Freitag, 7. Oktober 2022
14.09.2022 12:19
Sri Lanka 

Warum diese Bauern ums Überleben kämpfen

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: sda

Shadagopalan Chandrasekaran blickt besorgt über sein Reisfeld. Sein Acker ist seit jeher die Lebensgrundlage des Bauern aus Sri Lankas nördlichem Bezirk Kilinochchi, daran konnten bislang auch wiederholte politische und wirtschaftliche Turbulenzen in seinem Land nichts ändern. 

Doch als der Staat im vergangenen Jahr aus Mangel an Devisen die Einfuhr von chemischen Düngemitteln verbot, erlitt der 60-Jährige – so wie unzählige andere Bauern des Landes – verheerende Ernteausfälle: «Unser Reisertrag ist um mehr als 40 Prozent gesunken».

Verbot aufgehoben

Zwar wurde inzwischen das Kunstdüngerverbot aufgehoben. Doch die Lage der Bauern und damit die Versorgung der Bevölkerung des Inselstaats mit Lebensmitteln ist gefährdet, Experten schlagen Alarm. «Unsere Krise ist noch nicht zu Ende», beklagt Bauer Chandrasekaran.

Der hochverschuldete Inselstaat mit seinen etwa 22 Millionen Einwohnern erlebt die schwerste Wirtschaftskrise seit der Unabhängigkeit 1948. Fast 6,3 Millionen Menschen – oder drei von zehn Haushalten – seien von Ernährungsunsicherheit bedroht und benötigten Hilfe, warnte das Welternährungsprogramm (WFP) kürzlich. Die Lage sei so ernst, dass mehr als die Hälfte der betroffenen Familien inzwischen weniger essen oder auch weniger nahrhafte Lebensmittel zu sich nehmen beziehungsweise sogar Mahlzeiten ganz auslassen, hiess es.

Bauern sollten Bio-Dünger einsetzen

Die finanziellen Probleme für das stark importabhängige Land südlich von Indien begannen schon vor der Corona-Pandemie unter anderem infolge schuldenfinanzierter Infrastrukturprojekte und Steuersenkungen, die dem Staat dringend benötigte Einnahmen entzogen. Dann traf die Pandemie die Tourismusbranche und damit eine wichtige Devisenquelle.

Um den Devisenmangel einzudämmen, verbot die Regierung die Einfuhr von Kunstdünger. Bauern sollten Bio-Dünger verwenden. Als Folge der dadurch eingebrochenen Ernten war Sri Lanka, das sich mit Reis bis dahin weitgehend selbst versorgen konnte, gezwungen, das wichtigste Grundnahrungsmittel zu importieren – was den Devisenmangel nur noch verschärfte. Die Regierung hob das Importverbot im November zwar auf. Doch der angerichtete Schaden gefährdet die Lebensmittelproduktion.

Die Einfuhr von Kunstdünger war während Monaten untersagt.
Olivier Ruprecht

Bauern haben aufgehört

Der neue Präsident Ranil Wickremesinghe ist um die Versorgung der Bevölkerung besorgt. Er war kürzlich vom Parlament ins Amt gehoben worden, nachdem sein Vorgänger Gotabaya Rajapaksa nach monatelangen Massenprotesten zeitweise ins Ausland geflohen war. In diesem Monat beginnt die neue Aussaat, doch für manche Bauern ist es zu spät. «Uns wurde versichert, dass wir ausreichend Dünger erhalten, aber einige Bauern haben sich aus der Landwirtschaft inzwischen zurückgezogen, da die Produktionskosten steigen», beschreibt Chandrasekaran die Lage.

Nicht nur Reisbauern, sondern auch die Gemüsebauern seien betroffen. «Die Gemüsepreise sind in den vergangenen Monaten in die Höhe geschossen, da viele unserer Landwirte von der Düngemittelkrise betroffen waren und sie gezwungen waren, den Anbau in der letzten Saison aufzugeben. Viele haben sich für andere Jobs entschieden», schildert der 48-jährige Bauer Sarath Nandasiri aus Welimada.

Wegen fehlendem Treibstoff ist die Ernte erschwert.
Unsplash

Kein Treibstoff

Hinzu kommt der Treibstoffmangel. Viele Bauern hätten die wegen der Düngerkrise ohnehin schon beeinträchtigte Ernte nicht einfahren können, weil ihnen Treibstoff für die Erntemaschinen fehlte, erklärt T. B. Sarath vom Bauernverband. «Wir erwarten von der Regierung, dass sie Dünger und Kraftstoff zum Pflügen der Felder und zur Vorbereitung auf die nächste Saison bereitstellt», die in diesen Wochen beginne.

«Wir sind zutiefst besorgt über die Auswirkungen der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Krise auf die Menschen in Sri Lanka», wurde der Botschafter Norwegens kürzlich zitiert. Sein Land hat dem Welternährungsprogramm umgerechnet etwa 500’000 Dollar zur Verfügung gestellt, um die Krise zu lindern. Die Nahrungsmittelknappheit und die steigenden Preise wirkten sich vor allem negativ auf Kinder und Frauen in dem Inselstaat aus, hiess es.

Mehr zum Thema
Politik & Wirtschaft

Der Agraringenieur arbeitet als Steuerchefexperte Landwirtschaft in der Berner Steuerverwaltung.  - Daniel Salzmann Werner Salzmann will Bundesrat werden. Der 59-jährige Berner Ständerat hat seine Kandidatur am Freitagmorgen auf Nau.ch bekannt…

Politik & Wirtschaft

Heizkosten: Heizen mit Gas wird teurer. Dabei gibt es regionale Unterschiede, denn der Gasmarkt ist in der Schweiz  gesetzlich kaum geregelt. Pixapay Wer eine Gasheizung im Keller hat, muss seit Ausbruch…

Politik & Wirtschaft

Christoph Blocher würde am liebsten Toni Brunner im Bundesrat sehen. - Daniel Salzmann Der Kanton Zürich muss nach Ansicht von alt Bundesrat Christoph Blocher nicht unbedingt in der Landesregierung vertreten…

Politik & Wirtschaft

Bundesrat Ueli Maurer tritt Ende Jahr zurück. - Robert Alder Das Kandidatenkarussell für die Nachfolge von SVP-Bundesrat Ueli Maurer dreht sich seit dessen Rücktrittsankündigung am Freitag. Es kursieren in der…

2 Responses

  1. „Die Zahlen sind schockierend. Ein Drittel der Ackerflächen Sri Lankas lag 2021 aufgrund des Düngemittelverbots brach. Über 90 % der Bauern Sri Lankas hatten Düngemittel verwendet, bevor sie verboten wurden. Nachdem sie verboten wurden, betrugen die Ernteeinbußen erstaunliche 85 %.“

  2. In linken Onlineportalen liest man öfters Kommentare, man könne ohne Dünger und Pflanzenschutz mehr produzieren. Gerne wird auf Permakultur verwiesen. Vergessen wird dabei, dass dort ausschließlich von Hand gearbeitet wird. Die Vorzeigebetriebe leben aber nicht von Produkteverkauf, sondern von Kursbesuchern und Betriebsführungen.
    In Sri Lanka hat eine kranke Ideologie, befeuert von UNO Gremien, zu einer Katastrophe geführt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE