Samstag, 4. Dezember 2021
06.12.2020 09:34
Bern

Als die Kartoffel nur Blume war

Share on print
Share on email
Share on facebook
Share on twitter
Von: Oliver Metzler

Die aus Südamerika stammende Kartoffel fristete anfänglich in Blumentöpfen ihr Dasein. Erst hunderte Jahre später erkannte man ihren grossen Nährwert.

Am Anfang war die grosse Mutterkartoffel, die Sonne. Die Sonne spross und zeugte viele Knollen, die Planeten. Und eine dieser Knollen wurde zur Erde. Hoch oben in den Anden zeugte die Muttersonne dann eine Kartoffelknolle nach ihrem Ebenbild. Und so kam die Kartoffel zu den Menschen.

Vorurteile

Dieser Mythos der Inkas beschreibt wie die Kartoffel vor 10’000 Jahren als Nahrungsmittel entstanden sein soll. Erst im 16. Jahrhundert betrat dieses nahrhafte Nachtschattengewächs das europäische Festland. Lange Zeit wurde der Nährwert der Kartoffel aber nicht erkannt.

Auch mit Vorurteilen hatte sie zu kämpfen. Denn in der Bibel wird sie mit keinem Wort erwähnt. Und sie wächst unterirdisch. Also konnte sie kein Geschöpf Gottes, sondern nur des Teufels sein. Schweizer Gardisten sollen die Kartoffel in die Schweiz eingeführt haben.

Ursprung in den Anden

Im Hochland der Anden, nahe der peruanischen Stadt Cusco, lag das Zentrum des Inkareichs und auch der Ursprung der Kartoffel. Cusco liegt auf über 3400 Metern Höhe. Mais, das sonst als Grundnahrungsmittel gilt, kann auf dieser Höhe nicht mehr angebaut werden. Anders dagegen die Kartoffel. Nachdem sie lange nur als Wildpflanze geschätzt wurde, begann man sie vor 6000 Jahren zu kultivieren.


Da die Inkas auch viel Gold besassen, liess Karl V. das Reich von spanischen Söldnern zerstören. Um auf der Rückreise genügend Verpflegung zu haben, plünderten die Eroberer auch die Vorräte und nahmen damit die Kartoffel mit nach Europa. Auf der langen Schifffahrt erkrankten jene Matrosen an Skorbut, die sich nur von gepökeltem Fleisch ernährten. Wer zum Fleisch jedoch auch Kartoffeln ass, blieb gesund. Dass es wegen dem Vitamin C war wusste man noch nicht.

Verbreitung in Europa

In Quechua, der Sprache der Inkas, heisst die Kartoffel „papa“ (Knolle). In Europa wird mit „Papa“ jedoch der Papst bezeichnet. Von diesem Namen angeregt und von der medizinischen Wirkung überzeugt überreichte Philipp II. von Spanien 1565 eine der ersten Kartoffeln dem damaligen Papst Pius IV.. Dieser litt an Gicht und die Kartoffel hätte heilen sollen. Das tat sie aber nicht. Und so wurde die Kartoffel erstmals nur als Zierpflanze geschätzt.

Auf Interesse stiessen die farbigen Blüten, nicht aber der in der Erde vergrabene Apfel.
Erste Pflanzungen wurden im spanischen Sevilla angelegt. Über die spanischen Eroberungsfeldzüge gelang die Kartoffel auch nach Irland. Die Iren waren die ersten, die Kartoffeln ab 1606 als Hauptnahrungspflanze verwendeten. Durch die Hungersnöte, die der 30-jährige Krieg (1618-48) ausgelöst hattte, wurde die Kartoffel auch in Europa als alternative Nahrungsquelle erschlossen. Doch noch lange war die Kartoffel nicht selbstverständliches Nahrungsmittel.

Import in die Schweiz

Es finden sich zwei Erklärungen, wie die Kartoffel in die Schweiz gekommen sein soll. Einmal sollen es Händler gewesen sein, die im Elsass oder in Irland Geschäfte machten. Dann sollen Schweizer Gardisten die Knolle um 1590 in die Schweiz gebracht haben. 1596 verlieh der Basler Arzt Caspar Bauhin der Kartoffel den wissenschaftlichen Namen „solanum tuberosum“.

Der Erdapfel blieb aber auch in der Schweiz weitere 100 Jahre nur Topfpflanze oder Nahrung für die Schweine. Erst im Verlaufe des 18. Jahrhundert wurde der Härdöpfu selbstverständlicher Teil des Speiseplans. Im Berner Oberland soll sie ab 1702 angebaut worden sein, im Jura um 1750, im Mittelland erst in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die Kartoffelfäulnis in den 1840er Jahren war das letzte Hindernis, das sich dem Siegeszug des Erdapfels entgegenstellte.

Mehr zum Thema
Regionen

Die Luzerner Trauben waren mehrheitlich gesund, reif und zuckerreich.  - zvg Mit rund 230 Tonnen fiel die Traubenernte der Luzerner Winzerinnen und Winzer um 60 Prozent tiefer aus als in…

Regionen

Geplant ist der Bau von drei Anlagen mit einer Nabenhöhe von 120 Metern. - WorldInMyEyes Auf dem Stierenberg in Rickenbach LU soll eine Schutzzone gegen Windkraftanlagen errichtet wird. Die Stimmberechtigen…

Regionen

Die Verletzte wurde mit der Rega ins Kantonsspital geflogen.  - Rega In Erstfeld verunglückte eine junge Frau bei Forstarbeiten.  Eine junge Frau ist am Samstagnachmittag bei Forstarbeiten in Erstfeld UR…

Regionen

Für tierintensive Betriebe mit grossen Emissionen gilt die Schleppschlauchpflicht allerdings wie vorgesehen ab dem 1. Januar 2022. - Daniel Popp Das Luzerner Umweltdepartement hat in Absprache mit dem Regierungsrat eine…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SCHWEIZER BAUER

DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE