Freitag, 30. September 2022
21.07.2022 18:48
Milchproduktion

Kühe: Umstellung auf Bio verbessert Klimabilanz

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Von: mgt

Stellt ein Milchbetrieb seine Produktion von konventionell auf biologisch um, kann das seinen Klimafussabdruck um bis zu neun Prozent reduzieren. Das zeigt eine neue Studie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (D) und des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Transformationsökonomien (D). Für die Studie wurde ein Milchbetrieb über zwei Jahre bei der Umstellung begleitet. Trotz des Mehraufwands blieben auch die Erträge auf hohem Niveau.

«Unsere Studie zeigt, dass es keinen Widerspruch zwischen einer umweltfreundlichen Produktion und dem Aufrechterhalten der Produktivität eines Betriebs geben muss», sagt Arthur Gross vom Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften der MLU.

Futter umgestellt

Das Team untersuchte den Milchviehbetrieb Hof Pfaffendorf nördlich von Halle, der 2018 seine Produktion von konventionell auf biologisch umgestellt hat. Mit einer Ackerfläche von etwa 675 Hektar und mehr als 650 Kühen gehöre der Bio-Betrieb zu den grössten in der Region, so Gross.

Während der Umstellung wurde zum Beispiel das Futter für die Kühe geändert: Anstelle von Kraftfutter sollte künftig vermehrt auf regional angebaute Feldfrüchte, Stroh und Gras gesetzt werden. «Kraftfutter wird relativ energieintensiv und abseits des Hofs produziert. Eine regionale Futterproduktion ist dagegen deutlich ressourcenschonender und umweltfreundlicher, da die externen Anlieferungen wegfallen und weniger Dünger zum Einsatz kommt», sagt Gross.

Ausserdem beschlossen die Landwirte, den in der Bio-Produktion untersagten Mineraldünger ausschliesslich durch hofeigene Gülle zu ersetzen und keine weiteren organischen Düngemittel extern zuzukaufen.

«Carbon Footprint»-Analyse

Vor und während der Umstellung führten die Forscher anhand internationaler Standards eine sogenannte «Carbon Footprint»-Analyse durch, um eine ganzheitliche Klimabilanz für den Betrieb zu ermitteln. Hierfür sammelten sie alle verfügbaren Betriebsdaten. Dazu gehören zum Beispiel Angaben zu angebauten Pflanzen, zum Einsatz von Dünger, zur Grösse des Betriebs oder zu Futtermitteln für die Kühe.

Auch der Kraftstoffverbrauch der verwendeten Fahrzeuge und ob bestimmte Produkte eingekauft und angeliefert werden müssen, wurden für die Berechnung berücksichtigt. «All das ist relevant, um die Klimabilanz eines Betriebs präzise zu modellieren», sagt Florian Schierhorn vom IAMO. Anschliessend berechnete das Team die Emissionen pro produziertem Liter Milch.

Höherer Methanausstoss

Das Ergebnis: Durch die Umstellung sanken die Treibhausgas-Emissionen pro Kilo Milch um neun Prozent. Allerdings profitierten nicht alle Bereiche des Hofs gleichermassen von dem Wechsel: Während die Emissionen beim Dünger und beim Tierfutter deutlich sanken, stieg der Methanausstoss der Tiere an, da durch den höheren Raufasergehalt der Bio-Futtermittel die Verdauung angeregt wird.

Zudem sank durch den Verzicht auf Kraftfutter die Milchleistung der Kühe. «Allerdings sind die Ertragseinbrüche unter den Erwartungen geblieben, das Produktionsniveau konnte relativ gut gehalten werden», erklärt Schierhorn. Insgesamt überwogen die positiven Folgen, sodass während der Umstellung die Emissionen pro Kilo deutlich sanken.

Die Ergebnisse der halleschen Forscher decken sich mit Erhebungen in ähnlich intensiven Produktionsregionen etwa in Europa und Nordamerika, die die Klimabilanz von Bio-Betrieben berechneten. Das Autorenteam geht davon aus, dass sich die Ergebnisse auf viele ähnlich strukturierte Betriebe in Deutschland übertragen lassen. «Die Bundesregierung hat das Ziel, den Biolandbau auf einen Flächenanteil von 30 Prozent auszuweiten. Unsere Studie liefert dafür klimapolitische und wirtschaftliche Argumente», sagt Schierhorn.

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