Dienstag, 29. November 2022
20.02.2022 06:01
Aargau

Eine kleine, feine Dexter-Zucht

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Von: hpw

Irene und Martin Meyer sind begeistert von ihren Mutterkühen. Zwei Tiere wurden jetzt mit einer Goldmedaille belohnt.

Man kann nicht sagen, Martin und Irene Meyer seien wie die Jungfrau zum Kind auf die Viehrasse Dexter gekommen, aber ein bisschen Zufall war schon dabei. Sie besuchten 2004 –  ein Jahr, nachdem sie vom früheren Pachtbetrieb im benachbarten Rupperswil auf einen eigenen älteren Hof in Auenstein umgezogen waren – das dritte nationale Weidfest beef.ch am Pfannenstiel. Dort entdeckten sie im hintersten Zelt eine Dexter-Kuh mit ihrem Kalb. Als bisherige Holstein-Limousin-Viehbesitzer waren sie auf der Stelle von der kleinen, charaktervollen Rasse begeistert.

Bis zu 18 Kälber

Martin Meyer kaufte von einem Betrieb im Oberaargau das Dexter-Rindli Bettina, das ihn 4000 Franken kostete, und einen Jungstier aus dem Toggenburg. Damit legte er den Grundstein für eine zuchtbuchbasierte neue Mutterkuhhaltung. Sieben Jahre nach der ersten Kuh holte er auch deren Schwester Mette in seinen Stall. Die beiden Kühe wurden 2021 von Mutterkuh Schweiz 2018/19 für Langlebigkeit und hervorragende Leistungen mit Goldmedaillen ausgezeichnet. Bettina brachte 18 Kälber zur Welt, aber sie starb letzten Herbst, 18-jährig, unerwartet auf der Weide. Mette wird jetzt 20 Jahre alt und hat schon 17-mal gekalbt. Das sind typische Merkmale der Dexter: klein, frühreif, leichtkalbig, langlebig, robust und zutraulich. Sie sind eine Zweinutzungsrasse, bringen mehr Nachwuchs als andere Viehrassen auf die Welt, geben Milch für zwei Kälber und liefern Fleisch, das von feinsten Fettäderchen durchsetzt ist, und deshalb besonders zart und saftig ist sowie Omega-3-Fettsäuren enthält, wie Martin Meyer, der auch gelernter Metzger ist, betont.

Zutrauliche Tiere

Das Dexter-Rind stammt ursprünglich aus Irland, aus der südwestirischen Grafschaft Kerry. Dort gelang dem Gutsinspektor Mister Dexter um 1840 die neue Zucht aus wilden Bergrindern und kleinerem Milchvieh. Die älteste Dexter-Kuh brachte es mit 49 Jahren und 34 Kälbern ins Guinnessbuch der Rekorde. Weil die Tiere leicht, wendig und trittsicher sind, eignen sie sich für die Beweidung an Hanglagen, in Berggebieten und auf feucht-tiefgründigem Terrain. Solche Verhältnisse kann Martin Meyer seinen Tieren am Dorfrand von Auenstein, zwischen der Aare-Aue und dem ausgedehnten Gisflifluh-Südhang, bieten. Die reinrassige kleine Dexter-Herde mit drei bis fünf Kühen sowie Kälbern und Zuchtstier – der auch anderen Betrieben für eine inzuchtfreie Fortpflanzung ausgeliehen wird – verbringen die meiste Zeit auf Weiden und nur wenige Winterwochen im alten Stall, der den anspruchslosen Tieren zu genügen scheint. Handzahm und mit ihrem Besitzer vertraut, kann sie Martin Meyer problemlos an die Halfter nehmen. Die kleine Dexter-Kuh Laura lässt sich sogar vor einen Wagen spannen.

Erfolgreiches Gespann

Meyers Hof ist 11 Hektaren gross oder, besser gesagt, klein – aber bemerkenswert vielseitig. Der grössere Teil ist Pachtland und der Hauptteil Wiesland mit 25 Prozent Ökoflächen. Auf 4,5 Hektaren Ackerland wachsen Gerste, Hafer, Weizen, Dinkel, Zuckerrüben und Mais. Ein sehr wichtiger Betriebszweig sind Kutschenfahrten, die über das Internet gebucht werden. Drei Freiberger sind einsatzbereit; der Fuhrpark umfasst eine Wagonette, zwei Gesellschaftswagen, einen Landauer, einen Leichenwagen und einen Schlitten. Martin Meyers Gespann ist neben Ausfahrten von Februar bis Dezember auch am Zürcher Sechseläutenumzug zu sehen. Überdies gehen Martin und Irene Meyer Nebenberufen nach, er als Bankmetzger-Ablöser bei Coop, sie als Teilzeitverkäuferin im Volg Rupperswil. Samstags betreiben sie zusätzlich einen Hofladen mit Eiern, Brot, Zopf, Speckzopf und Patisserie. Wer da Langeweile vermutet, ist am falschen Ort.

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