Dienstag, 31. Januar 2023
06.12.2022 12:10
Milchmarkt

Butter-Importe: (Erste) 3000 Tonnen für 2023

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: blu/sda

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat das Zollkontingent für Butter für Januar 2023 um 3000 Tonnen erhöht. Das inländische Butterangebot reicht auch im nächsten Jahr nach Einschätzung der Branche nicht aus, um die Nachfrage in der Schweiz vollständig zu decken.

Butter ist seit Anfang 2020 ein rares Gut. Und die Mangelsituation setzt sich unvermindert fort. Wie 2020 und 2021 wurden die Lücken auch 2022 mit Importen geschlossen. Und auch 2023 ist keine Änderung in Sicht.

BOM: Milchproduktion bleibt tief

Laut der Branchenorganisation Milch (BOM) dürfte die Gesamtmilchmenge weiterhin tief bleiben. Deshalb bleibe neben der Käseproduktion zu wenig Milch für die Butterherstellung übrig. Die Branchenorganisation reichte daher beim BLW einen Antrag auf Erhöhung des Zollkontingents ein. Die zusätzliche Kontingentsmenge wird wie üblich versteigert. 

Bei den 3000 Tonnen handelt es sich um das erste zusätzliche Kontingent für das Jahr 2023. Zum Vergleich: Das erste Zusatzkontingent für 2022 lag bei 1000 Tonnen.  

Insgesamt gab das BLW gab in diesem Jahr zusätzlich 6’100 Tonnen Butter zum Import im Kontingent frei. 2021 wurden in drei Gesuchen Butterimporte in der Höhe von 2500 Tonnen gestellt. Die Buttereinfuhren in grossen Mengen begannen im Frühjahr 2020. Anfang 2020 lag das Schweizer Tiefkühlbutterlager knapp über null. Wegen der Covid-19-Pandemie wurden im Lauf des Frühlings 2020 die Lager nur ungenügend aufgebaut. Aufgrund des Shutdowns und den Einschränkungen konsumierte die Schweizer Bevölkerung zu Hause tendenziell mehr Butter. Um die Lücken zu schliessen, wurden im April 1000 t, im Juli 1800 t und im Oktober/November 2000 t Butterimporte bewilligt. Zusammen mit Einfuhren aus anderen Importgeschäften wurden 2020 insgesamt rund 6000 t Butter importiert.

«Käse im Trend»

Im ersten Coronajahr 2020 habe sich nämlich der Buttermarkt in der Schweiz gedreht, sagte Stefan Kohler, Geschäftsführer der Branchenorganisation Milch, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Der Käseabsatz und der Butterabsatz seien damals sehr erfreulich angestiegen. Da aber gleich viel Milch produziert worden sei, habe es zu wenig Milch für Butter gegeben.

Aufgrund der steigenden Zahl von Vegetariern liege Käse zudem stark im Trend. Nach mehreren Jahren mit einem Absatzzuwachs beim Käse von rund 5 Prozent, ist es aber laut Kohler unklar, ob sich das Wachstum bei den Käseexporten fortsetzen wird.

Die Butterimporte 2022

Erste Erhöhung Anfang Februar

Ende Dezember hatte die Branchenorganisation Milch (BOM) einen ersten Antrag für den Import von 1000 Tonnen Butter ab Februar 2022 gestellt. Die BOM folgte damit der Analyse der zuständigen Kommission Butterimporte. Diese ging aufgrund der vorhandenen Parameter und unter Berücksichtigung der vorhandenen Lager für 2022 von einem Buttermanko im Umfang von 2700 t aus. Diese Prognose ist heute überholt, mittlerweile ist die Lücke deutlich höher.

«Indem die Importbutter regelmässig in den Markt fliesst, kann garantiert werden, dass die traditionellen Schweizer Marken «Floralp» und «Die Butter» ganzjährig mit Schweizer Butter hergestellt werden können», begründete die Branchenorganisation das Gesuch. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) bewilligte das Gesuch am 4. Februar. Das Teilzollkontingents «Butter und andere Fettstoffe aus der Milch» wurde um 1000 Tonnen erhöht.

Zweite Erhöhung Anfang April

Anfang Februar erfolgte das zweite Gesuch der BOM. Am 21. März 2022 hat das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) das Gesuch über 2000 Tonnen bewilligt. Das inländische Angebot an Butter reiche gemäss Einschätzung der Branche im laufenden Jahr nicht aus, um die Nachfrage zu decken, teilte die Bundeshörde damals mit.

«Die vorhandenen Parameter haben nun ergeben, dass für 2022 ohne weitere Importe ein Buttermanko in der Grössenordnung von 1700 t bis 2200 t bis Ende Jahr entstehen würde», begründete die Kommission Butterimporte der BOM ihren Antrag zum Import von weiteren 2000 Tonnen. Mit diesem Gesuch geht sie von «heute vorhandenen Daten» davon aus, dass die Versorgung bis Ende Jahr gesichert ist. Eine Fehleinschätzung, wie sich heute zeigt.

Dritte Erhöhung im Juni

Denn auch die zweite Importtranche reichte nicht aus, um den Bedarf zu decken. So schrieb die BOM in ihrem Gesuch: «Zwar steigen sowohl die Gesamtmilchmenge als auch die Menge an Molkereimilch, die unter anderem für Butter verwendet wird. Dennoch rechnet die Branche weiterhin mit einem Buttermanko.»

Eine weitere Importfreigabe von 1000 Tonnen soll die Lücke «zumindest zu einem grossen Teil überbrücken.» Deshalb bewilligte das BLW Mitte Juni ein drittes Gesuch. Wie sich wenige Wochen später zeigte, war die Einschätzung der BOM bereits wieder überholt. Deshalb folgte im August ein viertes Gesuch.

Vierte Erhöhung im August

In der Mitteilung der Bundesbehörden wurde der höhere Importbedarf mit der sinkenden Milchproduktion begründet. Und weil ein Grossteil der Schweizer Milch zu Käse verarbeitet werde, bleibe zu wenig für die Butterherstellung übrig.

Aus diesem Grund hat das BLW den Antrag der Branchenorganisation Milch (BOM), das Zollkontingent ab dem 22. August um weitere 1000 Tonnen zu erhöhen, gutgeheissen. «Mit der zusätzlichen Importmenge von 1000 Tonnen Butter soll die inländische Nachfrage bis Ende Jahr gedeckt werden», hiess es wie bei den vorherigen Kontingentserhöhungen. Diesen Satz hat nun das BLW beim fünften Gesuch weggelassen.

Fünfte Erhöhung im September

Ende September bewilligte das BLW ein fünftes zusätzliches Importgesuch. Denn gemäss dem Gesuch der BOM reicht das inländische Angebot an Butter im laufenden Jahr weiterhin nicht aus. Die Gesamtmilchmenge sei im Vergleich zum Vorjahr, entgegen den Prognosen, tiefer. Deshalb bleibe neben der Käseproduktion zu wenig Milch für die Butterherstellung übrig, so die BOM.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat deshalb entschieden, den Antrag der Branchenorganisation Milch gutzuheissen und das Zollkontingent Butter ab dem 17. Oktober 2022 bis Ende Jahr um weitere 1000 Tonnen zu erhöhen. Die zusätzliche Kontingentsmenge wird wie üblich versteigert. 

Das BLW änderte nun aber plötzlich den Jahresbedarf der Schweiz an Butter. Wurde diese Menge bei der Bekanntgabe der vierten Importtranche mit 40’000 Tonnen beziffert, stieg nun dieser Wert einige Wochen später plötzlich auf 46’000 Tonnen. Die Erhöhung der Nachfrage um 15 Prozent wirkt sich nun auch auf den Importanteil aus. Dieser liegt nun weiterhin bei 13 Prozent wie im August. Bei 40’000 Tonnen Jahresbedarf läge der Importanteil bei 15,25 Prozent.

Mehr zum Thema
Politik & Wirtschaft

Die EU produzierte im vergangenen Jahr 203 Terawattstunden Strom aus Sonne, 39 Terawattstunden mehr als 2021, was einem Plus von 24 Prozent entspricht. andreas160578 In der EU ist 2022 erstmals…

Politik & Wirtschaft

Die Aussetzung der Zölle soll die kriegsgebeutelte ukrainische Wirtschaft ankurbeln.pixapay Im Zuge des Krieges in der Ukraine hat die EU sämtliche Zölle auf ukrainische Agrarprodukte und Lebensmittel ausgesetzt. Diese Regelung wird…

Politik & Wirtschaft

Die Düngereinfuhren aus Russland gehen stetig zurück.Agrarfoto Die Einfuhrbeschränkungen der EU gegen Produkte aus Russland wegen dessen militärischen Angriffs auf die Ukraine spiegeln sich in den zuletzt vorliegenden Aussenhandelsdaten wider. …

Politik & Wirtschaft

Flagge EU; Fahne Europäische UnionAndrzej Rembowski Brüssel macht am Mittwoch Vorschläge zur Reduktion der wirtschaftlichen Abhängigkeit der EU vom Ausland. Von einem «Souveränitätsfonds» ist die Rede. Der Berner Ökonomieprofessor Aymo…

One Response

  1. Würden die Milchkäufer den Bauern mehr für die Milch bezahlen, wäre es auch interessanter zum Melken. Ich denke hier aber nicht nur an 1-2 Rp. sondern 10Rp. und dazu.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE