Donnerstag, 26. November 2020
09.11.2020 06:01
Bio-Damhirschzucht

Ein Nischenprodukt mit Hürden

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Von: sku

Einheimisches Wildfleisch ist gefragt und kann trotz stetig steigender Anzahl Zuchtbetriebe die Nachfrage bei weitem nicht decken. Warum dem so ist, weiss Hirschzüchter Christoph Fuchs aus Schwarzenberg LU.

Aufmerksam beobachtet Björn, der vierjährige Stier mit prächtigem Geweih und unangefochtener Platzhirsch in der Herde von Christoph Fuchs die Hirschkuh seiner Wahl. Entfernt sie sich zu weit weg von ihm, drängt er sie unmissverständlich zurück in seine Nähe. Es ist Mitte Oktober und somit Brunftzeit. Mit einem Kessel trockenem Brot, einer Delikatesse für die Tiere, lockt der 27-jährige Agronom die Hirsche zu sich.  Doch trotz der Vertrautheit seiner Stimme wagen die Tiere sich nicht näher als bis auf zwei, drei Meter an ihn ran. «Es sind immer noch Wildtiere und obwohl sie zahm sind, halten sie immer eine gewisse Distanz.»

Mit 12 Tieren, Kostenpunkt rund 750 Franken pro Tier, startete Christoph Fuchs 2015 seine Damhirschzucht. Ein Jungendtraum wurde für ihr wahr. «Es braucht viel Freude und Leidenschaft für eine Bio-Hirschzucht, denn die Hürden sind hoch und der Ertrag verhältnismässig verhalten. Die Tiere sind mit einem Schlachtgewicht zwischen 18 und 24 Kilo eher kleiner als bei herkömmlicher Zucht und geben entsprechend weniger Fleisch.», weiss Fuchs. Ungefähr zehn bis zwölf Kilo Fleisch würden am Schluss bleiben.

Viel Platz – gesündere Tiere

Die grösstenteils steile Weidefläche von rund 3.6 Hektaren, aufgeteilt in vier Koppeln, wird im Umtriebsweidesystem bewirtschaftet. Nur etwa sieben Muttertiere werden pro Hektare gehalten. Das sind  im Vergleich zu herkömmlicher Haltung sehr grosszügige Platzverhältnisse. «Ein eher tiefer Bestand auf der Fläche wirkt sich positiv auf die Gesundheit und das Schlachtgewicht aus, zudem ist es besser für die Grasnarbe», ist Fuchs überzeugt. 

«Das Problem bei der Hirschhaltung ist, dass im Frühling reichlich frisches Gras vorhanden ist, man könnte also gut viel mehr Tiere halten. Im Sommer und Herbst sind die Weiden kahl und es gibt dementsprechend weniger Futter. Als Bio-Betrieb kann nicht einfach schnell Kunstdünger eingesetzt werden und das Zufüttern mit Bio-Maissilage ist deutlich zu teuer,» so Fuchs. Seine Hirsche werden ausschliesslich mit frischem Gras, ab Mitte November zusätzlich mit Heu und Mineralstoffen und ein paar Äpfeln oder Birnen gefüttert.

Neben Ästen, Rinden und Blättern, ist trockenes Brot eine Delikatesse für die Hirsche.
Susanne Künsch

Arbeitsextensiv, aber …

«Der tägliche Arbeitsaufwand beträgt etwa eine halbe Stunde, hinzu kommt die Weidenpflege, der Gehegeunterhalt und natürlich die beiden saisonalen Arbeitsspitzen mit der Setzzeit im Sommer und der Abschusszeit im Herbst», sagt Fuchs, welcher die Zucht nebenberuflich betreibt. Beobachten sei das A und O bei der Hirschzucht. «Wechselt etwa ein Tier im Frühjahr sein Fell nicht, oder nimmt nicht an Gewicht zu, muss ich handeln.»

Besonders gefürchtet unter Hirschzüchtern ist die Infektionserkrankung Nekrobazillose, welche vor allem Jungtiere in den ersten Lebenswochen befällt. «Anders als bei Mutterkuhhaltung kann bei Verlusten nicht einfach ein Kalb hinzugekauft werden, sondern es wird alles der Natur überlassen», so Fuchs, welcher seine Tiere mehrmals jährlich auf Parasitenbefall testet. 

Begehrtes Fleisch

Immer im  September werden die schlachtreifen Tiere nach rund 15 Monaten extensiver Weidehaltung geschossen. Christoph Fuchs erlegt seine Tiere selbst, und zwar nicht wie auf der Jagd mit Blattschuss ins Herz, sondern per Kopfschuss. Die sofortige Betäubung bei einem Kopfschuss wirkt sich positiv auf die Fleischqualität aus und bedeutet für das betroffene Tier am wenigsten Stress.  

«Zu den strengen Vorlagen des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen gehört die Begutachtung der Herde durch einen Tierarzt. Nur gesunde Tiere werden zum Abschuss freigegeben», erklärt Fuchs.

Der Hirschzüchter hat sich mittlerweile einen guten Kundenstamm aufgebaut. Er verkauft fast ausschliesslich an Privatpersonen. «Der Absatz läuft gut, das fettarme Fleisch ist begehrt und die Kunden sind bereit, für qualitativ gutes Bio-Damhirschfleisch etwas mehr zu bezahlen.» Ein Kilo Hirsch-Schnitzel wird zwischen 68 und 77 Franken verkauft, die begehrten Hirsch-Würste zu 8 Franken das Paar.

Nichts für Ungeduldige

«Der Aufbau einer Hirschzucht braucht einen langen Atem. Ich brauchte rund zwei Jahre Vorbereitungszeit», erinnert sich Fuchs. Angefangen bei der Baubewilligung für das Gehege und das Errichten eines zwei Meter hohen Zauns, müssten schnell einmal ein paar zehntausend Franken investiert werden. Zudem brauche es eine Wildtierhalterbewilligung, welche ein Praktikum von 300 Stunden miteinschliesse. «Hirschzucht braucht eine gesunde Portion Leidenschaft für diese Tiere, denn die Hürden sind nach wie vor hoch. Obwohl die Kurve der Hirschzuchten stetig nach oben zeigt, wird sie wohl weiterhin eine Nische bleiben», ist Christoph Fuchs überzeugt.

Platzhirsch Björn hat seine Herde fest im Blick.
Susanne Künsch

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