Dienstag, 15. Juni 2021
16.05.2021 11:00
Weltacker

Die Welt auf 2000 Quadratmetern 

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Von: sal

In Zollikofen BE wurde am Samstag der dritte Weltacker der Schweiz eröffnet. Auf 2000 Quadratmetern sind die verschiedenen Ackerkulturen weltweit massstäblich nachgebildet. Er ruft unter anderem die Knappheit der Ressource Boden in Erinnerung. 

Der Standort beim Inforama Rütti liegt in einer Oase, wie es Inforama-Direktor Kevin Koch ausdrückt. Dort hat es noch einige Hektaren Kulturland, Ackerland. Ringsherum sind Autobahn, Eisenbahnlinie, Industriebauten, Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser (soeben entstehen einige weitere).

Koch hat auf Anfrage von Hans Reinhard das Land für den Weltacker Bern gerne zur Verfügung gestellt, weil es ihm ein grosses Anliegen ist, Brücken zu schlagen – zwischen der Landwirtschaft und der Gesellschaft, zwischen Stadt und Land  – und das gegenseitige Verständnis zu verbessern.  

Idealer Standort zwischen Stadt und Land

Am Eröffnungsanlass am Samstagmittag war ersichtlich, wieviele Menschen dort vorbeikommen: Spaziergänger, mit und ohne Hund, Familien, Velofahrer, Jogger, Jüngere und Ältere. Sie alle können nun direkt neben Parkplatz und Inforama-Schweinestall schauen, welche Kulturen weltweit auf dem Ackerland wachsen. Das ist nämlich auch von ausserhalb des speziellen Zauns aus Haselholz zu sehen, den die Gruppe der IP-Suisse-Pioniere erstellt hat.

Die erklärenden Schilder sind in grosser Schrift so aufgestellt, dass alle es lesen können. Schulklassen aus der Stadt Bern haben nicht weit nach Zollikofen und werden kommen, wie Gemeinderätin Franziska Teuscher an der Gründungsversammlung im Oktober ankündigte. Und natürlich werden auch Personen aus dem Agrarcluster Zollikofen den Weltacker besuchen, so auch Inforama-Lernende. 

2000 m2 Ackerland pro Kopf 

«In den sieben Monaten seit der Gründung ist sehr viel gearbeitet worden, sodass wir heute die Eröffnung feiern können.  Das ist eindrücklich, herzliche Gratulation und besten Dank», sagte Peter Gäumann, Landwirt in Port BE und Präsident der Oekonomischen Gesellschaft des Kantons Bern (OGG Bern), welche dieses Projekt initiiert hat und massgeblich mitfinanziert und die auch den «Schweizer Bauer» herausgibt. Die Idee dazu hatte OGG-Geschäftsführer Franz Hofer, nachdem er Angela Mastronardi kennengelernt hatte.

Auf einem Weltacker werden auf 2000 Quadratmetern die wichtigsten Ackerkulturen abgebildet, und zwar in dem Anteil, den sie weltweit ausmachen. 2000 Quadratmeter ist er gross, weil das der Umfang an Ackerland ist, der weltweit pro Kopf zur Verfügung steht für die 7,5 Milliarden Menschen. (In der Schweiz sind es weniger, da sind es nur rund 480 Quadratmeter). 

Parallenen zu Friedrich Traugott Wahlen 

Hans Reinhard rief bei der Eröffnung in Erinnerung, unweit vom Gedenkstein für Friedrich Traugott Wahlen und unweit von der Wahlen-Allee stehend, wie Wahlen als leitender Mitarbeiter im Eidgenössischen Kriegsernährungsamt  während des Zweiten Weltkriegs darauf geachtet hatte, dass möglichst viel Kulturen angebaut werden, die möglichst viele Leute ernähren können – wie es bei der Kartoffel der Fall ist und wie das in Zeiten steigender Weltbevölkerung und rückläufigem Ackerland immer noch ein Gebot der Stunde ist.

Als hoher Mitarbeiter der UNO-Organisation für Landwirtschaft (FAO) hatte Wahlen auch eine globale Perspektive, wie ihn der Weltacker aufweist, auch dies eine Parallele. 

«Jeder Bissen hat seinen Ort»

Das dreiköpfige Kernteam führte am Samstag über das Areal des Weltackers. Die Kommunikationsbeauftragte Dietlind Haarbrücker führte aus, dass nur ein Zweiunddreissigstel der Erdoberfläche Ackerland ist und dass die Idee eines Weltacker sei, den Besuchern verschiedene globale Herausforderungen näherzubringen.

Wichtige Aussagen der Weltackerbewegung seien: Es ist genug für alle da, jeder Bissen hat seinen Ort (alles Essen kommt von irgendwo her), und die Frage: Wieviel verbrauchen wir? Auf dem Weltacker Bern würden Themen wie die Ressource Boden, Biodiversität/Bestäubung, graue Energie und Food Waste thematisiert. 

«Kein Mahnfinger-Projekt» 

Der Ackerbeauftragte Martin Huggenberger ist gelernter Landwirt und Gemüsegärtner.  Er ist in einem 50%-Pensum angestellt und darf auf Tipps von Peter und Rosemarie Zimmermann zählen, die auf ihrem Hof in Attiswil BE einen Weltacker betreuen. Hilfe hat Huggenberger von Freiwilligen, bereits fanden zwei sogenannte Mitmachtage statt. Gearbeitet wird auf dem Weltacker biologisch, also ohne jede synthetische Pflanzenschutzmittel, und viel von Hand.

Huggenberger führte über die Kulturen und erklärte etwa, was das kleine rosa Schwein auf der Sojafläche soll. Dieses verweist darauf, dass rund 38% der weltweiten Ackerfläche nicht direkt für die menschliche Ernährung, sondern für Tierfutter genutzt werden, was weniger menschlich verwertbare Kalorien ergibt. Huggenberger sagte aber keineswegs, es sei falsch, Tierfutter anzubauen und Tiere zu halten, entscheidend sei das Mass, und der Weltacker sei auch kein Mahnfingerprojekt. 

Schulklassen werden kommen

Zum Nachdenken anregen soll der Weltacker aber natürlich, wie die Bildungsverantwortliche Anina Mauron bekräftigte. Nächste Woche schon kommt die erste Schulklasse auf den Weltacker, und zwar für einen ganzen Vormittag.

Die Schülerinnen und Schüler werden staunen ob der zahlreichen Kulturen und das Bodenfester, das Wurzelfenster, den Asthaufen, den Steinhaufen, eine verbuddelte Unterhose (die Teil eines schweizweiten Agroscope-Projekts ist) und den Bienenstock entdecken. Mauron zählte auf: Es gibt öffentliche Führungen für alle interessierten Personen, private Führungen können selbstverständlich gebucht werden, es gibt Mitmachtage für die Ackerarbeiten, es wird ein Erntefest geben und und und. Informationen dazu gibt es auf der Website des Weltacker Bern

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