Montag, 25. Oktober 2021
16.12.2020 13:38
Milchmarkt

Wiesenmilch ist gesünder

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Von: sal

Mehr Wiesenfutter bedeutet mehr Omega-3-Fettsäuren. Das bestätigt eine neue Studie von Agroscope und Hafl. Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass die Milch von Braunviehkühen mehr gesunde Fettsäuren aufweist.

«Der gesündeste Käse kommt von der Alp.» So titelte das Magazin «Der Gesundheitstipp» schon im Jahr 2007. Denn Alpkäse weise mehr Omega-3-Fettsäuren auf und mehr konjugierte Linolsäuren (CLA) als Talkäse. Die Forschungsanstalt Agroscope begründete dies seinerzeit damit, dass die Kühe auf der Alp während des Alpsommers nur frisches Grünfutter und kein Kraftfutter fressen. Dadurch habe es mehr gesunde Fette in der Milch und damit auch im Käse.

Dem Herz zuträglich

Jetzt haben Agroscope und die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (Hafl) in einer neuen Studie  diesen Zusammenhang bestätigt: Hohe Wiesenfutteranteile ergeben ernährungsphysiologisch vorteilhaftere Fettsäuren in der Milch. Omega-3-Fettsäuren können vom menschlichen Körper nicht selbst produziert werden, daher gelten Lebensmittel, die besonders reich an Omega-3-Fettsäuren sind, aus gesundheitlicher Sicht als besonders zuträglich.

Studien mit Zellkulturen und Tieren weisen darauf hin, dass CLA zahlreiche Vorteile für die Gesundheit mit sich bringen könnten wie z. B. Krebsprävention, weniger Körperfett, Verringerung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Senkung des Diabetes-Risikos. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass die Literatur über den gesundheitlichen Nutzen der CLA beim Menschen noch begrenzt sei.

Auch gut für den Darm

Im Wiesenmilchprojekt, das von der Schweizerischen Agentur für Innovationsförderung Innosuisse, IP-Suisse und vom Migros-Genossenschafts-Bund mitfinanziert wurde, wurde festgestellt, dass eine Erhöhung des Wiesenfutteranteils um 10 Prozentpunkte in der täglichen Gesamtration der Kühe, unabhängig von der Rasse der Tiere, zu einer Steigerung des Omega-3-Fettsäuregehalts um 0,082 g/100 g Fett führt.

Der Gehalt von CLA steigt demnach um 0,084 g/100 g Fett bei gleicher Zunahme des Wiesenfutteranteils. Drittens nehmen auch die verzweigtkettigen Fettsäuren zu, die eine wesentliche Rolle im menschlichen Darm spielen und auch im Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Fettleibigkeit und Entzündungen als gesundheitsfördernd gelten.

Braunvieh im Vorteil

Im Wiesenmilchprojekt wurde Hofmilch von drei Braunviehbetrieben und neun Rotfleckviehherden untersucht. Die Milch der untersuchten Braunviehherden hatte 0,31 g/100 g Fett mehr Omega-3-Fettsäuren und 0,17 g/100 g Fett mehr CLA und wies somit im Vergleich zur Milch der Rotfleckviehherden einen um 30 % höheren Gehalt an Omega-3- und einen 22 % höheren CLA-Gehalt auf. Dies gilt bei Wiesenfuttergehalten zwischen 70 % und 100 %. Auch im Proteingehalt wurden Unterschiede festgestellt.

Die Milch der untersuchten Braunviehherden hatte 0,96 g/100 g Protein mehr von dem für die Milchgerinnung bei der Käseherstellung wichtigen Kappa-Kasein und damit 14 % mehr als die Milch der Rotfleckviehherden. «Erstmals konnte aufgezeigt werden, dass sich Milch von Braunviehherden aus doppelter Sicht besonders gut für die Käseherstellung eignet. Zusätzlich zum bekannten höheren Anteil des Kappa-Kasein-Genotyps BB weist Milch von Braunvieh auch einen höheren Gehalt an Kappa-Kasein auf», schreiben die Studienautoren.

Anstrengungen sinnvoll 

Die Studie kommt zum Schluss, dass sich die Anstrengungen des Bundes und besonders der Label Biomilch, Heumilch und Wiesenmilch, den Wiesenfutteranteil in der Fütterung zu erhöhen, nicht nur aus Nachhaltigkeits- und Tierwohlgründen, sondern auch aus Sicht einer gesunden Ernährung lohnen.

Werden die drei täglich empfohlenen Portionen Milch- und Milchprodukte auf Basis von 90 % Wiesenfutter und mit Braunvieh produziert, so sind damit 37 % des Bedarfs an Omega-3-Fettsäuren gedeckt. Es nehmen ja nicht alle täglich Fisch oder Rapsöl zu sich. 

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7 Responses

  1. Das Problem ist nur, dass es auch schon Studien darüber gibt, dass mehr Omega3-Fettsäuren gar keine positive Wirkung auf Herz und Kreislauf haben.
    Man kann das zwar den Konsumenten im Moment noch so verkaufen, bräuchte aber dann in Zukunft bessere Argumente. Also ich würde da nicht zu stark auf dieses Pferd setzen… 😉

    1. Dass Unnützes eine Wirkung hat, kennen wir auch von den Heilmitteln. Es nennt sich „Placebo-Effekt“.
      Auch Wein ist besser, wenn die Etikette schön, wertig ist.
      Produkt von Aldi sind im Blindtest besser als solche von Globus. Sieh man die Etiketten, ist es genau umgekehrt.

      Leider kenn auch viele Wissenschafter und Journalistinnen diesen Effekt nicht (oder wollen ihn nicht kennen).
      Es wäre ja schrecklich, wenn Bio und „natürlich“ nicht besser wäre als 0-8-15……..

  2. Leider arbeiten die Milchverarbeiter mit Massenbilanzen, das heisst es ist nicht die Milch im Beutel, welche draufsteht. Übers Jahr gesehen sind dann die abgefüllten Anteile richtig.
    Solange das so ist, sehe ich keinen Grund für „gesündere“ Milch zu kaufen. Die Labels machen es sich etwas zu einfach!

  3. Bitte erklären sie einem Konsumenten einmal die Unterschiede in der Zusammensetzung der Milch zwischen den Labeln (Heu- Wiesen-, IP- Biomilch und der übrigen „ungesunden“ Milch!!???
    Ich als Verbraucher habe die Übersicht in diesem Label Dschungel verloren!!!!!

    1. Guten Tag Verbraucher,
      Ich habe darüber einen Artikel geschrieben: „Trinkmilcharten: Unterschiede in Milchfettgehalt, Haltbarmachung und Nachhaltigkeit.“ Er ist in der Schweizerischen Zeitschrift für Ernährungsmedizin, Ausgabe 17, (03), 2019, auf Seiten 20-22 erschienen. Er ist unter http://link.ira.agroscope.ch/de-CH/publication/41611 abrufbar. Auch Wiesenmilch wird wie Bio-Milch kontrolliert und zertifiziert. Es ist drin was draufsteht.

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