Donnerstag, 4. März 2021
21.01.2021 06:01
Milchmarkt

«Keine Milchimporte für Billigkäse»

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Von: blu

Die Käserei Imlig hat ein Gesuch für den Import von drei Millionen Kilo Milch eingereicht. Das kommt bei den Produzenten nicht gut an. Nach den Schweizer Milchproduzenten lehnt auch die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost das Gesuch klar ab.

Die Milcheinlieferungen in der Schweiz lagen in den vergangenen Monaten in der Höhe der Vorjahres. Die Preise sind in dieser Zeit leicht gestiegen. Die Zentralschweizer Milchproduzenten beispielsweise haben den Basispreis per 1. Januar 2021 um 1,5 Rappen auf 57 Rappen pro Kilo Milch erhöht. Das ist der höchste Wert seit sechs Jahren.

Für Halbhartkäse

Einige Verarbeiter suchen deshalb nach alternativen Beschaffungswegen. So auch die Käserei Imlig aus Oberriet SG. Neu ist, dass Frischmilch für die Herstellung von Halbhartkäse für den deutschen Markt importiert werden soll. Bei der Eidgenössischen Zollverwaltung wurde im Dezember ein Gesuch für die Einfuhr von drei Millionen Kilo Milch im aktiven Veredlungsverkehr eingereicht.

Dieses Gesuch gab in der Milchbranche viel Gesprächsstoff. Produzentenorganisationen sind massiv verärgert. «Eine Zulassung würde eine Aufweichung des Grenzschutzes für den Milchmarkt bedeuten», sagte Reto Burkhardt, Sprecher bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP), gegenüber «Schweizer Bauer». Obschon der Halbhartkäse nicht das Schweizer Kreuz wird tragen dürfen, werde dieser Swissness-Produkte konkurrenzieren. 

Wenn auch für die Käseproduktion der Veredelungsverkehr erlaubt wird, untergrabe das die aktuellen Bemühungen der gesamten Branche, mehr Wertschöpfung zu generieren, so Burkhardt weiter.

Käse ist wichtigstes Produkt

Auch die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost (VMMO), die die Interessen der Ostschweizer Milchproduzenten vertritt, ist über das Gesuch irritiert und verärgert. «Käse ist das wichtigste Produkt der Schweizer Milchwirtschaft. 2019 sind 44,5% der Milch zu Käse verarbeitet worden, 39% der Schweizer Käseproduktion wurde exportiert», heisst es in einer Mitteilung.

Gemäss VMMO will Imlig mit dieser Frischmilch Halbhartkäse für deutsche Discounter produzieren. «Es ist inakzeptabel, wenn nun eine Schweizer Käserei durch die Verarbeitung von Importmilch unsere Käseexporte direkt konkurrenziert», kritisiert die Genossenschaft.

Die Milchproduktion liegt in etwa auf der Höhe von 2019.
TSM

Kein Milchmangel

Es sei widersprüchlich, dass Schweizer Käse einerseits auch dank durch den Bund Co-finanzierte Massnahmen im Ausland als hochwertiges Produkt etablieren konnte und nun andererseits eine andere Bundesbehörde dem Import von drei Millionen Kilo Milch zustimmen soll. Für die VMMO sind Milchimporte ein absolutes «No-Go». Die Forderung ist klar: «Keine Milchimporte für Billigkäse.»

SMP und VMMO weisen zudem darauf hin, dass in der Schweiz kein Milchmangel herrsche. Es sei eine Frage des Preises. «Die Motivation des Importgesuchs ist rein wirtschaftlich und zielt nur darauf ab, mit möglichst günstiger Milch in der Schweiz Käse zu produzieren», stellt VMMO klar. Solches Verhalten soll nicht belohnt werden.

Obwohl die Milchpreise in den vergangenen Monaten moderat um 2 Rp./kg gestiegen, reiche dies nicht aus, um die Produktionskosten zu decken. «Sollte das Importgesuch durch die Eidgenössische Zollverwaltung bewilligt werden, schafft die Behörde ein Präjudiz, das weiteren Importen Tür und Tor öffnet», heisst es in der Mitteilung. Die VMMO und die SMP sprechen sich daher vehement gegen Milchimporte aus.

Aktiver und passiver Veredelungsverkehr

Beim aktiven Veredelungsverkehr wird ein Rohstoff, zum Beispiel Milch, Butter, Milchpulver, importiert und beispielsweise zu Backwaren weiterverarbeitet, um ihn wieder in verarbeiteter Form zu exportieren. Ein Hauptziel des aktiven Veredelungsverkehrs ist es, die Auslastung inländischer Produktionsstätten sicherzustellen, ohne sie dabei mit Zöllen oder Verbrauchssteuern zu belasten, wenn das finale Produkt ohnehin für ausländische Märkte vorgesehen ist. Dieser Verkehr ist bewilligungspflichtig. Es gilt das Informationsverfahren. Das heisst, dass die betroffenen Organisationen lediglich informiert werden und nicht in jedem Fall Stellung beziehen können. Beim passiven Veredelungsverkehr wird ein Rohstoff exportiert, verarbeitet und wieder importiert. hal


32 Responses

  1. Ich verstehe den Frust der Bauern über dieses Gesuch. Es geht um die Frage, wie stark dieses Gesuch den Schweizer Milchmarkt beeinflusst. Diese Frage ist schwierig zu beantworten.
    Den Schwarzen Peter aber dem Käser zuzuschieben, greift einfach zu kurz. Rund 15% der Schweizer Milch hat eine ausländische Futterbasis hat. Das ist im Grunde auch Milchimport einfach auch Stufe Milchproduktion. Bitte diskutiert diesen Umstand einmal unter Milchproduzenten wie sich das mit Swissness, etc. verträgt.

    1. 1. DAS GESUCH WIRD VIELE NACHAMER FINDEN somit hat es grosse Auswirkungen.
      2.Wenn diese 15 % Milch wegen Futterimport auch weniger wären, hätte es sicher viel zu wenig Milch. Dann müssen aber die Grenzen zu und wir hätten 2 Fr. Milchpreis! Das wäre mir auch Recht!

      1. Beim Käser Imlig geht es nur um kurzfristige Gewinnmaximierung.
        Da er auch sonst noch Käse exportiert, bekommt lmlig und auch alle exportierenden Käser, ein Preisdruck beim exportierten Käse.
        Sie werden dann jammern und den Milchproduzenten den Milchpreis kürzen.

    2. Da die Milchleistung pro kuh durch züchtung höher ist als vor 50 jahren ist Ihnen sicher bewusst?! Ein teil der 15% ist bestimmt Kraftfutter das wir in der Schweiz zu wenig haben! Im vergleich zum Huhn oder Schwein ist der import beim Rindvieh sehr gering. Das Rindvieh passt sehr gut in das Grasland Schweiz. Was ist mit pferdeheuimport? Wir können in der Schweiz auch gar nichts mehr Produzieren denn gegen das Ausland sind wir immer zu teuer, auch Sie!

    3. Das Problem ist doch folgendes: Wenn die Käserei jetzt Käse produziert und ihn ins Ausland verkauft ist das gut. Das Problem kommt erst: wenn Milch importiert wird und dann der Käse wieder exportiert, dann verliert der schweizer Milchproduzent Marktanteile. Denn wenn vorher schweizer Milch in den Export ging, dann sind diese x-Kilo Milch verloren. Und auch sonst, wenn man mehr exportieren kann, dann bitte mit schweizer Milch!!! Ansonsten kann das auch das Ausland selbst verarbeiten.

    4. Würden die Schweizerbauern nicht vom Staat gezwungen einen Teil ihres Landes ( meist auch gutes Ackerland ) zu Ökowiesen zu machen,bräuchte es kein Ausländisches Kraftfutter bitte die an die Adresse Bundeshaus mit dieser Kritik

    5. Das ist eine bedenkliche Antwort, und das von einem Schweineproduzenten. Wichtig ist doch dass die Wertschöpfung hauptsächlich in der Schweiz stattfindet. Zudem ist die Schweizer Produktion unter unseren seriösen Bedingungen viel besser kontrollierbar. Der finanzielle Anteil des Importfutters ist am Endprodukt gemessen sehr klein. Es scheint, dass gewisse Bauern und Käser schon den Abstimmungsargumenten der Linken glauben.

      1. Es gibt noch immer B & C Milch auf den Milchgeldabrechnungen der Bauern. Solange dies so ist soll erstmal sicher keine Milch importiert werden.

    6. Sehr interessant, das Käser, die oft Schweinemast machen, mit ausländischer Futterbasis argumentieren.
      Wären sie Herr Aschwanden mit deutschen Schweinepreisen zufrieden?

  2. Haben wir einen Schweizer Milchmarkt oder nicht. Marktpreis entsteht durch Angebot und Nachfrage. Aber nicht ein Weltweites Angebot! Die sollen Schweizermilch kaufen und faore Preise bezahlen dann haben sie genug Milch.

  3. Die Fromarte sägt mit der Haltung vom hoffentlich „unechten“ Hans Aschwanden am eigenen Ast. Man muss schlechte Geschäfte auch mal der Konkurrenz gönnen !

  4. Ja interessant…alle sprechen von Swissness und co…bin ich froh arbeite ich in einer Käserei welche in der Produktion und Heisswasserbereitung 100% auf Erdöl (wächst ja nicht in der CH)verzichtet….Holzheizung und Solarstrom… ich finde nur solche Käsereien sollten von Swissness sprechen…alles andere ist Wasser predigen und wein trinken!

  5. Sie sollten sich die Frage stellen, ob Sie bei der Käseherstellung nur Wertschöpfung erlauben wollen, wenn auch die Bauern etwas davon haben. Das ist doch nicht in Ordnung. Wenn es einen Markt für günstigen Käse in Deutschland gibt, ohne Schweizerkreuz drauf notabene, dann soll doch der Schweizer Käser auch liefern dürfen? Die Milchproduzenten nehmen die Verarbeiter in Sippenhaft.

  6. Bauern wollen den billigsten arbeiter der Welt beschäftigen und die teuersten Produkte der Welt anbieten. Ich verstehe also diese ganze Diskussion gar nicht

      1. Mit Billigmilch – C Milch – Emmentaler produzieren / 25 stück pro Tag ! Das geschieht jeden Tag in Laubbach Hauptwil .
        Das ist scheinbar die Lösung von MOOH weil sie die Käserei an sich gerissen hatten.

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