Sonntag, 1. August 2021
12.01.2021 16:00
Parteien

Klimaplan Grüne: Weniger Fleisch, Steuer auf Kraftfutter

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Von: blu/sda

Die Schweiz soll bis 2030 klimaneutral und ab 2040 klimapositiv sein. Erreichen wollen die Grünen dies mit einem Verbot von fossil betriebenen Fahrzeugen und neuen Erdölheizungen ab 2025. Auch bei der Landwirtschaft sieht die Partei grosse Veränderungen vor.

Dies geht aus dem konkretisierten Plan der Grünen Partei Schweiz (GPS) für eine klimapositive Schweiz hervor. Die Partei hat die «Schärfung» des im letzten Sommer erstmals präsentierten Plans am Dienstag an einer virtuellen Medienkonferenz dargelegt. Demnach soll die Schweiz ab 2040 im In- und Ausland netto zur Reduktion der Emissionen in die Atmosphäre beitragen.

Ab 2040 klimapositiv

Um ab 2040 klimapositiv zu sein, müssen die CO2-Emissionen gemäss den Plänen der Grünen bereits bis 2030 auf Netto Null sinken und die Schweiz damit klimaneutral sein. Ab diesem Zeitpunkt soll auch der Entzug von CO2 aus der Atmosphäre beginnen.

Zur Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten, eine natürliche und eine technische. Die natürliche liegt im Aufforsten und im Erhalt von Wäldern sowie Mooren. Die technische besteht aus der Abspaltung des CO2 und der Lagerung des Schadstoffs. 

Gegenmodell zu Überflussgesellschaft

Parteipräsident Balthasar Glättli sprach sich in der «NZZ am Sonntag» für eine grüne Wertedebatte aus. Er will das grüne Verhältnis zu Verboten entspannen. Als Beispiel nannte er das Verbot von neuen fossilen Autos ab dem Jahr 2025. Dieses Verbot sei liberaler als verkehrspolitische Lenkungsabgaben.

«Wir dürfen keine Angst davor haben, das zu sagen, was mich und viele andere zu den Grünen brachte: dass es ein Gegenmodell zu unserer Überflussgesellschaft braucht», sagte Glättli zur Zeitung. Genügsamkeit könne entscheidend zur Reduktion der Klimabelastung beitragen, schreiben die Grünen in ihrem Klimaplan.

Grüne wollen «Wenigerpartei» werden

Die Partei will gemäss NZZ eine «Wenigerpartei» werden und neue Wählerinnen und Wähler erschliessen. Auf der links-konservativen Seite sieht er weiteres Potenzial: bodennah, globalisierungskritisch sowie Bewahrer der Schöpfung. Damit wollen sich die Grünen gegenüber der SP und den Grünliberalen abgrenzen.

Der Klimaplan der Grünen enthält auch mehrere Massnahmen im Bereich Landwirtschaft vor. Der Fokus soll mehr auf die pflanzliche Produktion gelegt werden. Zudem soll der Einsatz von importierten Kraftfutter, Saatgut und Dünger reduziert werden. Auch bei Importen schlagen die Grünen Abgaben vor. Zudem will die Partei den Konsum lenken.

Geht es nach den Grünen, produzieren die Schweizer Bauern künftig mehr Hülsenfrüchte.
zvg

Klimaplan für die Landwirtschaft

Der Plan sieht für die Schweizer Landwirtschaft folgende Massnahmen vor:

  • Abschaffung Steuerbefreiungen (Treibstoffe) und Emissionsgrenzwerte im Landwirtschaftsbereich
  • Klimaabgabe auf importierte Dünger, Kraftfutter und Saatgut
  • Reduktion des Fleischkonsums und Förderung von natürlichen Fleischersatzprodukten
  • Erhaltung und Wiederherstellung des Bodens
  • Anpassung von Wäldern und landwirtschaftlichen Böden
  • Reduzierter Konsum von stark verarbeiteten Lebensmitteln
  • Reduktion des Fleischkonsums und Förderung von natürlichen Fleischersatzprodukten

Bei importierten Lebensmitteln wollen die Grünen auch Massnahmen einführen:

– Klimaabgabe auf importierte CO2-intensive Produkte (Fleisch aus Feed Lots)

– Ökologische Mindeststandards bei importierten Produkten

Nur sichere Systeme für CO2-Entnahme

Erstmals berücksichtigt das Klimapapier der Grünen deshalb explizit auch technische Senken zur Reduktion der CO2-Emissionen. Es müssten aber sichere und ökologisch unbedenkliche Senk-Systeme sein.Weil das beste CO2 jenes sei, das der Atmosphäre nicht entnommen werden muss, setzen die Grünen auf mehr Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Neu enthält das Arbeitspapier eine Pflicht für Solaranlagen auf neuen und bestehenden Bauten.

Neu enthält das Arbeitspapier eine Pflicht für Solaranlagen auf neuen und bestehenden Bauten.
zvg

Weitere bereits bekannte im Klimaplan enthaltende Forderungen und Instrumente sind eine schnelle energetische Sanierung von Gebäuden, höhere Einspeisevergütungen für erneuerbare Energien über eine Klimabank mit Nullzins und Staatsgarantie, die Einführung von Mobility Pricing oder die Verteuerung der Autobahnvignette.

Bundesrat ist 15 Jahre zu spät

Der Klimaplan 2050 des Bundesrates sei im Vergleich mit dem Vorschlag der Grünen etwa 15 Jahre zu spät, sagte der Zürcher Nationalrat Bastien Girod. Auch die Uno hat 2050 als Datum zum Erreichen der Klimaneutralität festgelegt.

Die Verspätung habe vor allem mit dem «Fehlen eines grundlegenden Wandels in Gesellschaft und Wirtschaft zu tun». Dieses Element sei jedoch im grünen Klimaplan zwingend.

Die volle Wirkung könne der Plan nur entfalten, wenn der Konsum und der Finanzplatz nachhaltiger und verantwortungsvoller werden. Basis für diese gesellschaftliche Transformation müsse eine «selbstbestimmte Genügsamkeit und Lebensqualität» sein, schreibt die Partei im Klimaplan. Dazu gehören laut Girod etwa auch funktionierende Quartiere, in denen wieder «mehr Beziehungen und weniger der Konsum» gepflegt werde.

«Vergleichsweise günstig»

Mit 15 Milliarden Franken bis 2030 seien die Investitionskosten für den Umbau zwar hoch, räumte er ein. Allerdings sei der Klimaschutz verglichen mit den Aufwänden für die Bewältigung der Covid-Krise oder für die Armee «vergleichsweise günstig».

Dem Wirtschaftskomitee, das gleichentags das Referendum gegen das CO2-Gesetz eingereicht hat, warf Parteipräsident Balthasar Glättli eine Verweigerungshaltung vor. Das CO2-Gesetz sei ein erster Schritt in die richtige Richtung. Es brauche aber viel mehr. Leider bemühten die Gegner immer noch das «Märchen der Freiwilligkeit», mit welcher den Folgen des Klimawandels am besten zu begegnen sei.

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19 Responses

  1. Klar können die grünen Lehrergehälterbezüger und die GrünSchickeriaArchitektenToskana“Vordenker“ den Verzicht propagieren – von dieser Höhe herab kann man gut verzichten. Da wird dann schickimicki der Januar zum veganen Monat deklariert, wo andere wegen der Krankenkassenkosten im Januar echt ein Loch haben und deswegen viel „veganer“ Leben. Und warum wollen dann die Grünen in die EU? In dieser EU blutet die Landwirtschaft aus! SchizoGlättli soll denken lernen – oder ist nur seine Masche?

  2. Der Menschheit ist das Vorstellungsvermögen verloren gegangen darum kommen solche Forderungen die nicht realisiert werden können. Soll doch mal erklärt werden wie das Co2 gemessen oder gewogen wird. Da niemand nachmessen oder nachgewogen werden kann ist es einfach so etwas hinauszuschreien. Soll doch mal jeder denken wie alt er im Jahr 2040 sei und ob es überhaupt möglich ist noch zu leben.
    Das gegen die Klimaveränderung etwas unternommen wird ist richtig aber es sollte realisierbar sein.

  3. Der Plan sieht für die Schweizer Landwirtschaft ist keine 5 Rp. Wert.

    – Ökologische Mindeststandards bei importierten Produkten sind gut.

    1. Essollterichtig heissen:
      Der Plan für die Schweizer Landwirtschaft ist keine 5 Rp. Wert.

      – Ökologische Mindeststandards bei importierten Produkten sind gut.

  4. Wie siehts den bitte mit dem Flugverkehr und den Kreuzfahrtschiffen aus ? Die sind ja so Klimafreundlich…………
    Naja, ich gehe davon aus dass die Mitglieder der Grünen diese Verkehrsobjekte nicht benützen.
    Am einfachsten gehts natürlich nach diesem Motto: Zuerst müssen die „kleinen “ spuren.

  5. Man muss wirklich noch grün sein hinter den Ohren, wenn man Freude hat an den Zwängen und Vorschriften von Glättli. Möglich, wenn man sich vegetarisch ernährt, dass man das dann nicht mehr merkt. Mündige Bürger werden sich nicht so viele Vorschriften machen lassen wollen. Der Sinkflug der grünen Partei ist angezählt.

  6. Schön… zum Glück habe ich so in 5 Jahren die Möglichkeit aus zusteigen und vielleicht sogar die Schweiz zu verlassen… Hoffe mal das bis dann das „3te Reich“ noch nicht eigeführt ist… Was hat Herr Glättli mal von sich gegeben…. Wir müssen das Klima retten, sowie müssen wir die Babys fördern!? Wie soll das Grün sein? Jeder weiss das der Mensch der grösste Umweltsünder ist! Nicht wahr Herr Glättli, vielleicht wollten sie ja nur von beiden Seiten gewählt werden?

  7. Liebe Landwirte
    Anstatt alles zu kritisieren was zur Entwicklung der Landwirtschaft (aber auch der anderen Sektoren und Branchen) beiträgt, wäre es schön, wenn von eurer Seite auch einmal ein konkreter und zukunftsfähiger Vorschlag käme. Bis heute ist das der Landwirtschaft leider nicht gelungen, es wird nur das Engagement von anderen kritisiert. Lieber Mitgestalten als nur Abwehren, das würde übrigens auch zu einer positiveren Wahrnehmung der Landwirtschaft beitragen.

    1. @Konsument: Ich rate dir als dein Engagement: Arbeit mal 5 Jahre (oder auch nur 1 Jahr) in der Landwirtschaft und dann kommentiere wieder.
      Lügen („CO2 ist klimaschädlich“) muss man verwerfen. Darauf einzugehen und sein Leben und die Politik eines Landes auf einer Lüge aufzubauen, ist eine Dummheit.

    2. lieber Konsument,
      ich kann deine kranken Gedankengänge nicht heilen, aber ich kann dich füttern. Dies will ich auch tun, wenn es sein muss auch biologisch. ABER, ich will dafür einen anständigen Lohn der mir ermöglicht 10/12 Tage Ferien zu machen und auch in eine anständige Altersvorsoge zu investieren.

    3. @Konsument
      Irgendwie komisch, dass die Tiere weiter fressen und die sogenannt „Klimaschädlichen Gase“ weiter sinken. Bitte Hirn einschalten, es ist einfach unser Lebensstandart und Freihandel, wo man zu jeder Zeit alles und in perfekten Normen haben muss.

  8. Nicht erschrecken, Ein Parteiprogramm ist immer utopisch. Wenn dann 10-20 % der Ziele erreicht werden sind sie auch ein Stückchen weiter. Wie bei uns, wir gehen für die Weiterentwicklung unserer Betriebe nicht einen Schritt zurück, sondern lieber 2 vorwärts. Wichtig ist Gesellschaftliche Entwicklungen anhand solcher Beiträge voraus zu deuten, Bedürfnisse zu checken und den Betrieb entsprechend aufzustellen. Ind den letzten 20 Jahren bin ich damit ausgezeichnet gefahren.

    1. Da hast du aber recht! Mir gings genau gleich; in den letzten 25 Jahren nur aufwärts. Habe nie für ein Programm oder Markt viel Geld investieren müssen, aber im Kopf habe ich viel investiert und versucht vorauszusehen. Und für die nächste Zukunft habe ich keine Angst, höchstens die Umsetzung mit dem vielen Papierkram.

  9. Ich wünsche mir, dass die Kinder von Grünen Politiker/innen, falls vorhanden (in diesen Kreisen wird gerne auf Nachwuchs wegen Karriereknick verzichtet), Landwirt/in lernen und davon leben müssen.
    Meinen Kindern habe ich das Bauern ausgeredet und fühle mich nach jedem grünen Erguss erneut bestätigt.
    Herr Glättli, hätte ihr Nachwuchs Interesse?

  10. Noch nie gehört von klimafreundlicher Landwirtschaft, regenerativer Landwirtschaft? Landwirte, Landwirtinnen sollten sich selbst Ziele setzen, wann und wie sie klimaneutral wirtschaften wollen. Milch, Wolle und Fleisch sind im Wesentlichen dann klimaneutral, wenn Wiederkäuer Weidegras fressen. Der Kohlenstoff darin kommt dann aus der Atmosphäre. Weidemanagement spielt dabei eine Rolle. Politik sollte ermöglichen, nicht vorschreiben.

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