Dienstag, 28. September 2021
01.08.2021 06:01
Wallis

Diebe plündern 150 Aprikosenbäume

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Von: zcb

Gérard Devènes ist schockiert: Im Frühling hat sein Sohn viel Geld investiert, um sein Obst vor dem Frost zu schützen. Nun räumten Diebe in nur einer Nacht die kompletten Früchte von seinen 150 Aprikosenbäumen.

Es ist schon gut einen Monat her. Mittwoch auf Donnerstag in der Nacht, Mitte Juni. «Mein Sohn hatte mich am Mittwoch noch angerufen und gebeten, mir die Parzelle anzuschauen, wo er vor vier Jahren neue Bäume gepflanzt hat», erzählt Gérard Devènes, Obstbauer und pensionierter Agroscope-Mitarbeiter aus Fey bei Nendaz im Wallis. Er sei hingegangen, um abzuschätzen, wie reif die Aprikosen sind, die sein Sohn Kilian im April mit viel Aufwand noch vor dem Frost schützen konnte. Fünf Nächte habe er viel Zeit und Geld investiert, sodass es ihm gelungen sei, in der Ebene etwa 40 Prozent, an den Hängen mit Paraffin-Kerzen gerade mal noch etwa fünf Prozent seiner Ernte zu retten. Vielleicht hätten die etwas grösseren Blätter der neuen Sorte etwas dazu beigetragen, dass die Blüten darunter besser vor dem Frost geschützt gewesen seien, schätzt Devènes. Trotzdem: «Eine Investition von 150000 Franken, um am Ende doch so wenig retten zu können, das tut weh», sagt Devènes.

Nachbarn hörten nichts

Nachdem Vater Devènes festgestellt hatte, dass die wenigen geretteten Aprikosen zur Ernte reif waren, meldete er seinem Sohn, dass er die Früchte doch noch vor dem Wochenende ablesen solle. Sohn Kilian plante die Aprikosen-Ernte schon am nächsten Morgen. Doch dazu kam es nicht mehr. In der Nacht auf Donnerstag kamen ihm Diebe zuvor. Die Unbekannten plünderten in wenigen Stunden die ganze Parzelle mit etwa 150 Aprikosen-Bäumen. Und das  in unmittelbarer Nähe von sechs bewohnten Einfamilien-Häusern. Niemand hat etwas bemerkt.

Devènes macht seinen Nachbarn keine Vorwürfe dafür. Und selbst wenn sie etwas beobachtet hätten, wären sie wohl kaum auf die Idee gekommen, dass da gerade Diebe am Werk sind.  Denn viele Obstbauern stellen den Anwohnern unbekannte Erntehelfer ein, die teils bis spätabends oder schon frühmorgens zwischen den Bäumen in den Plantagen arbeiten.

Kein Einzelfall

Der Diebstahl der Aprikosen bei Familie Devènes war kein Einzelfall. Im selben Zeitraum  wurden einem Gemüsebauern in der Region Nendaz Spargeln vom Feld gestohlen und im Internet zum Verkauf angeboten. Das lieferte allerdings den entscheidenden Hinweis. Der Gemüsebauer habe eine etwas grössere Bestellung aufgegeben, und schon in der darauffolgenden Nacht konnte die Polizei die Diebin in flagranti fassen, erzählt der Walliser.

Devènes dagegen vermutet, dass es für die gestohlenen Aprikosen keine Aufklärung geben dürfte. «Unsere Aprikosen müssen, da sie reif waren, schon innert sehr kurzer Zeit verkauft worden sein, vermutlich ausserhalb des Kantons Wallis», sagt der Obstbauer. Man habe die örtliche Polizei zwar noch alarmiert, zumal anzunehmen sei, dass die Diebe ein grösseres Fahrzeug benutzt hätten und mindestens zu zweit oder zu dritt am Werk gewesen sein müssen. Die Hanglage erforderte gutes Schuhwerk und für die zwei bis drei Kilogramm Aprikosen pro Baum, mussten genügend viele Behälter benützt worden sein. Da die Bäume noch jung und folglich klein waren, war es dagegen ein einfaches Spiel, die Bäume von oben bis unten zu räumen. Nur ein paar noch unreife Aprikosen haben die Diebe übrig gelassen. Devènes Parzelle ist nur über eine kurze, schmale Flurstrasse befahrbar, die durch eine Hecke führt. In dieser lassen sich auch grössere Fahrzeuge leicht verstecken. 

Eine Tragödie

Kilian Devènes, der seinen Obstbaubetrieb ausschliesslich mit Aprikosen bewirtschaftet, mochte sich selbst nicht zum Diebstahl äussern. Sein Vater dagegen spricht von einer Tragödie, speziell für einen Vater mit einer noch jungen Familie mit zwei Kindern. «Eine verlorene Saison lässt sich dank Reserven vielleicht noch überbrücken, zwei verlorene Jahre gehen hingegen an die Substanz», meint Gérard Devènes. Er spricht dabei auch den Frühlingsfrost von 2017 an.

Auf einer anderen Parzelle hat Kilian Devènes letztes Jahr etwa 1000 neue Bäume gesetzt. Diese hat er mit einem zwei Meter hohen Zaun umzäunt – eigentlich zum Schutz vor Wildtieren – nun aber muss er wohl in Zäune investieren, um sich vor Menschen zu schützen.

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