Donnerstag, 8. Dezember 2022
13.09.2022 18:30
Nachruf 

Ueli, du fehlst! 

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Von: sam

Völlig unerwartet ist am Samstag, 10. September, Grossrat und Meisterlandwirt Ueli Abplanalp aus Brienzwiler an Chästeilet auf der Mägisalp verstorben. Sein Grossratskollege Samuel Krähenbühl würdigt in einem Nachruf seinen Kollegen.

Der Schock sass tief: Am Sonntagmittag erreichte uns von der SVP-Fraktion im Berner Grossen Rat per E-Mail die Nachricht, dass unser Fraktionskollege Ueli Abplanalp am Samstag völlig unerwartet verschieden ist. Ueli Abplanalp ist dort verstorben, wo es ihm am wohlsten war: Im Einsatz als Jodler an einem Chästeilet auf der Mägisalp, Hasliberg. Ueli war leidenschaftlicher Bergler und Sänger.

Im Grossen Rat hatte er aus verschiedenen politischen Parteien Kunden, welche ihm jeweils Berner Alpkäse abkaufte. Noch in der vergangenen Woche hatte er während der Session Grossratskollege Ruedi Fischer (SVP, Bätterkinden) Alpkäse gebracht. «Du kannst den Käse dann nächste Woche bezahlen», habe er zu ihm gesagt, berichtete Fischer – nicht ganz trockenen Auges.

Hinterlässt fünf Kinder 

Das zeigt: Niemand, auch nicht er selber, hat damit gerechnet, dass der am 9. November 1971 geborene, stets vital wirkende Abplanalp, so unerwartet aus dem vollen Leben scheiden würde. Er hinterlässt Ehefrau und fünf Kinder, wovon drei noch im Kleinkindalter sind. Mit einem der älteren Söhne aus erster Ehe führte er den Bio-Milchwirtschaftsbetrieb in Brienzwiler.

Vorstoss zusammen mit Krähenbühl

Am Donnerstag, 8. September am Nachmittag und somit nur gerade zwei Tage vor seinem Hinschied, vertraten er und der Schreibende noch gemeinsam einen Vorstoss im Plenum des Grossen Rates. Das Postulat mit dem Titel «Ausbildungsstandort Grosstier-Veterinärausbildung» wurde grossmehrheitlich überwiesen. Demnach wird der Regierungsrat beauftragt, die ehemalige Landwirtschaftsschule Schwand, Münsingen, als neuen Standort für die Grosstier-Veterinärabteilung zu prüfen. Er wirkte dabei wie gewohnt ruhig, sachlich und dossierfest.

Aktiv in der Bildungspolitik

Neben der Landwirtschaft war politisch die Bildung sein zweites Standbein. Als er 2018 in den Grossen Rat gewählt wurde, kam er in die Bildungskommission, wo er und der Schreibende vier Jahre lang eng zusammengearbeitet haben. Abplanalp hat sich sehr rasch in die ihm nicht von Haus aus geläufige Materie eingearbeitet. Stets kam er gut vorbereitet in die Sitzungen und durchdrang inhaltlich die nicht immer einfache Materie der Bildungspolitik.

So setzte er sich beispielsweise intensiv mit den finanziellen Fehlanreizen bei der Hochschulfinanzierung auseinander, wo er erkannte, dass etwa die Universität Bern aufgrund der Finanzierung der Infrastruktur aus Staatsmitteln mehr Interesse an ausserkantonalen Studentinnen und Studenten hat, als für den Kanton Bern interessant war. In der neuen Legislatur ab Sommer dieses Jahres amtete er als Nachfolger des Schreibenden als Präsident der SVP-internen Bildungskommission.

Der schönste Dialekt im Grossen Rat 

Auch Kulturbereich hat er sich sehr engagiert. So vertrat er noch in der letzten Sessionswoche, an der er teilnahm, einen Kürzungsantrag bei der Berner Design Stiftung. Der eine oder andere Vertreter aus der Verwaltung mögen überrascht gewesen sein, wie gut informiert der einfach scheinende Oberländer Bergbauer war. Seine Anliegen vertrat in der Art des Berglers stets hartnäckig und beharrlich, aber auch immer anständig. Die lauten Töne waren nie seine Sache. Das heisst aber nicht, dass er nicht gehört wurde. Nicht nur inhaltlich. Auch sein Dialekt wurde gerne gehört. Ja, es hiess, er habe den schönsten Dialekt im ganzen Grossen Rat.

Neben der Agrar- und Bildungspolitik hatte der Verstorbene als Stimmenzähler noch ein drittes Standbein im Grossen Rat. Dieses Amt erfordert eine grosse Disziplin. Stimmenzähler sollten pünktlich zu Sitzungsbeginn im Ratssaal sein, was bei Ueli stets der Fall war.

Kassier von Alpgenossenschaft 

Auch ausserhalb des Grossen Rates hatte der Verstorbene zahlreiche Ämter in verschiedenen Gremien. Er war Vorstandsmitglied der Berner Waldbesitzer (seit 2018), Präsident des Vereins Ehemalige Brienz/Hondrich (seit 2015), Erhebungsstellenleiter Brienzwiler (seit 1997), Kassier Alpgenossenschaft Oltscheren (seit 1999), Sekretär Schwellenkorporation Aareboden Brienz (2000-2015), Präsident Bauernvereinigung Brienz-Oberhasli (2001-2009).

Wenn ein Mann im besten Alter aus dem Leben gerissen wird, hinterlässt er immer eine Lücke. Auf seinem leeren Platz in der zweiten Sessionswoche vor dem Grossratspräsidenten brennt bis Ende der Session eine Kerze. In den Herzen derer, welche ihn gekannt und geschätzt haben, wird die Erinnerung nie erlöschen. Namentlich bei seinen Angehörigen, denen ich an dieser Stelle von Herzen kondoliere!

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