Freitag, 7. Oktober 2022
07.08.2022 06:01
Schwyz

Das Wildheuen ist ihr Hobby

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Von: czb

Auf der Alp Tröligen produziert Oskar Pfyl jeweils vormittags eine breite Palette verschiedener Käsesorten aus Kuh- und Ziegenmilch. Nachmittags kann er sich die Zeit nehmen, seinem Hobby nachzugehen – dem Wildheuen.

In Muotathal ist das Wildheuen noch von grosser Bedeutung. «Jeweils am 1. August werden die Zirkplätze, die man heuen darf, per Los verteilt», erzählt Oskar Pfyl. Er selbst nutzt auf der Alp Tröligen Flächen, die seiner eigenen Alp zugeteilt sind und um die er sich schon weit vor dem 1. August kümmern darf. Für ihn und seine Familie sei das Wildheuen ein Hobby, erklärt er.

Ein besonderes Handwerk

Das bestätigt auch sein 15-jähriger Sohn Dominik Pfyl, der im August eine Lehre zum Landwirt antreten will. «Ich bin stolz darauf, ein Handwerk zu können, das manch andere Bauern nicht mehr beherrschen», erklärt er. Denn das Wildheuen schliesst ein, mit der Sense zu mähen. Auf Flächen, wo die Sonne spät kommt, muss das Heu mit dem Rechen gewendet werden. Dann gilt es, das Heu entweder zu einem «Burdeli» zu schnüren und auf der Schulter über einen schmalen Bergweg einige Meter weit zu tragen. Oder es an einem Seil hinunterzubefördern, wo es auf einen Ladewagen geladen wird.

Für Oskar Pfyl beugt das Wildheuen der Erosion vor. Er betont: «Ich möchte das Heu möglichst da sammeln, wo wir es brauchen, statt es vom Tal auf die Alp führen zu müssen.» Er mäht auf seiner auf rund 1450 Metern über Meer gelegenen Alp daher auch Flächen, die davor schon mal abgeweidet worden waren. Und zudem sei das Heuen auf teilweise schwer zugänglichen Flächen auch eine besondere Gelegenheit, als Familie zusammenzuarbeiten, so Pfyls. Ausserdem hat man von den Stellen, wo Pfyls wildheuen, auch eine unvergleichliche Aussicht in Richtung Zug und Zürich sowie über die Berge von Ybrig und Uri.

Breite Käse-Palette

Insgesamt sömmert die Familie Pfyl auf der Alp Tröligen, nahe dem autofreien Ferienort Stoos, derzeit 25 Milchkühe, 20 Rinder und 19 Milchziegen. Zusätzlich beaufsichtigt Oskar Pfyl im Angestelltenverhältnis 25 tragende Rinder der Genossame Schwyz. Die Milch seiner Kühe und Ziegen verarbeitet er selbst zu Käse. Dazu kommt die Milch von acht Älplern sowie Ziegenmilch von zwei weiteren Bauern.

Etwas Käse kann der Landwirt von seinem Alpbeizli aus direkt an Passanten verkaufen, die vom Stoos her zu seiner Alp und wieder zurück spazieren. Auch an den Tal- und Bergstationen der Stoos-Bahnen kann er den Käse zum Verkauf anbieten.

Kuhmilch wird überwiegend zu halbhartem Alpkäse verarbeitet. «Weil wir selbst gerne Raclette essen, haben wir damit begonnen, Raclettekäse herzustellen», erzählt Pfyl. Mit der Zeit kamen Mutschli hinzu, dann auch Sorten wie Pfeffer- oder Knoblauchkäse. Die Ziegenmilch wird zu Geisskäse und Formaggini verarbeitet. Pfyl ist überzeugt, dass eine breite Palette verschiedener Alpkäse-Sorten für Konsumentinnen und Konsumenten interessanter ist.

Zuerst die Kühe

So sind Oskar Pfyl, seine Frau Marianne, zwei Lehrlinge sowie andere Helfer jeweils vormittags in der Käserei beschäftigt oder mit Unkrautbekämpfung, Zäunen oder Mähen. In der Regel werden morgens erst die Kühe gemolken, und dann die Ziegen. Abends ist es umgekehrt. Denn tagsüber bleiben die Ziegen oft im Schatten ihres Stalls, direkt neben der Alpkäserei, wo sie bis zum späteren Nachmittag bleiben. Pfyl melkt sie, wenn er mit dem Wildheuen fertig ist und bevor sie wieder losziehen, um an ihr Futter zu kommen.

Das kommt auch den vielen Passanten entgegen, die sich im Alpbeizli noch etwas stärken, bevor sie zum Stoos zurückkehren. Besonders wenn, wie derzeit der Fall, auch noch ein kleines Gitzi dabei ist, werden die Ziegen zu einem beliebten Fotomotiv.

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