Sonntag, 7. März 2021
28.12.2020 06:06
Jahresrückblick (6/11)

Milch ist gefragt – und ein knappes Gut

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Von: lid

Ein turbulentes Jahr, geprägt von der Coronakrise neigt sich dem Ende zu. Der richtige Moment für einen Rückblick. Wir lassen das Landwirtschaftsjahr in elf Teilen Revue passieren. Im sechsten Teil geht es um die Milchproduktion.

2020 haben sich die Auswirkungen des Strukturwandels gezeigt. Zum ersten Mal in der aktuellen Geschichte der Schweizer Milch gab es weniger als 20’000 Milchbetriebe. Gleichzeitig sank die Anzahl Milchkühe weiterhin leicht und die Milchmenge insgesamt blieb praktisch stabil. Gleichzeitig war der Absatz bei den Milchprodukten unverändert hoch – auch wegen Corona, aber nicht nur.

Das führt dazu, dass Milch ein eher knappes Gut geworden ist. Die Nachfrage nach Milchprodukten stieg im Detailhandel vor allem in der Zeit der Lockdowns an, wodurch die Einbrüche durch den Wegfall der Gastronomie kompensiert werden konnten.

Gleichzeitig fiel der Einkaufstourismus weg, was den Milchabsatz in der Schweiz weiter in die Höhe trieb. «Auch wenn der Milchpreis insbesondere bei der Molkereimilch noch nicht da ist wo er sein könnte und müsste, können wir aus Sicht der Milchproduzenten von einem ansprechenden Jahr sprechen», sagt Reto Burkhardt, Kommunikationsleiter der Schweizer Milchproduzenten (SMP).

Werden Sie 2021 investieren und in welchem Bereich?
Gebäude
20%
147
Traktoren und Maschinen
14%
103
Stall- und Hoftechnik
17%
126
Landkauf
7%
52
Direktvermarktung
5%
40
Energie
3%
22
Agrotourismus
2%
13
Wohnen
11%
78
keine Investitionen
21%
150

Bye bye Butterberg

Die Schweizer Milchmarkt litt 2020 unter einer Unterversorgung mit Milchfett und einer Überversorgung mit Milcheiweiss. Das führte zu einer knappen Butterlagersituation, weshalb in vier Tranchen insgesamt 5’800 Tonnen Butter importiert werden mussten. Auch dies eine Auswirkung der eher knappen Milchmenge und der gleichzeitig sehr guten Verkäufe von Käse und Molkereiprodukten für den Privatkonsum.

Die Zeiten von Milchsee und Butterberg sind momentan definitiv vorbei. Um ausreichend Schweizer Butter zu haben, müsste man die Milchströme so umlenken, dass Eiweiss exportiert und mehr Fett in der Schweiz bleibt. Wichtig ist, dass die Swissness dabei erhalten bleibt.

2020 zeigte, dass Schweizer Konsumenten Schweizer Produkte die mit dem Schweizer Kreuz ausgezeichnet sind wollen und nicht Importware unbekannter Herkunft. Die Schweizer Milchproduzenten haben Hand geboten eine entsprechende Massnahme in der BO Milch umzusetzen. Die dazu notwendigen Mittel werden sie aber nur dann einsetzen, wenn der Mehrerlös das eingesetzte Geld übersteigt.

Klimadiskussion in der Milchbranche

Die Klimadiskussion hat die Milchbranche 2020 definitiv erreicht und das Bewusstsein für eine nachhaltigere Produktion ist weiter gestiegen. In dieser Thematik ist auch die Einführung des «grünen Teppichs» zu verstehen, welcher im 2020 primär tierwohlorientiert war.

Bei künftigen Weiterentwicklungen kann es gut sein, dass die Nachhaltigkeit beeinflussende Faktoren wie Massnahmen zur Emissionsminderung stärker einbezogen werden.

Die zehn Grund- und acht Zusatzanforderungen, welche die Milchproduzenten erfüllen müssen, werden jedoch frühestens per 2024 angepasst, da die erste Phase des «grünen Teppichs» noch bis 2023 andauert.

3 Rappen Zuschlag

«Die Diskussionen sind auch immer eng mit der Agrarpolitik verknüpft», sagt Burkhardt. Wie die Anforderungen von dieser Seite weitergehen, werde sich nach der immer wahrscheinlicheren Sistierung der AP22+ und der Annahme der parlamentarischen Initiative weisen. Grundsätzlich sei man mit dem ersten Jahr nach Einführung des «grünen Teppichs» zufrieden.

Das seien echte Mehrwerte, die auf den Milchproduktionsbetrieben generiert würden. Die 3 Rappen Nachhaltigkeitszuschlag als Entschädigung für die Mehraufwände der Produzenten sind von den Milchkäufern umgesetzt worden. Zusammen mit der guten Marktlage, ist dadurch der Milchpreis für Molkereimilch um 2,9 Rappen gestiegen – Geld, das direkt am Markt generiert werden konnte.

«Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Denn die Milch sollte wieder den Wert erhalten, den sie auch verdient», sagt Burkhardt. Nach dem ersten Jahr machen bereits deutlich über 10’000 Betriebe beim «grünen Teppich» mit, was dazu führt, dass mehr als 2/3 der Molkereimilch noch nachhaltiger produziert wird als bisher

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