Freitag, 30. September 2022
09.08.2022 09:10
EU

Landwirte leiden unter Hitze und Dürre

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Von: AgE

In der Europäischen Union leiden insbesondere die mediterranen Mitgliedstaaten derzeit unter Hitze und Dürre. In Frankreich hat Premierministerin Élisabeth Borne vor dem Hintergrund der anhaltenden Trockenheit und hohen Temperaturen einen interministeriellen Krisenstab eingesetzt.

Wie die Regierung am vergangenen Frei in Paris mitteilte, soll das Gremium die landesweiten Maßnahmen koordinieren, unter anderem um die Trinkwasserversorgung abzusichern. Besonderes Augenmerk soll auch der Überwachung der Auswirkungen des Wassermangels auf die Energieerzeugung, den Transportsektor sowie die Landwirtschaft gelten.

Die Präfekten sind aufgefordert, in allen Gebieten mit Wassermangel die zuständigen Gremien einzuberufen, um sich hinsichtlich der Priorisierung der Entnahmen abzustimmen. An die Bevölkerung appellierte die Regierung, die vorhandenen Wasserressourcen mit Bedacht zu nutzen.

Auflagen und Kontrollen zur Wassernutzung

Man werde weiterhin notwendige Auflagen erlassen, um vorrangige Verwendungszwecke wie die Trinkwasserversorgung zu gewährleisten. Laut der Regierung ist mittlerweile ganz Frankreich von der anhaltenden Dürre betroffen. Es handele sich um die schlimmste je dagewesene Trockenperiode, deren Auswirkungen durch eine Abfolge von Hitzewellen verschärft würden.

Das Umweltministerium und die Biodiversitätsbehörde (OFB) haben die Überwachung der Wassernutzung ausgeweitet. Allein in der vorvergangenen Woche wurden mehr als 2’000 Kontrollen der örtlichen Vorgaben durchgeführt. Verstösse wurden bei 15 % festgestellt.

Keine Niederschläge in Sicht

Den offiziellen Angaben zufolge lassen die Wettervorhersagen für die kommenden 15 Tage nicht auf Besserung hoffen, vielmehr könnte sich die Situation sogar noch weiter verschärfen. Im Juli war auf dem französischen Festland 84 % weniger Regen gefallen als saisonal üblich.

Landesweit sind bereits in den meisten Départements Auflagen für die Wassernutzung in Kraft. Je nach Umfang ist die Entnahme für landwirtschaftliche Zwecke begrenzt oder bereits ganz verboten.

Das gilt beispielsweise auch für das Wässern von Rasen und Golfplätzen oder das Waschen von Autos. In der Region Loire-Bretagne kündigten mehrere regionale Bauernverbände (FRSEA) an, mit allen Mitteln gegen die dortigen Leitlinien für die Wasserbewirtschaftung (Sdage) vorzugehen.

Für die Landwirte stehen die Nutzungsbeschränkungen im Widerspruch zu einer ausgewogenen Bewirtschaftung der Ressource und sind auch nicht mit einer Stärkung der nationalen Ernährungssouveränität vereinbar. Nachdem eine Beschwerde der regionalen Verbände beim zuständigen Präfekten nicht erfolgreich war, wollen sie nun zu Rechtsmitteln greifen.

Landesweite Hitzewarnungen

Mitte der vergangenen Woche wurde in Frankreich nach Angaben des staatlichen Wetterdienstes (Météo France) der Höhepunkt der dritten Hitzewelle dieses Jahres erreicht. Mit Ausnahme des Nordwestens wurden landesweit Hitzewarnungen ausgerufen, die befürchteten 40 Grad wurden allerdings nicht erreicht.

Mitte Juli waren in 64 französischen Gemeinden Temperaturrekorde gefallen, dabei wurden bis zu 46 Grad gemessen. Verschärfend wirkt das Ausbleiben von Niederschlägen. Dementsprechend hoch ist und bleibt die Brandgefahr.

Tierhalter unter Druck

Neben den auf Bewässerung angewiesenen Landwirten dürften auch die Tierhalter weiter unter Druck geraten, zumindest sofern sie Grünland nutzen. Nach Angaben des Statistischen Dienstes beim Pariser Landwirtschaftsministerium (Agreste) lag der Ertrag der Wiesen und Weiden zum 20. Juli im landesweiten Schnitt um mehr als ein Fünftel unter dem langjährigen Mittel.

Betroffen war laut den Statistikern mit Ausnahme der Landesmitte ganz Frankreich. In grossen Teilen des Südwestens und entlang des Ärmelkanals hat es erhebliche Einbussen gegeben. Bezogen auf das Gesamtjahr geht Agreste für die Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA) von einem Defizit von 60 % aus.

Tankwagen für das Vieh

Auch Spanien leidet unter der anhaltenden Trockenheit und hat inzwischen in vielen Landesteilen die Wassernutzung eingeschränkt, wovon die Landwirtschaft allerdings nicht direkt betroffen ist. Der spanische Bauernverband Asaja berichtete von dürrebedingten Problemen bei der Sonnenblumen- und Getreide- sowie Steinfrucht- und Olivenproduktion.

Konkrete Schätzungen zu Ernteausfällen gab er allerdings nicht ab. Die Viehhaltung kämpft laut Asaja mit Schwierigkeiten bei der Tränkewasserversorgung. Inzwischen müssten viele grosse Viehzuchtbetriebe in Gebieten wie der Extremadura über Tankwagen versorgt werden.

Zusammen mit dem allgemeinen Anstieg der Produktionskosten führe das zu einem „perfekten Sturm für den Sektor“. Zahlreiche Kommunen in Spanien haben jetzt Vorgaben zum Wassersparen erlassen. Regional ist zum Beispiel die übliche Strassenreinigung mit Wasser untersagt, ebenso das Waschen von Autos, das Bewässern von Gärten und das Befüllen von Schwimmbädern. Außerdem soll nach möglichen Lecks im Wasserversorgungsnetz gesucht werden.

Wasserstand immer noch historisch niedrig

Auch in Italien ist die Situation nach wie vor angespannt. Für geringfügige Besserung für den Po und die Poebene sorgten in der vergangenen Woche Regenfälle, die den Pegelstand des Flusses wieder ansteigen liessen. Ausserdem wurde das an der Mündung eindringende Meerwasser etwas zurückgedrängt.

Der Wasserstand von Italiens längstem Fluss ist allerdings immer noch historisch niedrig. Die Weichweizenerträge in der Poebene lagen um 40 % unter dem üblichen Niveau. Bei Mais wird in der wichtigen Agrarregion anteilig mit Totalausfällen gerechnet.

Futterknappheit droht

Der mitgliederstärkste Landwirtschaftsverband Coldiretti erwartet für Italiens Getreideproduktion gegenüber 2021einen Rückgang von etwa 30 %. Bei Mais könnten die Einbussen sogar 45 % erreichen. Auch bei zahlreichen Obstsorten hat die Trockenheit die Erträge laut Coldiretti spürbar gedrückt.

In Abhängigkeit von der Kultur ist von Einbussen bis zu 70 % die Rede. Auch die Tierhaltung ist betroffen. Verbandsangaben zufolge ist die Milchproduktion um durchschnittlich 20 % gesunken. Vielerorts wachse zudem die Angst vor Futterknappheit, insbesondere in Regionen ohne Bewässerungsmöglichkeiten für den Maisanbau. 

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One Response

  1. Wie wärs, wenn die Bauern und die Naturschützer zusammenspannen würden? Zb. wenn an strategischen Orten, an Bächen wo bei starken Regenschauern sehr viel Wasser kommt,“Landschaftsseen“ mit einigen tausend m3 gemacht würden, welche dann von den Bauern bei Trockenheit zum bewässern gebraucht würden. Dies hätte viele Vorteile; weniger Überschwemmungen, Wasser zum bewässern,Wasser für Wassertiere usw.

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