Freitag, 22. Januar 2021
05.01.2021 13:44
Wirtschaft

Tiefpunkt erreicht: Teuerung dürfte positiv werden

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Von: awp/blu

Das Leben in der Schweiz ist im vergangenen Jahr günstiger geworden. 2021 wird sich das kaum wiederholen.

Die durchschnittliche Jahresteuerung betrug 2020 -0,7 Prozent, wie das Bundesamt für Statistik am Dienstag mitteilte. Das letzte Mal war sie im Jahr 2016 negativ.

Starker Franken dämpfte

Gespürt haben dies Herr und Frau Schweizer primär an der Tankstelle sowie beim Kauf von Heizöl. Ein Hauptgrund für das rückläufige Preisniveau seien tiefere Preise für Erdölprodukte gewesen, so das BFS. Zudem hätten sich in der Statistik tiefere Preise für Pauschalreisen und im Luftverkehr niedergeschlagen. Auf der anderen Seite seien die Preise für Wohnungsmieten und für Automobile gestiegen.

Eine Rolle spielte bekanntlich auch der Schweizer Franken, der mit seiner zeitweisen Stärke im Jahresverlauf die Inflation dämpfte. Dies trug – neben dem Erdöleffekt – dazu bei, dass sich hauptsächlich Importgüter verbilligten (-2,9%), während sich die Preise für einheimische Ware insgesamt kaum veränderten.

«Tiefpunkt ist erreicht»

Ökonomen gehen davon aus, dass sich die Geschichte 2021 nicht wiederholen wird. «Wir sehen den Tiefpunkt der Jahresrate nun erreicht», heisst es in einem Kommentar von Raiffeisen. Das Institut erwartet für 2021 eine durchschnittliche Jahresteuerung von +0,2 Prozent. Andere befragte Experten schätzen Werte von ebenfalls +0,2 bis +0,5 Prozent.

Konkret wird unisono erwartet, dass die monatlich berechnete Inflation im Frühling ins positive Terrain vorstossen wird. Im letzten Jahr hatte die Inflation einzig im Januar leicht angezogen. Danach waren zeitweise Monatswerte von bis zu -1,3 Prozent erreicht worden.

Inflation und Deflation

In einer Marktwirtschaft können sich die Preise für Waren und Dienstleistungen jederzeit ändern – einige Preise steigen, während andere fallen. Erhöhen sich die Güterpreise allgemein, und nicht nur die Preise einzelner Produkte, so spricht man von «Inflation». Wächst die Geldmenge in einem Land schneller als die Produktion dort, steigt die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen an. Dadurch erhöhen sich schliesslich die Durchschnittspreise.

Ist dies der Fall, so kann man für einen Franken weniger kaufen oder anders ausgedrückt: Ein Franken ist dann weniger wert als zuvor.

Bei der Deflation sinkt langfristig das allgemeine Preisniveau ab, dadurch steigt die Kaufkraft des Geldes – es ist mehr wert. Das Angebot an Waren und Dienstleistungen ist grösser als die Nachfrage. Dadurch sinken die Preise immer weiter. Für die gesamte Wirtschaft des Landes kann das mittel- und langfristig zu Insolvenzen, steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen führen. 

Auslaufende Ölpreis-Effekte

Der Hauptgrund für die anziehende Inflation im Jahresverlauf 2021 sei aber weniger eine Preisdynamik, sondern die auslaufenden Ölpreis-Effekte aus dem Vorjahr, meint CS-Ökonom Maxime Botteron. Alessandro Bee von der UBS erinnert daran, dass ein Fass Rohöl im letzten Frühling zeitweise um die 20 Dollar kostete, für den Frühling 2021 erwartet er nun Preise von um die 45 Dollar.

«Zudem rechnen wir mit einem leicht schwächeren Schweizer Franken, was die Deflationstendenzen der Auslandprodukte dämpfen dürfte», ergänzt David Marmet von der ZKB.

Etwas helfen könnte laut Raiffeisen-Experte Alexander Koch auch die Mineralölsteuererhöhung, die bereits im Januar einen gewissen Effekt haben dürfte. Grosse Inflationssprünge seien aber nicht zu erwarten, meint er. «Die angeschlagene Konjunktur und vielerorts tief ausgelastete Kapazitäten bedeuten geringen Preisdruck.»

Früherer Ausverkauf?

An der Prognose für eine baldige «Inflationswende» ändert auch nichts, dass die Jahresteuerung im Dezember 2020 überraschend tief ausfiel (-0,8%). Diese Entwicklung sollte laut den Effekten nicht überschätzt werden. «Ich kann mir gut vorstellen, dass der Detailhandel aufgrund der heutigen Ausnahmesituation schon früher als sonst die Preise senkte», meint etwa UBS-Experte Bee.

Die Prognosen für 2021 sind gleichwohl mit einer etwas höheren Unsicherheit behaftet. Das liegt auch daran, dass das Bundesamt für Statistik im Rahmen einer regelmässigen Revision den Warenkorb des Landesindex für Konsumentenpreise angepasst hat. Ab 2021 werden neu etwa Einweg-Hygienemasken, Glücksspiele oder Elektrofahrräder mitberücksichtigt.

Individueller Teuerungsrechner

Wer es ganz genau wissen will, kann im übrigen nun mit einem individuellen Teuerungsrechner seine «persönliche Inflation» berechnen. Die offizielle Inflation ist bekanntlich nur ein Durchschnitt, der für alle Haushalte gilt.

Wer also den Eindruck hat, dass die veröffentlichte Teuerung nicht mit seiner eigenen übereinstimmt, kann den Warenkorb seinen eigenen Ausgaben anpassen

-> https://lik-app.bfs.admin.ch/de/itr

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