Sonntag, 22. Mai 2022
26.01.2022 18:15
Milchmarkt

Umfrage: Steigen die Milchpreise?

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Von: blu/hal/sal

Schweizer Milchproduzierende konnten zwar in den vergangenen Monaten zwar mehr für die Milch lösen. Doch die hohen Preise für Energie, Futter und Dünger haben diese Erhöhung mehr als «weggefressen». Mehrere Organisationen fordern daher höhere Produzentenpreise. Werden die Preise tatsächlich steigen? Stimmen Sie ab und diskutieren Sie mit

In der Schweiz gibt es immer weniger Milchproduzentinnen und Milchproduzenten. Die tiefen Preise haben in den vergangenen Jahren den Strukturwandel verstärkt.

Seit Beginn der Pandemie ist die Nachfrage nach Milch gestiegen. Die Produktion ist 2021 aber nur leicht höher. Bis Ende November 2021 wurden 3,14 Mrd. kg eingeliefert, das sind nur 0,6 Prozent (5’000 Tonnen mehr) als im Vorjahreszeitraum.

«Höchste Zeit für Kostenwahrheit»

Zwar haben die Preise in den vergangenen Monaten zugelegt. So schreibt die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost (VMMO), dass die Produzenten aktuell 3 bis 5% mehr als noch vor Jahresfrist erhalten. Doch weisen auf die deutlich gestiegenen Kosten hin. «Vom höheren Milchpreis profitierten die Produzenten derzeit nicht. Sie sind in den letzten Monaten von einer wahren Kostenlawine überrollt worden», hält die VMMO fest. ««Die aktuelle Marktsituation ist paradox, einerseits ist Milch gesucht, andererseits sinken die Nettoerträge der Produzenten», hält die Genossenschaft fest.

Die VMMO nennt in einer Mitteilung massiv höhere Preise für Maschinen, Futter, Treibstoffe, Medikamente, Verbrauchsmaterialien, Energie, baulichen Unterhalt und andere Produktionsmittel, welche die höheren Milchpreise mehr als nur aufgefressen hätten. Besonders Betriebe mit dem Hauptbetriebszweig Milch seien vom steigenden Kostenumfeld überproportional betroffen. Deshalb fordert die VMMO: «Es ist höchste Zeit, dass die Milchkäufer endlich Preise bezahlen, welche die Kostenwahrheit und den Markt auch wirklich abbilden.»

Im Standard-Produzentenpreis (SPP) enthalten sind: alle effektiv ausbezahlten milchpreisrelevanten Zuschläge und Abzüge wie saisonale Preisstaffelung, Vertrags- und Mengenzuschläge, Marktabzüge und Rückbehalte, Transportkostenbeteiligung, sowie Boni, Prämien und Nachzahlungen, und bei verkäster Milch die Verkäsungszulage gemäss den Konditionen der jeweiligen Erstmilchkäufer.  Der SPP entspricht dem Basismischpreis (mengengewichteter Durchschnittsmilchpreis der Preissegmente) zuzüglich der Summe aller Zuschläge und Abzüge. Basis für die Kalkulation des SPP bilden die Milchkaufverträge sowie die Angaben der Erstmilchkäufer, und als Kontrolle die Milchgeldabrechnungen der Milchpreismelder.
Im realisierten Milchpreis sind alle ausbezahlten milchpreisrelevanten Milchpreisbestandteile enthalten, ausgenommen die Siloverzichtszulage bei Käsereimilch (diese wird separat ausgewiesen). Die Lademengen und Gehalte entsprechen dem Durchschnitt aller im SMP-Milchpreismonitoring erfassten Preismelder. Allfällige Qualitätsabzüge für eine von den Eckwerten abweichende Milchqualität sind nicht enthalten. Basis für die Kalkulation sind die Milchgeldabrechnungen der Milchpreismelder.
SMP

«Zeit der faulen Ausreden ist vorbei»

Auch das Bäuerliche Zentrum Schweiz (BZS) fordert von den Verarbeitern und dem Handel ein Signal. Die Preise für Molkereimilch seien zwar gestiegen, doch das reiche hinten und vorne nicht. Das BZS führt ebenfalls die hohen Kosten ins Feld.

Nun müsse mindestens der Richtpreis der Branchenorganisation Milch (BOM) von 73 Rp./kg ausbezahlt werden. Und das ab Hof. «Die Zeit der faulen Ausreden ist nun definitiv vorbei», schreibt das BZS.

Preise nur in Läden höher

Auch BIG-M fordert eine rasche und markante Milchpreiserhöhung. Die derzeit stark ansteigenden Kosten von Energie, Dünger und Futtermitteln würde den Milchviehbetrieben massiv zusetzen. Um weitere Betriebsaufgaben zu verhindern, ist aus der Sicht der Bauernorganisation ein Preissignal unerlässlich.

Die höheren Preise würden sich derzeit nur in den Läden bemerkbar machen. «Bei den Milchbauern kommt hingegen davon wenig bis nichts an. Im Gegenteil: Bereits ab Februar ist bei uns mit den üblichen Preisreduktionen zu rechnen, da die Verarbeiter diese seit Jahren eingeplant haben», warnt BIG-M. Es wird lieber Butter importiert, als die höhere Milchmenge im Frühling zu Butter für das Inland zu verarbeiten. Sie wirft den Verarbeitern und dem Handel vor, sich nicht für die Situation der Milchbauern zu interessieren.

Signal an SMP

Hoffnung schöpft die Bauernorganisation daraus, dass nun auch die VMMO höhere Preise fordert. Nach jahrelangem Wegschauen habe der Vorstand endlich erkannt, dass dies einen direkten Zusammenhang hat mit der grossen Zahl an Betriebsaufgaben. 

Das Statement von VMMO erachtet BIG-M als Signal an den Dachverband der Milchproduzenten, die SMP: «Die Schweizer Milchproduzenten müssen sich nach Jahren endlich von seinen Illusionen verabschieden, dass der Markt für die Nachhaltigkeit der Milchproduktion sorgen wird.»

Damit ein kostendeckender Preis realisiert werden könne, brauche es von der Politik allgemeinverbindliche Regeln im Markt, an die sich alle halten müssten. Aber die SMP und die VMMO hätten in der Vergangenheit solche Bemühungen bekämpft. Das räche sich nun.

Was denken Sie? Werden die Milchpreise steigen? Oder setzen die Händler und Verarbeiter ihre Marktmarkt durch? Abstimmen und mitdiskutieren

Wird der Milchpreis steigen?
Ja, Handel und Verarbeiter müssen handeln
60%
301
Nein, Preise steigen nicht
35%
178
Ich weiss es nicht
5%
24

Im Standard-Produzentenpreis (SPP) enthalten sind: alle effektiv ausbezahlten milchpreisrelevanten Zuschläge und Abzüge wie saisonale Preisstaffelung, Vertrags- und Mengenzuschläge, Marktabzüge und Rückbehalte, Transportkostenbeteiligung, sowie Boni, Prämien und Nachzahlungen, und bei verkäster Milch die Verkäsungszulage gemäss den Konditionen der jeweiligen Erstmilchkäufer.  Der SPP entspricht dem Basismischpreis (mengengewichteter Durchschnittsmilchpreis der Preissegmente) zuzüglich der Summe aller Zuschläge und Abzüge. Basis für die Kalkulation des SPP bilden die Milchkaufverträge sowie die Angaben der Erstmilchkäufer, und als Kontrolle die Milchgeldabrechnungen der Milchpreismelder.
Im realisierten Milchpreis sind alle ausbezahlten milchpreisrelevanten Milchpreisbestandteile enthalten, ausgenommen die Siloverzichtszulage bei Käsereimilch (diese wird separat ausgewiesen). Die Lademengen und Gehalte entsprechen dem Durchschnitt aller im SMP-Milchpreismonitoring erfassten Preismelder. Allfällige Qualitätsabzüge für eine von den Eckwerten abweichende Milchqualität sind nicht enthalten. Basis für die Kalkulation sind die Milchgeldabrechnungen der Milchpreismelder.
SMP
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