Samstag, 15. Mai 2021
22.04.2021 09:22
Biolandbau

«Wenn Leute die Wahl haben, greifen sie zu Bio»

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Von: Jonas Ingold, lid

Der Bio-Absatz ist letztes Jahr deutlich gestiegen. Bio-Suisse-Präsident Urs Brändli ist überzeugt, dass der Nachhaltigkeits-Trend anhält und will ein Bio-Offensive in der Gemeinschaftsgastronomie.

20 Prozent mehr Bio-Absatz, Weltrekord beim Pro-Kopf-Konsum. Lief das Jahr 2020 für Bio Suisse marktmässig perfekt? 
Urs Brändli: Es war vom Absatz her sicher ein fantastisches Jahr. Schlussendlich bedrückt und belastet die Corona-Situation dennoch. Deshalb sind wir auch nicht in Jubelstimmung. Wir freuen uns aber enorm über die Zunahme. Sie zeigt deutlich, dass die Leute eher zu Bio greifen, wenn sie die Wahl haben und sich nicht ausser Haus verpflegen müssen.

Wird der Trend zu mehr Nachhaltigkeit anhalten, wenn die Pandemie vorbei ist?
Davon bin ich völlig überzeugt. Wir haben weltweit drängende Probleme wie Klimawandel, Biodiversität oder Gewässerverschmutzung. Es kommt eine neue Generation, die sich stark mit diesen Themen auseinandersetzt. Vor der Corona-Pandemie war diese sehr aktiv und ging auf die Strasse. Diese Jungen zeigen sich jetzt mit den Älteren solidarisch und nehmen Rücksicht. Sie erwarten, dass die Älteren sich dann auch solidarisch gegenüber unserer Zukunft verhalten. Diese Entwicklung wird auf jeden Fall weitergehen.

Die Schweizer Bio-Fläche liegt bei gut 172’000 Hektaren.
lid

Tierwohl ist auch ein Thema, das immer ganz oben bei den Konsumentenwünschen steht. Der Marktanteil von Bio-Fleisch liegt laut den neuesten Bio-Suisse-Zahlen bei nur 6,2 Prozent. Was sind die Gründe dafür?Wir haben in der Schweiz den Vorteil für die Konsumenten und den Nachteil für Bio, dass es neben Bio weitere nachhaltige und vor allem tierwohlgerechte Labels im Fleischbereich gibt. So wie Mutterkuh Schweiz, das eine tierfreundliche Haltung garantiert. Am Markt ist das natürlich Konkurrenz für uns.  Es kommt hinzu, dass Konsumentinnen und Konsumenten, die bewusst Bio konsumieren, nicht besonders fleischaffin sind. Sie essen lieber zweimal in der Woche, statt zweimal am Tag Fleisch

Sie haben den Ausser-Haus-Konsum erwähnt. Bio Suisse setzt den Fokus dort auf die Gemeinschaftsgastronomie. Weshalb?
Beispiele aus dem Ausland zeigen, dass dort am schnellsten Erfolge erzielt werden können. Erstens geht es um eine grosse Anzahl an Essen, die in Schulen, Spitälern oder Heimen jeden Tag konsumiert werden. Und zweitens hat in diesem Bereich die Politik einen grossen Einfluss. Gerade Städte sehen immer mehr, dass sie nicht nur bei Verkehr oder Energie einen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit machen müssen, sondern auch beim Konsum. Sobald Politik und Institutionen das erkennen, können grosse Erfolge erzielt werden.

Und die normale Gastronomie ist für Bio zu preissensitiv?
Da sind jede Beiz und jedes Restaurant ein Fall für sich. Es hat sich aber in den letzten Jahren auch dort viel geändert.  Es gibt immer mehr Gastronomen, die ihren Gästen für die Herkunft der Produkte Gewähr bieten wollen. Ein erster Schritt sind dort meist regionale Produkte. Wenn Gastronomen sehen, dass Bio-Produkte gut ankommen, dann werden auch immer mehr diesen Weg gehen. Der Trend ist natürlich langsamer als in der Gemeinschaftsgastronomie, da nicht tausende Menüs auf einmal umgestellt werden können.

Sie haben an der Jahres-Medienkonferenz gesagt, dass die Bio-Bäuerinnen und -bauern ihr Ding durchziehen werden, egal wie die Abstimmungen zu den Agrarinitiativen ausfallen. Welches Ding sollen die Konsumentinnen und Konsumenten am 13. Juni durchziehen?
Wir respektieren jede Meinung, die wir im Verband haben. Die Meinungen über die Abstimmungen gehen nicht nur unter den Konsumentinnen und Konsumenten auseinander, sondern auch bei Bio Suisse. Ich sage: Die Welt ist, wie man isst. Wenn dementsprechend jede Person, die im Juni ein- oder zweimal Ja stimmt, sich auch beim Einkauf entsprechend verhält, haben wir eine sehr positive Entwicklung vor uns.

Bio-Konsum in der Schweiz

Schweizerinnen und Schweizer kauften letztes Jahr Bio-Lebensmittel im Wert von mehr als 3,8 Milliarden Franken, 2019 waren es erst 3,2 Milliarden gewesen. Marketing-Leiter Jürg Schenkel erklärte an der live aus Malans gestreamten Jahres-Medienkonferenz, dass er damit rechne, 2021 die 4-Milliarden-Grenze zu knacken.

Der Marktanteil der Bio-Lebensmittel beträgt 10,8 Prozent, 0,4 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Die höchsten Marktanteile weisen Eier mit 28,9 Prozent sowie Brot (26,2%) und Gemüse (23,9%) auf. Während im Detailhandel Bio seinen festen Platz hat, ist es in der Gastronomie spärlich vertreten. Bio Suisse will die Thematik angehen und sich dabei auf die Gemeinschaftsgastronomie konzentrieren, in welcher der Bio-Anteil gesteigert werden soll.

In der Schweiz wird mittlerweile jeder sechste Betrieb biologisch bewirtschaftet. Den grössten Zuwachs gab es letztes Jahr im Kanton Bern mit 36 neuen Bio-Betrieben.

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4 Responses

  1. Bio ist eine gute etikette.

    Kann mir aber jemand erklären was bei Bio den Einsatz des Schwermetalls Kupfer als Fungizid rechtfertigt?

    Oder wenn die Bio-Hofdünger nicht verfügbar sind, trotzdem von den normal wirtschaftenden Betrieben Hofdünger zugeführt werden können?

  2. Sorry Herr Brändli
    Aber dir hat es ins Hirn geschneit.
    Die Welt kann sich nicht mit Bio alleine ernähren.
    Und warum habt ihr nicht soviel Arsch um in denn Medien die Hauptverursacher der Gewässerverschmutzung mal blosszustellen?
    Wir alle Wissen es.

  3. Wir haben nach der Zusammenlegung Land erhalten wo vor ca. 120 Jahren Reben standen. Noch heute müssten die obersten 30 cm Humus in die sondermülldeponie…. kupferbelastung
    Jetzt haben wir in den konv. Zuckerrüben wider begonnen mit kupfer zu behandeln dä es immer weniger Wirkstoffe gibt.
    Ich frage mich schon ist das der richtige Weg?..

  4. Ich mag es den Bioproduzenten gönnen, wenn sie gute Preise für ihre Produkte erhalten. Sie nutzen die Nische von 10-15% gut.
    Die CH Konsumenten werden aber nie freiwillig mehr Bio konsumieren als sie wollen. Sogar aus dem Berner Mittelland fahren Einkaufstouristen nach D um vor allem Nichtbiolebensmittel einzukaufen.
    Wenn die Konsumenten wählen können, kaufen sie nicht um jeden Preis Bio.

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