Montag, 8. März 2021
26.01.2021 14:14
Milchmarkt

«Über Milchimporte Preis diktieren»

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Von: blu

Das Gesuch der Käserei Imlig für den Import von drei Millionen Kilo Milch hat in der Branche ein Beben ausgelöst. Gemäss BIG-M ist das Gesuch für drei Jahre gültig. Damit werde die Position der Verarbeiter weiter gestärkt, warnt die Bauernorganisation.

Die Milcheinlieferungen in der Schweiz lagen in den vergangenen Monaten in der Höhe des Vorjahres. Die Preise sind in dieser Zeit leicht gestiegen. Die Zentralschweizer Milchproduzenten beispielsweise haben den Basispreis per 1. Januar 2021 um 1,5 Rappen auf 57 Rappen pro Kilo Milch erhöht. Das ist der höchste Wert seit sechs Jahren.

Für Halbhartkäse

Einige Verarbeiter suchen deshalb nach alternativen Beschaffungswegen. So auch die Käserei Imlig aus Oberriet SG. Neu ist, dass Frischmilch für die Herstellung von Halbhartkäse für den deutschen Markt importiert werden soll. Bei der Eidgenössischen Zollverwaltung wurde im Dezember ein Gesuch für die Einfuhr von drei Millionen Kilo Milch im aktiven Veredlungsverkehr eingereicht.

Dieses Gesuch gab in der Milchbranche viel Gesprächsstoff. Produzentenorganisationen sind massiv verärgert. «Eine Zulassung würde eine Aufweichung des Grenzschutzes für den Milchmarkt bedeuten», sagte Reto Burkhardt, Sprecher bei den Schweizer Milchproduzenten (SMP), gegenüber «Schweizer Bauer». Obschon der Halbhartkäse nicht das Schweizer Kreuz wird tragen dürfen, werde dieser Swissness-Produkte konkurrenzieren. 

Gemäss VMMO will Imlig mit dieser Frischmilch Halbhartkäse für deutsche Discounter produzieren.
SCM

Kein Milchmangel

Auch die Genossenschaft Vereinigte Milchbauern Mitte-Ost (VMMO), die die Interessen der Ostschweizer Milchproduzenten vertritt, ist über das Gesuch irritiert und verärgert. «Käse ist das wichtigste Produkt der Schweizer Milchwirtschaft. 2019 sind 44,5% der Milch zu Käse verarbeitet worden, 39% der Schweizer Käseproduktion wurde exportiert», heisst es in einer Mitteilung von vergangener Woche.

Gemäss VMMO will Imlig mit dieser Frischmilch Halbhartkäse für deutsche Discounter produzieren. «Es ist inakzeptabel, wenn nun eine Schweizer Käserei durch die Verarbeitung von Importmilch unsere Käseexporte direkt konkurrenziert», kritisiert die Genossenschaft.

SMP und VMMO weisen zudem darauf hin, dass in der Schweiz kein Milchmangel herrsche. Es sei eine Frage des Preises. «Die Motivation des Importgesuchs ist rein wirtschaftlich und zielt nur darauf ab, mit möglichst günstiger Milch in der Schweiz Käse zu produzieren», stellt VMMO klar. Solches Verhalten soll nicht belohnt werden.

Die Milchproduktion liegt in etwa auf der Höhe des Vorjahres.
TSM

Verarbeiter wollen Preis diktieren

Für BIG-M überschreitet die «Milchkrise» mit dem Importgesuch eine neue Schwelle. Die sei eine klare Ansage, dass die Verarbeiter die Macht im Milchmarkt um jeden Preis erhalten wollten. Für BIG-M ist klar: Die Verarbeiter und der Handel wollen den Preis diktieren.

Denn gemäss BIG-M soll die Bewilligung für den Milchimport für drei Jahre gelten. Für die Bauernorganisation ist das für die Milchbauern eine Gefahr: «In jeder Milchkaufsverhandlung kann Imlig damit drohen, für den Exportkäse die Milch nicht in der Schweiz einzukaufen, sondern diese zu importieren.»

Ist ein Milchimport eine Gefahr für die Produzenten?
Ja, das reisst den Grenzschutz ein
86%
329
Nein, keine Gefahr für die Bauern
11%
44
Weiss nicht
3%
10

«Andere Käsereien werden folgen»

Sollte das Gesuch von der Zollverwaltung bewilligt, befürchtet BIG-M einen Dammbruch. Denn andere Käsereien würden dem «Schelmenstück» von Imlig folgen. «Damit wären jegliche Bemühungen für eine nachhaltige Milchwirtschaft für die Katz», warnt BIG-M.

Die Organisation kritisiert auch den Bund. Mit tiefen Produzentenpreisen seien agrarpolitische Ziele nicht umsetzbar. «Höhere Auflagen in der Milchproduktion können nur über einen besseren Milchpreis entschädigt werden», schreibt BIG-M in ihrem jüngsten Newsletter. Dazu brauche es faire Regeln im Milchmarkt und einen minimal funktionierenden Grenzschutz.

8 Responses

  1. Wenn das Gesuch bewilligt wird, werde ich mir ernsthaft überlegen mit der Milchproduktion aufzuhören.
    Dann werden viele Käser Milch importieren, die Milchpeise purzeln hinunter.

  2. Ein Staudamm behindert den natürlichen Lauf des Wassers. Wenn er an einer kleinen Stelle beschädigt wird, wird er bald ganz einbrechen.
    So ist es auch beim Grenzschutz für Milch. Diejenigen, die den Veredlungsverkehr verhindern wollen, wissen genau, dass der Grenzschutz aus der Zeit gefallen ist. Wenn dieses veraltete Bollwerk nur leicht beschädigt wird (was beim Veredlungsverkehr nicht einmal passiert) wird der Einsturz dieses Ruine (bzw. Kartenhauses) befürchtet.

  3. Ich hoffe fest das die Milchlieferanten von der Käserei Imlig diesen zur Rechenschaft ziehen
    den dieser ist sich nicht bewusst das den Milchbauern jetzt schon der Strick am Hals ist
    und die Käserei Imlig ist noch bereit daran zu ziehen

  4. Schon die Butter aus der EU war vom Konsumenten nicht akzeptiert… Billigkäse aus der Schweiz in der EU wird dem Original ebenso schaden…. am Schluss wird ein findiger Produzent die EU Milch zu den Akpsennereien karren….

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