Sonntag, 29. Januar 2023
13.01.2023 11:44
Bern

Beeren, Flugzeuge und Strom: Grösster Solarpark 

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Von: blu/awp

Der Energiekonzern BKW und der Flughafen Bern arbeiten zusammen an einem grossen Projekt im Bereich nachhaltige Stromproduktion. Auf dem Areal des Flughafens soll die grösste Freiflächen-Solaranlage der Schweiz entstehen.

Auf rund 25 Hektaren sollen bis zu 35 Gigawattstunden Strom pro Jahr erzeugt werden – mit einem Winterstromanteil von rund 30 Prozent, wie die beiden Unternehmen am Freitag mitteilten. Die Jahresproduktion soll ausreichen, um 15’000 Haushalte mit Strom zu versorgen.

Die Investitionskosten beziffern sie auf rund 30 Millionen Franken. Insgesamt sollen über 63’000 Module installiert werden. Für den Netzanschluss sind keine neuen oberirdischen Leitungen nötig. Das Kraftwerk soll auf dem Gebiet der Gemeinde Belp entstehen. Belp liegt am Eingang des Gürbetals, 10 km von Bern entfernt. 

Kanton spricht von Win-Win-Situation

Nun beginne die Bewilligungsphase, teilen die beiden Unternehmen weiter mit. Die Behörden des Kantons und der Stadt Bern sowie der Standortgemeinde Belp hätten jedoch bereits positiv auf das Projekt reagiert. «Der Kanton Bern hat ein grosses Interesse am Ausbau von erneuerbaren Energien. Mit dem Solarenergievorhaben des Flughafens Bern-Belp liegt eine Win-Win-Situation vor, weil auch die zonenrechtlichen Voraussetzungen günstig sind. Wir werden deshalb so rasch wie möglich die Verankerung im kantonalen Richtplan inklusive Interessenabwägung angehen, um eine gute Grundlage für das Projekt zu schaffen», sagt Regierungsrätin Evi Allemann zum Projekt.

Auch die Stadt Bern als Grundeigentümerin ist gegenüber dem Projekt positiv eingestellt. «Es steht im Einklang mit den Nachhaltigkeitszielen der Stadt und des Fonds für Boden- und Wohnbaupolitik und führt zu höheren Baurechtszinsen. Wir werden in den weiteren Projektarbeiten eine konstruktive Rolle spielen», sagt Gemeinderat Michael Aebersold.

Die BKW will für den Solarpark mit dem Flughafen Bern eine gemeinsame Trägerschaft bilden, an welcher der Energiekonzern 51 Prozent und der Flughafen 49 Prozent halten sollen. Die beiden Unternehmen kennen sich zudem bereits aus anderen gemeinsamen Projekten: So errichtet die BKW derzeit im Auftrag des Flughafens eine Photovoltaikanlage auf zwei Gebäuden des Flughafens.

Die PV-Anlage wird auf dem eingezäunten Areal des Flughafens entstehen.
BKW

Auch im Mittelland möglich

Beim politisch forcierten Ausbau der erneuerbaren Energiequellen in der Schweiz stünden insbesondere auch grosse alpine Solaranlagen im Fokus, hiess es von den Initianten weiter. Das gemeinsame Projekt zeige aber, dass es auch im Mittelland geeignete Standorte für grosse Freiflächenanlagen gebe, mit denen sich erhebliche Mengen Strom erzeugen liessen – und das noch in bereits besiedeltem Gebiet und nahe bei Wirtschaftszentren. 

Der Flughafen stelle das Land während rund 25 Jahren zur Verfügung. Für BKW-Chef Robert Itschner passt das Projekt «hervorragend» zur Strategie der BKW: «Wir wollen die Produktion von erneuerbarem Strom in den nächsten Jahren weiter ausbauen, gerade auch mit Projekten in der Schweiz.» Und der Chef des Flughafens Bern, Urs Ryf, hält fest: «Wir planen, die bewilligte vierte Ausbauetappe südwestlich der Piste in redimensionierter Form zu realisieren. Gleichzeitig können wir 25 ha Land während rund 25 Jahren für die Produktion von Solarstrom zur Verfügung stellen und damit einen wesentlichen Beitrag an die Versorgungssicherheit und die Energiewende leisten.»

Keine Fruchtfolgeflächen – dreifache Nutzung

Die PV-Anlage wird auf dem eingezäunten Areal des Flughafens entstehen, auf den heutigen Graspisten und auf landwirtschaftlich genutztem Boden. «In diesem Bereich gibt es weder Fruchtfolgeflächen, noch sind aus planungs- und luftfahrtsrechtlichen Gründen andere Nutzungen möglich», schreiben der Flughafen und die BKW. Das Projekt verspreche nicht nur nachhaltig produzierte Energie. Weil ein Teil des Areals nicht mehr bewirtschaftet werden, entstünden neue Lebensräume.

Für die Landwirtschaft würden sich neue Möglichkeiten bieten, heisst es weiter. Statt Futterbau könne auf der Fläche neu Beerenkulturen kultiviert werden oder teils auf Weidewirtschaft für Schafe umgestellt werden. «Insgesamt ergibt sich dadurch eine dreifache Nutzung des Bodens: Zur Aviatik als unverändertes Kerngeschäft des Flughafens kommen die Energieproduktion, sowie die Landwirtschaft und Ökologie hinzu», halten die Unternehmen fest. Für den Flughafen entscheidend: Die motorisierte Aviatik wird nicht eingeschränkt. 

Machbarkeit geprüft

Nachdem die Machbarkeit für «BelpmoosSolar» geprüft und erstellt ist, beginnt nun die Projektierungs- und Bewilligungsphase. Der Flughafen Bern und die BKW sind überzeugt, dass diese Verfahren auch ohne gesetzliche Erleichterungen zügig durchgeführt werden können.

Mit einem Anteil von 10 Prozent ist die BKW eine der grössten Aktionäre der Flughafen Bern AG. Bern sei nicht der erste Flughafen, der sein Areal für die Gewinnung von Sonnenstrom nutzen will. So verfüge etwa der Wiener Flughafen bereits über eine Freiflächenanlage mit ähnlichen Dimensionen.

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3 Responses

  1. Totaler Verhältnissblödsinn 25 ha für 150000 Haushalte! Einmal mehr gehts nur ums Geld. Da wird nie und nimmer soviel Strom produziert wie Ressourcen verschwendet werden für Panels, Konstruktion, Beton, Erschliessung…
    Damit wird auch eine Grenze überschritten auf Fruchtfolgeflächen nicht halt zu machen.

  2. Warum kann man das Land nicht der Landwirtschaft zurück geben und Fruchtfolgeflächen daraus machen? Überall wird nur noch zugepflastert und renaturiert was das zeug hält! Die Landwirtschaft verliert immer mehr Fläche! Auch wenn diese Fläche momentan Flughafenareal ist so kann man diese umzonen und wieder FF daraus machen! Die BKW wird immer gieriger! Es gibt mehr als genügend Dachflächen um Strom zu Produzieren! Dafür braucht man keine Freiflächenanlagen im Tal!

  3. Ich habe sicher nichts gegen Solaranlagen ansich,ABER wenn ein Aelper einen Holzsteg ueber ein(kleines)Moos legt,wird Er als Verbrecher eingeklagt!E

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