Sonntag, 22. Mai 2022
26.01.2022 10:03
Milchmarkt

Emmi wächst dank Auslandsgeschäften

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Von: blu/sda

Die Innerschweizer Milchverarbeiterin ist im vergangenen Jahr erneut gewachsen. In der Schweiz schrumpfte Emmi zwar nach dem starken Vorjahr, doch das wachsende Auslandgeschäft hat dies mehr als kompensiert. Der Gewinn und damit auch die Profitabilität dürften deshalb im erwarteten Rahmen ausfallen.

Emmi hat vergangenes Jahr für 3,91 Milliarden Franken Produkte wie Caffè Latte, Gerber-Fondue oder Toni-Joghurt verkauft. Das entspricht einem Wachstum von 5,6 Prozent. Organisch stieg der Umsatz um 3,6 Prozent. Damit hat Emmi die eigenen sowie die Erwartungen der Finanzgemeinde deutlich übertroffen.

Hauptsächlich verantwortlich für die Zunahme war das Auslandgeschäft, wie Emmi am Mittwoch mitteilte. Emmi ist nämlich mit Tochtergesellschaften und Beteiligungen in 14 Ländern weltweit tätig und hat im Ausland auch acht eigene Molkereien. Insbesondere Gesellschaften mit einem höheren Gastronomie-Anteil hätten nach dem Rückgang im Vorjahr meist wieder ein organisches Wachstum ausweisen können, heisst es.

Starkes Wachstum in Division Americas

Am stärksten wuchs das Unternehmen in der Division Americas, zu der nebst den USA, Kanada, Chile, Spanien, Frankreich, Brasilien und Mexiko auch die Geschäfte in Tunesien, Frankreich und Spanien gehören. Der Umsatz stieg von 1’28 Mrd. Fr. auf CHF 1’48 Mrd. Fr. Das Wachstum von insgesamt 15.4 % ist einerseits auf die Akquisition von Emmi Dessert USA sowie des Athenos-Geschäfts mit Feta-Käse und andererseits auf das hohe organische Wachstum von 9.6 % zurückzuführen.

Die negativen Währungseffekte ergaben sich primär aufgrund der Abwertung des Brasilianischen Real und des US-Dollar. Allerdings war hier die Vergleichsbasis tiefer, weil das Geschäft im Vorjahr wegen der Coronakrise – vor allem im Gastronomiebereich – stark eingebrochen war.

Im Segment Käse resultierte ein organisches Wachstum von 9.1 %, der Umsatz stieg auf 573 Mio. Fr., was nach einem Pandemie-bedingten Umsatzrückgang im Vorjahr in erster Linie die Erholung im Food Service-Geschäft widerspiegelt. Ein Grossteil des Wachstums entfällt dabei auf die USA, wo sowohl das Geschäft mit lokal produziertem Käse als auch jenes mit aus der Schweiz importiertem Käse wie zum Beispiel Kaltbach zulegen konnten.

Bei den Molkereiprodukten ist Tunesien dank nachlassender Milchknappheit und einer positiven Preisentwicklung der grosse Treiber des organischen Wachstums von 9.7 %. Insgesamt realisierte Emmi einen Umsatz von 381 Mio. Fr., schreibt Emmi. Einen wesentlichen positiven Beitrag steuerte aber auch Brasilien bei, wo sich die Inbetriebnahme einer neuen Fabrik für UHT-Milch entsprechend positiv auf die Umsatzentwicklung auswirkte. Im Segment Frischprodukte resultierte ein organisches Wachstum von 7.1 %. Der Umsatz stieg auf 329 Mio. Fr. Positive Beiträge dazu leisteten vor allem die im Vorjahr akquirierte Emmi Dessert USA, Brasilien mit Jogurts und Frankreich mit italienischen Dessertspezialitäten.

Das alles führt dazu, dass Emmi 37,8 Prozent des Umsatzes in der Division Americas erzielte – im Vorjahr waren es noch 34,6 Prozent gewesen.

Division Europa: Dessert und Caffè Latte

Ein organisches Wachstum von 5,2 Prozent wies zudem die Division Europa auf, die 662 Millionen zum Umsatz beitrug. Im umsatzmässig grössten Segment Frischprodukte resultierte ein organisches Wachstum von 12.6 %, der Umsatz stieg auf 329 Mio. Fr.. Die Wachstumstreiber waren einerseits italienische Dessertspezialitäten und andererseits Emmi Caffè Latte mit deutlichem Wachstum in allen europäischen Märkten.

Dafür verkaufte das Unternehmen in dieser Division, zu der die Töchter in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Grossbritannien und Österreich gehören, weniger Käse und Fondue – mit Ausnahme der Marke Kaltbach. Der Umsatz sank leicht auf 128,5 Mio. Fr. Der organische Umsatzrückgang von 2.6 % im Segment Molkereiprodukte ist gemäss Emmi die Folge des Umsatzrückgangs bei der Gläsernen Molkerei in Deutschland. Im Vorjahr verzeichnete diese aufgrund einer Pandemie-bedingt höheren Nachfrage noch ein starkes Wachstum, welches sich im abgelaufenen Jahr nun aber wieder normalisierte. Der Umsatz lag 2021 bei 95 Mio. Fr. 

Der Anteil der Division Europa am Konzernumsatz betrug 16.9 % (Vorjahr: 17.0 %). Die Division Europa umfasst die Emmi Gruppengesellschaften in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Grossbritannien und Österreich.

Schweizer Division schwächelt

Anders als bei den ausländischen Töchtern konnte das Geschäft in der Schweiz den Vorjahresumsatz hingegen nicht übertreffen. Die Division Schweiz erwirtschaftete 2021 einen Umsatz von CHF 1’65 Mrd. Fr. (Vorjahr: CHF 1’69 Mrd. Fr.), was einem Rückgang von 2.2 % entspricht. Der Rückgang fiel damit leicht tiefer aus als per Halbjahr erwartet (-2.5 % bis -3.5 %). Der Anteil der Division Schweiz am Konzernumsatz betrug 42.2 % (Vorjahr: 45.5 %). Vor wenigen Jahren lag dieser Wert noch über 50 Prozent.

Für den Rückgang macht Emmi vor allem das Detailhandelsgeschäft verantwortlich. Dieses büsste gegenüber dem ausserordentlichen Vorjahr mit Hamsterkäufen und Grenzschliessungen erwartungsgemäss an Umsatz ein, so Emmi. Auch die anhaltenden Einschränkungen in der Gastronomie in Kombination mit einer weiterhin verhaltenen Entwicklung im Geschäft mit Industriekunden hätten umsatzhemmend gewirkt.

Käseimporte lähmen Inlandsgeschäft

Das Segment Molkereiprodukte (Milch, Rahm, Butter) verzeichnete einen Umsatzrückgang von 2.1 % auf 669 Mio. Fr. Der Rückgang führt Emmi auf die Normalisierung der Nachfrage im Detailhandel und die anhaltenden Einschränkungen im Food Service-Geschäft zurück. Einen deutlichen Rückgang mit 4,1 Prozent auf 416 Mio. Fr. gab es im Segment Käse.

Dieser Rückgang betrifft laut Emmi vor allem traditionelle Sortenkäse im Detailhandelsgeschäft, die im Vorjahr aufgrund der Pandemie ein aussergewöhnlich hohes Wachstum verzeichnet hatten. «Ebenso hemmten die abermals deutlich gestiegenen Käseimporte die Umsatzentwicklung in diesem Segment», hält Emmi fest.

Im Segment Frischprodukte resultierte ein vergleichsweise geringer organischer Umsatzrückgang von 0.6 %  auf 339 Mio. Fr. Die rückläufige Umsatzentwicklung vor allem bei Jogurts (Eigenmarken des Detailhandels) und Glace wurde durch das Wachstum bei Emmi Caffè Latte sowie auch Emmi Energy Milk und Emmi Jogurtpur teilweise kompensiert.

Während beim Segment Frischkäse wiederum insbesondere das Detailhandelsgeschäft den organischen Rückgang (4.6 % auf 101 Mio.Fr.) verantwortet, ist das primär Pandemie-bedingt schleppende Geschäft mit Industriekunden der Hauptgrund für den Rückgang (3.8 % auf 61 Mio. Fr.) im Segment Pulver/Konzentrate.

Division Global Trade wächst

Der Umsatz der Division Global Trade belief sich auf 121.4 Millionen gegenüber 107.4 Millionen im Vorjahr, was einem Wachstum von 13.1 % entspricht. Das Segment Käse verzeichnete, insbesondere getrieben durch eine erfreuliche Entwicklung von Kaltbach, ein organisches Wachstum von 9.6 %. «Der Anstieg im Segment Pulver/Konzentrate von 44 Prozent auf 26,6 Mio. Fr. widerspiegelt die gestiegenen Entlastungsexporte von Magermilchpulver», hält Emmi fest.

Die Division Global Trade beinhaltet primär Direktverkäufe aus der Schweiz an Kunden in Ländern, in denen Emmi über keine eigenen Gesellschaften verfügt. Dazu gehören die asiatischen und osteuropäischen Märkte, die meisten südamerikanischen Länder und die Arabische Halbinsel. Der Anteil der Division Global Trade am Konzernumsatz betrug 3.1 % (Vorjahr: 2.9 %).

Prognosen bestätigt

Trotz weltweit deutlich höherer Inflationsraten und stark gestiegener Inputkosten gibt sich Emmi für die Gewinnprognosen zuversichtlich. Das Unternehmen erwartet einen operativen Gewinn (EBIT) von 275 bis 290 Millionen Franken und eine Reingewinnmarge zwischen 5,2 und 5,7 Prozent.

Emmi gehe davon aus, bei beiden Zahlen im mittleren Bereich der angestrebten Bandbreiten abzuschneiden. Die genauen Gewinnzahlen veröffentlicht das Unternehmen am 4. März 2022.

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