Montag, 27. September 2021
15.09.2020 09:58
Migration

Umweltbedingte Migration

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Von: sda/mge

Vom Klimawandel ausgelöste Umweltveränderungen können Migration verstärken. Zu diesem Schluss kommen Forscher in einer Analyse von 30 Länderstudien zu diesem Thema. Wie sie im Fachjournal «Nature Climate Change» berichten, hängt der Einfluss von Dürren, Stürmen oder Fluten auf Wanderungsbewegungen aber stark von der wirtschaftlichen und politischen Situation eines Landes ab.

Roman Hoffmann vom Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und dem Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung hat mit Kollegen in 30 verschiedenen Länderstudien das komplexe Zusammenspiel zwischen Umweltveränderungen, sozio-politischen Faktoren und Migration untersucht. In diesen Studien ging es nicht nur um den Einfluss von langfristigen Klimaveränderungen, sondern auch um Auswirkungen von Extremwetterereignissen wie schweren Stürmen.

In einem grossen Teil der analysierten Studien wurde ein Zusammenhang zwischen Umweltveränderungen und Migration bestätigt, teilten die Forscher in einer Ausendung mit. Trivial seien diese Wechselwirkungen allerdings nicht. Die umweltbedingte Migration hänge immer von einer Reihe wirtschaftlicher und soziopolitischer Faktoren ab, betonen die Forscher.

Flüchtlinge kehren oft zurück

So fanden sie deutliche Belege dafür, dass Umweltveränderungen überwiegend zu Migration innerhalb der betroffenen Länder führen, oder zu Wanderungsbewegungen in andere Staaten mit niedrigem und mittlerem Einkommen – und nicht zu grenzüberschreitender Migration in Länder mit hohem Einkommen. Betroffene Bevölkerungsgruppen würden oft an Orte innerhalb ihrer eigenen Region übersiedeln und nach relativ kurzer Zeit wieder an den Herkunftsort zurückkehren.

Besonders deutlich zeigte sich der Zusammenhang zwischen Umwelteinflüssen und Migration in Studien, die sich auf Länder mit mittlerem Wohlstandsniveau konzentrierten. «Wenn wenig Wohlstand vorhanden ist, fehlen oft die Ressourcen, die für Migration, insbesondere über Ländergrenzen hinweg, notwendig sind», erklärte Hoffmann. Stärker sind die Auswirkungen von Umweltveränderungen auch in Ländern, in denen ein grösserer Anteil der Bevölkerung von der Landwirtschaft und damit von der Umwelt abhängig ist«, so Hoffmann.

Nicht überall können sich Menschen vor Umweltveränderungen schützen

Dagegen hätten in Ländern mit einem höheren durchschnittlichen Wohlstandsniveau die Menschen oft bessere Möglichkeiten, sich vor Umweltveränderungen zu schützen. Aber selbst dort kann es zur Umweltmigration kommen, wie sich am Beispiel der USA zeigt, wo nach dem Hurrikan Katrina 2005 viele Menschen aus den betroffenen Gebieten weggezogen sind.

Als für den Klimawandel besonders anfällige Regionen, in denen die Umweltmigration künftig besonders stark ausgeprägt sein könnte, identifizierten die Wissenschaftler Lateinamerika und die Karibik, mehrere afrikanische Länder südlich der Sahara, insbesondere in der Sahelzone und in Ostafrika, sowie West-, Süd- und Südostasien. Dort sei die Bevölkerung »besonders gefährdet«, so Ko-Autorin Anna Dimitrova vom ÖAW-Institut für Demographie.

Steigende umweltbedingte Migration

Temperaturänderungen haben den stärksten Einfluss auf die Migration, aber auch rasch einsetzende Naturkatastrophen und sich verändernde Niederschlagsmengen spielen eine Rolle.

Angesichts steigender globaler Durchschnittstemperaturen gehen die Forscher von einer in Zukunft steigenden umweltbedingten Migration aus. Als besten Weg, die Menschen in den von Umweltveränderungen betroffenen Regionen zu schützen nennt Co-Autor Jesus Crespo Cuaresma von der Wirtschaftsuniversität (WU) Wien »die Stabilisierung des Weltklimas, also die rasche Reduktion des Ausstosses von Treibhausgasen aus der Verbrennung fossiler Energieträger«.

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