlasten lässt, schreibt die Agrisano.  Eine höhere Franchise oder…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE