Freitag, 30. September 2022
18.07.2022 17:00
Milchmarkt

«Margen von 60% nicht zu rechtfertigen»

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Von: blu

Wie geleakte-Dokumente aus der Romandie zeigen, erzielen Detailhändler bei Milchprodukten Bruttomargen von bis zu 60 Prozent. Für die Schweizer Milchproduzenten sind solche Margen nicht zu rechtfertigen. Sie fordern faire Produzentenpreise.

Die Recherche von «Le Temps» und «Heidi.news» von Ende Juni zeigt, wie hoch die Bruttomargen bei Molkereiprodukten bei Coop und Migros ausfallen. Die beiden Publikationen werteten dabei Preis-Daten der Milchgenossenschaft Laiteries Réunies Genve (LRG) aus. Der Datensatz wurde im April vom Server der Molkerei abgezogen und im Darknet verbreitet.

40 bis 60 Prozent Marge

Insgesamt wurde der Ein- und Verkaufspreis von 77 Produkte analysiert. Das Ergebnis sorgte für Erstaunen: Die Bruttomarge beträgt bei Coop durchschnittlich 57%, bei Migros 46%, beim Grossmarkt Aligro 35% und bei Manor 34%. Die beiden Publikationen präsentierten Beispiele: Beim bekannten Tam Tam erzielt Migros eine Bruttomarge von 58%, Coop jene von 39%. Beim Tomme Vaudoise du cremier haben beide Grosshändler eine ähnliche Marge von 66 Prozent.

Gemäss dem Artikel realisieren Coop und Migros die höchsten Margen in Europa. Eine Marge von rund 25 Prozent müsste für Milchprodukte reichen, so die beiden Publikationen. In Frankreich erzielten Händler gemäss Berechnungen von Preisüberwachern Margen von 19 bis 34 Prozent.

Margen immer in Prozent berechnet

Die Zahlen sorgten bei Milchproduzentinnen und Milchproduzenten für Unverständnis und Frustration, schreiben die Schweizer Milchproduzenten (SMP). Zahlen, die bisher inoffiziell und unter vorgehaltener Hand bekannt gewesen seien, seine nun Publik. Für die Dachorganisation der Schweizer Milchproduzenten ist klar: Bruttomargen von gegen 60% lassen sich aus Sicht der Milchproduzenten nicht rechtfertigen. Der aufgedeckte Fall zeige explizit, dass die Detailhändler ihre Margen immer in Prozent berechneten. «Damit sind sie bei allen Preisschwankungen aufgrund ihrer Marktstellung stets die Gewinner», kritisieren die SMP.

«Angesichts einer Arbeitsentschädigung in der Milchproduktion von unter 20 Schweizer Franken pro Stunde und den in immer höher steigenden Produktionskosten sind Margen im Detailhandel von über 40-60% keinesfalls zu rechtfertigen und schon gar nicht fair», lautet die Kritik der SMP.

«Preiserhöhungen 100% weitergeben»

Bei den Milchproduzenten sind die Kosten für Energie, Futter oder Treibstoff in den vergangenen Monaten massiv gestiegen. Zwar wurde der Richtpreise für Molkereimilch im A-Segment Mitte April um 5 Rappen auf 78 Rappen je Kilo erhöht. Die Verarbeiter haben sich dafür ausbedungen, die Preise bis Ende Jahr auf diesem Niveau zu belassen. Für viele Milchproduzierende ist dieser Entscheid nicht nachvollziehbar und stellt ein Affront dar.

Die Schweizer Milchproduzenten fordern deshalb von den Verarbeitern, dass sie ihre Verantwortung wahrnehmen. «Wir verlangen nun explizit, dass künftige Preiserhöhungen im Laden zu 100% den Produzierenden zugutekommen», heisst es in der Mitteilung. Dies auch deshalb, weil den Konsumenten eine gerechte Entschädigung ein Anliegen sei. «Fair-Trade beginnt vor der Haustür und nicht auf fernen Kontinenten», halten die SMP fest.

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2 Responses

  1. Eine marktregulierende Initiative müsste da wohl her. Maximaler zulässiger Margenanteil zum Beispiel. Ich würde sofort unterschreiben. Zwischenhändler und Händler machen von Jahr zu Jahr immer mehr REINEN Gewinn, der Konsument und Produzent blutet dafür. Das sollte umbedingt geändert werden. Werde mir vone jetzt an auch mehrmals überlegen in einen Coop oder Migros zu gehen.

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