Freitag, 23. Juli 2021
24.06.2021 18:01
Luzern

Das Brotgetreide kommt zu 100% aus der Region

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Von: abi

Die Wicki Mühle AG stellt sowohl Futtermittel als auch Mehl her. Seit dem Jahr 2000 wird sie in dritter Generation geführt.

 

Beim Rundgang mit dem 49-jährigen Guido Wicki spürt man sofort: Er ist mit Leib und Seele Müller! Die Mühle besteht seit rund 700 Jahren und ist seit etwa 110 Jahren im Besitz der Familie Wicki. Nach seiner breit gefächerten Ausbildung zum Müller Fachrichtung Lebensmittel, einer Handelsschule, den Abschlüssen zum Futtermitteltechniker und zum Technischen Kaufmann hat Wicki den Betrieb von seinem Vater übernommen.

Begehrtes Futter

Für die Futtermittelproduktion verwendet er Gerste, Mais, Weizen und Hafer als Hauptgetreide. 40% davon werden im Inland gekauft, der Rest wird über Händler importiert. Seine Rezepturen rechnet Kunz Kunath aus. «Als Lizenznehmer dieses Futtermittelfabrikanten bin ich autonom und unabhängig, ich bestimme selbst, was ich wo einkaufen will», betont Wicki. Soja und Raps sind Haupteiweissträger, welche in der Mühle verwendet werden.

«Wir verwenden auch Nachprodukte aus der Lebensmittelverarbeitung wie Apfeltrester oder jene der Mehlmühle wie Kleie sowie andere Komponenten wie Erbsen, Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Diese werden vom Lizenzgeber bezogen. Beigemischt werden ebenfalls Lebensmittelfette, Sojaöl, Rapsöl und Melasse. Das Getreide wird nach dem Einkauf von uns gemahlen, gemischt, gewürfelt, oder es werden Krümel hergestellt. Diese sind klein und kompakt, was beispielsweise bei Hühner- oder Schweinebetrieben beliebt ist», erklärt der Müller.

Rund hundert verschiedene Rezepturen von Futtermitteln für Schweine, Geflügel, Kälber, Schafe, Ziegen oder Kaninchen stellt er her. Die Futtermittel werden lose, in Paloxen, Big Bags oder gesackt geliefert. Abnehmer sind meist Bauern und Bäuerinnen. Rund 90% der Futtermittel bleiben im Entlebuch. «Durch Mundpropaganda sind wir kontinuierlich gewachsen», freut sich Wicki und betont: «Es ist eine logistische Herausforderung, die Futtermischungen herzustellen, denn Futtermittel sollen frisch gemahlen und schnell ausgeliefert werden.»

Beliebtes Mehl

Für die Mehlmühle bezieht die Wicki Mühle ihr Getreide zu 100% aus der Region Luzern. Zwischen 30 und 40 Sorten Mehl werden hergestellt, deshalb ist die Mühle auf zwei Schichten ausgelegt und läuft rund 13 Stunden am Tag, oft auch am Wochenende. «Wenn meine Arbeiter Feierabend haben, kann ich die Anlagen weiter überwachen», erzählt Wicki mit spürbarer Leidenschaft. In der Mühle arbeiten sieben Personen je 100%. «Teilweise produzieren wir kundenspezifisch, probieren Neues aus und machen sogar Backversuche», verrät er, und seine Frau Nadja Wicki ergänzt: «Leider haben wir viel zu wenig Zeit für Experimente. Ideen haben wir noch ganz viele!»

Sie mahlen oder schroten vor allem Weizen, Dinkel, Urdinkel und Roggen. «Einige Private kaufen Schrot, andere ganzes Getreide und mahlen es selbst», weiss die Müllerin. Geliefert werden die Mehle lose, gesackt à 500g, 1kg, 5, 10 und 25 kg. Ausgeliefert wird bis rund 40Kilometer rund um die Mühle. Abnehmerinnen sind Bäckereien, Gastrobetriebe, Private und auch einige Wiederverkäufer. Grosser Beliebtheit erfreut sich ihr Lädeli auf dem Betrieb. Kuchenmischungen oder Flaschenbrot etwa werden in Eigenproduktionen mit eigenen Rezepturen hergestellt. In die Vermarktung des Mehls investiert Guido Wicki einige Zeit, pflegt bewährte Beziehungen und versucht, neue Kundschaft zu gewinnen.

Eigenhändig wacht das Ehepaar über die ganze Logistik, Fakturierung, den Verkauf sowie letzlich die Auslieferung ihrer Produkte. Dafür haben sie drei Lastwagen, öfters ist der Chef selbst damit unterwegs. Stolz sind sie auf ihre diversen Labels: Echt Entlebuch, AdR Luzern (Aus der Region Luzern), Biozertifiziert in Futter und Mehl, Urdinkel IPS, SG Swiss Getreide.

Nachfolge in Startlöchern

Während die jüngere Tochter Tabea (18) gerade die Matura abschliesst, beendet die ältere Tochter Julia (19) diesen Sommer die Zusatzausbildung zur Müllerin Tiernahrung. Zuvor hat sie bereits die Fachrichtung Lebensmittel abgeschlossen. «Julia ist sehr motiviert, im elterlichen Betrieb einzusteigen», sagt Guido Wicki voller Stolz.

Die heutige Zeit ist sehr bewegt. Durch Corona hatten sie beim Futter keine Umsatzeinbusse. Beim Mehl gab es eine Umlagerung zu Kleinpackungen. «Diese haben massiv zugenommen. Wir verkaufen auch mehr Produkte an Private, dafür sind gewisse Kanäle wie Gastro und Gastrozulieferer hoffentlich nur vorübergehend rückläufig.»

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